Zum Brief von Fler an Farid Bang

Die deutsche Rap-Szene ist durchsetzt von Rassismus

Ein Schlagabtausch zwischen den Rappern Fler und Farid Bang sorg derzeit für Wirbel. Auf Facebook schreibt Fler, Farid soll froh sein, in Deutschland sein zu dürfen – Kaveh Ahangar kommentiert:

Vorher aber noch ein paar Worte zu Farid Bang. Der Düsseldorfer Gangsta-Rapper mit marokkanischen Wurzeln, Farid al-Abdalawi, gehört zu den erfolgreichsten Rappern Deutschlands. Was die Verbreitung menschenverachtender und sexistischer Texte angeht, liegt er auch ganz weit vorne. Seine audio-visuellen Darbietungen tragen dazu bei, dass über eine Millionen Fans, darunter insbesondere Kinder und Jugendliche mit Gewalt- und luxusverherrlichenden, frauenverachtenden und homophoben Lines gefüttert werden.

Die Auswirkungen dieser „Musik“ auf die zwischenmenschlichen Beziehungen seiner Zielgruppe tragen wohl kaum zu einem respektvollen Umgang bei und schlimmstenfalls fördern seine Tracks Gewalt und Diskriminierung. Rap ist dabei natürlich nur ein Spiegel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verhältnisse und nicht der Auslöser gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

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Der Berliner Rapper Fler wiederum macht seit etwa zehn Jahren mit sexistischen und homophoben sowie deutschnationalen und rassistischen Zeilen auf sich aufmerksam. Nun schlägt er abermals in die gleiche Kerbe und spricht Farid – der ihn in den letzten Jahren des Öfteren hart gedisst hat – mit folgenden Worten an:

„Die soziale Gerechtigkeit die wir für Deine Eltern und Dich gerne anbieten solltest du nicht als Herablassung empfinden…. Wir Deutsche machen das gerne! Wir sind sozial in Deutschland und ich freue mich das auch jemand wie du davon profitieren kann (…) Wir nehmen Deine Eltern auf und das ist jetzt der Dank dafür? Warum werde ich von Dir und Deinen Rapper-Freunden, die alle Migrations-Hintergrund haben andauernd beleidigt?“ 1 [1]

Beitrag [2] von Fler [3].

 

Flers Brief ist vielleicht eine Folge der angehäuften Wut gegenüber der jahrelangen Kränkungen und dem gegenseitigen Schlagabtausch. Er reflektiert seinen sozialen und wirtschaftlichen Neid gegenüber den erfolgreicheren „Bangern“. Gleichzeitig spiegelt es den tief verwurzelten Rassismus und den irrationalen Nationalstolz der Mehrheitsgesellschaft wider.

Für Fler ist Deutschland ein gutes Land. Meint er damit die Tatsache, dass Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur für den Tod unzähliger Menschen mitverantwortlich ist? Oder eher, dass Deutschlands Außen- und Wirtschaftspolitik viele Menschen in die Armut treibt? Er spricht von sozialer Gerechtigkeit, die „wir [was er dazu beigetragen hat, bleibt dabei im Dunkeln] für dich und deine Eltern anbieten“.

Hat er schon vergessen, dass die meisten Eltern von denen er spricht hierher eingeladen wurden, um mitzuhelfen, dass diese Menschen Steuern zahlen und zum Wohlstand Deutschlands beitragen, und sogar ehrlicher sind als viele ohne Migrationshintergrund à la Hoeneß oder Schwarzer.

Das auffälligste an dem Brief ist jedoch die Unterscheidung zwischen einem einheimischen „wir“ bzw. „ich“ und einem ausländischen „ihr“ bzw. „du“. Er sagt zum Beispiel, dass Farid aufgrund seiner Nationalität besser aufpassen sollte, was er sagt „als Gast“. „Deutschland meint es gut mit Leuten wie Dir und deswegen lassen wir auch noch mehr Asylanten in unser Land.“

Mal abgesehen davon, dass Deutschland sich durch die Drittstaatenregelung erfolgreich von den Flüchtlingsströmen abschottet, also nur wenige Asylsuchende überhaupt nach Deutschland gelangen und diejenigen, die es schaffen systematisch von Staat und Gesellschaft diskriminiert werden, bedient sich Fler (wohl eher unbewusst) einer Weltanschauung, die in der NS-Zeit ihre Vollendung fand.

Es geht hierbei um die Blut- und Boden-Ideologie. Wissenschaftlich gesehen ist diese Ideologie natürlich großer Unfug, weil es keine „reinen Rassen“ gibt, so gut wie alle Menschen durchmischt sind und die Vorfahren jedes noch so weißen Deutschen irgendwann einmal von irgendwoher in Deutschland eingewandert sind.

Und dennoch wird man in Deutschland als nicht-weißer Mensch fast nie als volles Mitglied der Gesellschaft oder als „echter Deutscher“ betrachtet, sondern als eine Person, die gegenüber der Mehrheitsgesellschaft weniger Recht auf dieses Land habe. Ein deutscher Pass reicht dafür noch lange nicht aus und man kann noch solange hier leben und noch so gut die deutsche Sprache sprechen. Man wird in den Köpfen vieler Weißer nie als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft anerkannt.

Es gibt – soweit ich weiß – keine andere Rap-Szene der Welt, in der rassistisches Gedankengut so verbreitet ist wie in Deutschland. Die Popularität rechtsdenkender Rapper legen dies jedenfalls nahe. In den USA, Frankreich oder England findet man im Mainstream keine solchen Parallelen.

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