Die Polizei in Jena scheint entschlossen, das nach dem Bekanntwerden des NSU-Skandals ohnehin angeschlagene Vertrauen in die Sicherheitsbehörden vollends kaputtzumachen. Wie nun bekanntwurde, hat die Jenaer Polizei einen offensichtlich fremdenfeindlichen Übergriff von polizeibekannten Neonazis auf drei indische Jugendliche, darunter Studenten, als gefährliche Körperverletzung eingestuft – ohne rassistischen Hintergrund.
Es geschah am zweiten Dienstag im Juni. Kurz nach Mitternacht näherte sich den Jugendlichen nach Darstellung der Ostthüringer Zeitung drei offensichtlich angetrunkene Männer. Sie provozierten die Inder mit rassistische Bemerkungen bis die Situation eskalierte: Die Täter traten und schlugen die Studenten und warfen sie auf den Boden. Es kamen weitere Angreifer hinzu. Sie warfen Bierflaschen auf einen der Studierenden. Wie die Angegriffenen berichten, zeigten die Täter während des Übergriffs den „Nazi-Gruß“ und grölten „Ausländer raus“. Die Studenten erlitten Verletzungen, bei einem wurde ein Bruch des linken Unterkiefers konstatiert.
Nachdem die Angreifer flüchteten, riefen die Opfer die Polizei. Wie die Ostthüringer Zeitung weiter berichtet, hat die Polizei den Übergriff vollkommen falsch bewertet und dokumentiert: Es sei „keine ärztliche Behandlung der Opfer notwendig“ gewesen; die Opfer hätten auf mehrfaches Befragen einen fremdenfeindlichen Hintergrund ausgeschlossen; auch vor Ort habe es keine Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche Tat gegeben.
Erst im Nachhinein sei festgestellt worden, dass es sich bei den Tätern wahrscheinlich um ortsbekannte Rechtsradikale gehandelt hat. Die Ermittlungen gingen weiter. (bk)