"Dieses Pack"

CDU Politikerin hetzt gegen Türken, Araber und Kurden

In einem Facebook-Kommentar läuft die CDU-Politikerin und Sprecherin des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU, Madlen Vardian, verbal Amok gegen Türken, Kurden und Araber. Sunniten seien „Pack“. Ein Ausrutscher ist es nicht. Sie verteidigt ihre Position mehrmals. Und die CDU? Sie schweigt. Viel zu laut.

Es ist zu spät. Definitiv. Der Schaden ist schon angerichtet. Facebook ist eben doch die Welt und kein kuscheliges Zuhause, wo man auch mal unbeobachtet seine Jogginghosen-Laune raus lassen kann. Da nützt es nichts, Stunden später den Account nur noch für „Freunde“ sichtbar zu machen. Bis dahin haben alle den Status gelesen, geteilt, kopiert, einen Screenshot gemacht und weitergegeben.

Normalerweise schreibe ich keine Artikel über Facebook-Kommentare, das ist weder mein Beruf, noch mein Metier. Doch gab es heute auf Facebook einen Kommentar von Madlen Vartian zu lesen, der viele Mitleser bestürzt und fassungslos gemacht hat, auch mich. Deswegen dieser Artikel.

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Madlen Vartian bezieht Stellung zu einem Artikel, der davon berichtet, dass in Betlehem einen Tag vorher die Mar Charbal-Kirche abgebrannt ist, der Priester der Kirche geht laut diesem Artikel von palästinensischen Extremisten aus. Zu Recht ist Frau Vartian empört.

Ein Gebetshaus anzuzünden ist ein aggressiver, menschenverachtender Akt. Ich empfinde das jedes Mal so, egal, ob es sich um eine Synagoge, Kirche oder eine Moschee handelt.

Ihre Empörung äußert sie in einem Kommentar, der jedoch böser und hasserfüllter kaum sein kann. Er ist nicht gegen die tatsächlichen Täter gerichtet, sondern gegen sunnitische Muslime allgemein, die generell mit den Tätern in einen Topf geworfen werden:

„Ich glaube nicht an die Aufteilung zwischen „Moderaten“ und „Extremisten“ denn im Ergebnis trägt die überwiegende Mehrheit der Sunniten, ob Araber, Türken oder Kurden – den Christenhass und die Zerstörung von Kultur und Zivilisation in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes wächst kein Gras, wo dieses Pack lebt. Die Welt mag sie untertreibend „Islamisten“ nennen, ich nenne es – aus der 1400jährigen Erfahrungsgeschichte meines Volkes – sunnitischer Islam. Ein anderes Gesicht kennen wir nicht! Die gekauften Hunde in Europa mögen für dieses Pack bellen wie sie wollen!“

Harter Tobak. Nun kann man das, sehr gutmütig betrachtet, für einen Ausrutscher halten, für schwache 5 Minuten. Doch über 6 Stunden war ihr Kommentar zu lesen, die darauf folgenden Reaktionen auch. Auf fehlende Differenzierung und Sachlichkeit von vielen Lesern rüde, entsetzt oder freundlich hingewiesen, als Hetze und rassistischer Kommentar eingeordnet, bekräftigte Frau Vartian ihre Meinung:

„Ach, noch was: Ob ich sie (die Sunniten Anm. d. R.) „Pack“, „Dreck“, „Rassisten“, „Faschisten“ oder was auch immer nenne, ist allein meine Sache!“

Randnotiz: Unter „Freunde & Förderer“ zählt die CAF unter anderem die Türkische Gemeinde in Nordrhein-Westfalen (TGNRW) auf. „Die TGNRW begrüßt den Ansatz des CAF und setzt auf einen konstruktiven Dialog“, heißt es dort.

Wer Frau Vartian nicht kennt, mag sich die Frage stellen, warum ihre Meinung solches Entsetzen auslöst, warum ist es wichtig, was sie schreibt? Madlen Vartian ist Juristin, stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland, Sprecherin des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU [1] (CAF). Sie ist eine öffentliche Person, die sich als Mitglied der Regierungspartei meines Landes äußert, die als Sprecherin ein CDU-Netzwerk vertritt, welches sich selbst folgendermaßen beschreibt:

„Der CAF will sich konstruktiv in die Integrationspolitik der CDU einbringen. … Hierbei spielen … die Ablehnung von Antisemitismus, Homophobie und anderen Feindbildern innerhalb der Migrantengemeinschaften eine wichtige Rolle. Es ist die Grundüberzeugung des CAF, dass ein gedeihliches Miteinander zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Migranten, sowie der verschiedenen Migrantengemeinschaften untereinander, notwendig ist, um den sozialen Frieden in unserem Land langfristig zu wahren.“

Das CDU Mitglied Madlen Vartian teilt diese Grundüberzeugungen mitnichten. Sie hat ihre Haltung sehr deutlich gemacht: sie setzt Muslime mit Faschisten und Dreck gleich und diejenigen, die sich für interreligiösen Dialog engagieren, mit bellenden Hunden. Den sozialen Frieden in meinem Land mit solchen Hasskommentaren und solcher Hetze zu gefährden, ist ein aggressiver, menschenverachtender Akt.

Ich arbeite als Religionslehrerin an der Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück. Unsere Schüler sind Juden, katholische und evangelische Christen und Muslime, unsere Lehrer auch. Trotz großer Unterschiede und auch schwieriger Diskussionen haben Hass und Hetze keinen Platz bei uns, das verstehen schon die Erstklässler.

Der Kommentar ist mittlerweile nicht mehr lesbar, aber hundertfach geteilt.

Die CDU-Spitze schweigt bis jetzt. Viel zu laut.