Studie

Doppelte Staatsbürgerschaft ist für jeden dritten Einbürgerungskriterium

In den letzten Jahren ist die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland stetig zurückgegangen. Als Ursache dafür wird die Einführung des Einbürgerungstest gesehen. Aber auch das verwehrte Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft wird als Grund für das fehlende Interesse an der Einbürgerung bewertet.

Die Erhebungen in der Sinus-Migranten-Milieu-Studie [1] belegen, dass über ein Drittel der Migranten den deutschen Pass beantragen würden, wenn sie das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft hätten. 1 [2] Dennoch gaben 40 Prozent der Sudeuropäer – trotz Anspruch auf doppelte Staatsbürgerschaft – an, dass sie sich „ganz sicher nicht“ einbürgern lassen wollen. Demgegenüber lehnen lediglich 26 Prozent der Türken, obwohl sie kein Anspruch auf doppelten Staatsbürgerschaft haben, die deutsche Staatsbürgerschaft ab. 2 [3]

Indessen werden Forderungen nach Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit laut. Migrantenorganisationen, darunter die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), äußerten jüngst ihren Unmut über das bestehende Staatsangehörigkeitsgesetz. „Ich denke, mit der jetzigen Regelung wird man die jungen Menschen nicht näher an Deutschland binden, eher ist das Gegenteil der Fall. Wenn sie sich, so unter Druck gesetzt, aus pragmatischen Gründen für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden, werden sie es mit Abneigung tun. Besser wäre es gewesen, die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft zuzulassen.“ so Kenan Kolat von der TGD.

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Laut SPD-Vorsitzende Franz Müntefering will die SPD den Erwartungen der Migranten entgegenkommen. Müntefering kündigte auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert Stiftung die Aufnahme der Diskussionen um die doppelte Staatsbürgerschaft an.

Seit dem Staatsangehörigkeitsgesetz von 2000 erhalten Kinder von ausländischen Eltern zwar den doppelten Pass, müssen sich allerdings zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden. Dem Bundesministerium zufolge werden bis 2018 fast 50.000 und bis 2025 rund 320.000 Jugendliche vor die Wahl gestellt und müssen einen der beiden Pässe abgeben.

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