Diversity-Tag

Wo Diversity drauf steht, ist nicht unbedingt Diversity drin

Ob Workshops, Konferenz oder ein Menü der Vielfalt in der Betriebskantine – am 11.06.2013 feiern Diversity-Begeisterte in ganz Deutschland den 1. Deutschen Diversity-Tag. Zahlreiche Veranstaltungen verschleiern jedoch den Blick auf die Realität.

Den 1. Deutschen Diversity-Tag nutzen Unternehmen und Verbände, um mit öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten ihre kulturelle Offenheit zu zeigen. Fotoausstellungen, Sprachtandems und interkulturelle Wochen in der Kantine verschleiern jedoch den Blick auf die Realität: Wo Diversity drauf steht, ist nicht unbedingt Diversity drin. Das gilt vor allem für Entscheidungsgremien von öffentlichen und privaten Arbeitgebern in Berlin: Dort sind Menschen mit Migrationshintergrund praktisch nicht vertreten und deren Potenzial für Wachstum, Innovation und Demographie werden verspielt.

Eine Umfrage von Citizens For Europe e.V. [1] bei großen privaten, öffentlichen und gemeinnützigen Arbeitgebern der Dienstleistungsbranche in Berlin hat zu alarmierenden Ergebnissen geführt: „Die Zusammensetzung von Vorständen, Aufsichtsräten, Geschäftsführungen und Kuratorien spiegelt offensichtlich in keiner Weise die plurale Bevölkerung Berlins wider. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen ist verschwindend gering und liegt deutlich unter 5 Prozent, gegenüber 25 Prozent in der Bevölkerung”, fasst Martin Wilhelm zusammen, Geschäftsführer von Citizens For Europe. „Der Bedarf an kultureller Vielfalt in Entscheidungsgremien ist bislang noch nicht ins Bewusstsein vorgedrungen – weder bei privaten noch bei öffentlichen Arbeitgebern. So gibt es auch kaum Daten über den Anteil von Führungspersonal mit Migrationshintergrund.“

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Falsche Einstellungsverfahren und interne Strukturen
Dabei mangelt es nicht an qualifiziertem Führungspersonal mit Migrationshintergrund. Vielmehr sind es Einstellungsverfahren und interne Strukturen, die soziale Mobilität verhindern. Laut den OECD-Indikatoren 2012 liegt in Deutschland die Beschäftigungsquote von UniversitätsabsolventInnen mit Migrationshintergrund 12 Prozent niedriger als die von gebürtigen deutschen Absolventen. Um der strukturellen Diskriminierung und dem Fachkräftemangel in Berlin, von der IHK für 2015 auf rund 50.000 Personen beziffert, entgegenzuwirken, müssen private Arbeitgeber und öffentliche Verwaltung mit der interkulturellen Öffnung bei den Entscheidungsgremien beginnen.

Im Integrations- und Partizipationsgesetz hat das Land Berlin Diversität zum Ziel einer zukunftsfähigen Personal- und Arbeitsmarktpolitik erhoben. Damit soll der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in der Verwaltung und öffentlichen Unternehmen entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung erhöht werden. Doch erfolgreiche Maßnahmen als auch Anreize für die Privatwirtschaft fehlen. Weil eine Migranten-Quote verfassungswidrig wäre muss die kulturelle Öffnung von der Politik honoriert und stärker befördert werden.

Mit der berlinweiten Kampagne “Vielfalt entscheidet!” wird Citizens For Europe gemeinsam mit einem breiten Bündnis von lokalen Akteuren, darunter u. a. DeutschPlus, das Kanadische Projekt “DiverseCity onBoard” in Berlin umsetzen – mit Veranstaltungen, Studien und regelmäßigen Berichten zur Vielfalt in Führungs-positionen. Durch aktive Vernetzung von hochqualifizierten Menschen mit Migrationshintergrund mit Berliner Arbeitgebern soll die kulturelle Vielfalt in Führungspositionen ausgebaut und der wirtschaftliche Erfolgsfaktor “Diversity” für ein prosperierendes und zukunftsfähiges Berlin genutzt werden. (cfe/hd)