Nur eine Zeitfrage

Google Maps löscht Flüchtlings-Karte, Kopie aber schon im Umlauf

Kaum hat Google Maps auf den öffentlichen Druck reagiert und die umstrittene Flüchtlings-Karte gelöscht, ist auch schon eine Kopie im Umlauf. Diesmal agieren die Flüchtlings-Gegner aber weniger offen rechtsextrem.

Google hat die umstrittene Online-Karte [1] „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ aus dem Netz genommen. Auf dieser Karte hatten fremdenfeindliche Aktivisten die Adressen von Flüchtlingsunterkünften in ganz Deutschland eingetragen. „Wir erachten den Zugang zu Informationen und die freie Meinungsäußerung als außerordentlich wichtig. Wann immer Inhalte illegal sind, entfernen wir sie von unseren Produkten“, sagte Lena Heuermann, Sprecherin von Google Deutschland, dem Evangelischen Pressedienst. „So verfahren wir auch mit Inhalten, die gegen unsere Richtlinien und Nutzungsbedingungen verstoßen, wozu auch das Zufügen von Schaden sowie die Förderung von Hass gehören.“

Wie am Wochenende aber bekannt wurde, ist ein Dublikat dieser Karte weiter im Umlauf. Ähnlich wie bei der gelöschten Karte, erklären die Flüchtlingsgegner zwar, sie bejahten den Anspruch auf Asyl, lehnten aber den Asylmißbrauch ab. Offenbar klüger geworden, sind dort keine weiteren Hinweise mehr zu finden, die auf eine rechtsextreme Gesinnung schließen lassen. So dürfte Google schwerer fallen, eine Löschung zu begründen.

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Rechtsextreme Gesinnung offenkundig

Die rechtsextreme Gesinnung ist dennoch offenkundig. Ob alle auf der Karte aufgeführten Adressen des Asylmissbrauchs verdächtigt werden, wird – anders als die Erklärung suggeriert – nicht erklärt. So entsteht der Eindruck, als würde in allen aufgeführten Adressen Betrug begangen. Deshalb scheint es auch hier nur eine Zeitfrage zu sein, wann das Duplikat gelöscht wird, ebenso die Errichtung einer weiteren Kopie.

Die gelöschte Karte war prominent in den sozialen Netzwerken verbreitet worden. Internetnutzer forderten von Google, die Karte zu löschen. Auch die demokratiefördernde Amadeu Antonio Stiftung hatte dafür plädiert, sie zu entfernen: „Wir befürchten, dass die Karte eine Art Reiseroute für rassistische Gewalttäter wird“, sagte Robert Lüdecke, Sprecher der Stiftung.

Die Karte war offenbar seit Monaten im Internet zu finden. Dahinter stand laut Legende der Karte eine Kampagne gegen „Asylantenheime“. Sie wollten mit der Karte auf einen angeblich drohenden „Volkstod“ hinweisen, teilten die Initiatoren dem Evangelischen Pressedienst mit. Die Aktion solle die „Errichtung solcher Heime“ ganz verhindern oder stören.

Die Initiatoren stehen nach eigenen Angaben der Partei „Der III. Weg“ nahe, die in den Verfassungsschutzberichten von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg aus dem Jahr 2014 auftaucht. Die Partei sei „ideologisch an das Gedankengut der nationalsozialistischen Partei NSDAP“ angelehnt, heißt es in dem NRW-Bericht. Der politische Schwerpunkt liege beim Thema Asylpolitik und habe eine „betont fremdenfeindliche Ausrichtung“. (epd/mig)