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Sprecht Deutsch!

Wann Deutsch zu sprechen Integration fördert – und wann nicht!

Gegenüber Eltern mit nichtdeutscher Muttersprache wird häufig ein Ratschlag – ja eine Forderung – laut, die keineswegs hilfreich ist – nicht für die Kinder, nicht für unsere Gesellschaft. Sie lautet: Sprecht Deutsch mit Euren Kindern. Von Sami Omar

Das Erlernen der deutschen Sprache ist für neu zugewanderte Menschen unverzichtbar. Weder sie, noch die bereits Ansässigen können getrost in die Zukunft eines pluralistischen Deutschland blicken, ohne diesen Konsens. Die Erfahrung der Wohlfahrtsverbände, Städte und Kommunen mit jüngst zugewanderten Menschen gibt hier auch keinen Anlass zur Sorge. Deutsch- und Integrationskurse erfreuen sich bundesweit meist großen Zulaufes – geforderter und freiwilliger maßen. Im Umgang mit den Eltern unter den Migranten wird jedoch häufig ein Ratschlag – ja eine Forderung – laut, die keineswegs hilfreich ist – nicht für die Kinder, nicht für unsere Gesellschaft. Sie lautet:

Sprecht Deutsch mit Euren Kindern.

Und zunächst klingt sie plausibel. Je mehr Deutsch die Kinder hören, desto besser, mag man denken.

In einem Leitantragsentwurf der CSU vom Dezember 2014 stand, Zuwanderer sollen künftig „dazu angehalten werden, zu Hause und im öffentlichen Raum Deutsch zu sprechen.“ Nach einiger Kritik aus der Bevölkerung reformulierte die Partei und sagte, wer hier dauerhaft bleiben wolle, solle dazu „motiviert werden.“

Der Parteichef von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir wurde daraufhin in einem Interview gefragt, warum er so gut Deutsch spreche. Die Frage alleine wäre schon einen Artikel wert. Er sagte dies: „…liegt daran, dass meine Eltern mit mir nicht Deutsch gesprochen haben. Denn hätten meine Eltern versucht, mit mir radebrechend Deutsch zu reden, wäre das Ergebnis gewesen, dass ich ganz sicher nicht Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen geworden wäre, oder Bundestagsabgeordneter, sondern dann wäre ich irgendwie Kfz-Mechaniker oder sonst was geworden.“

Auch wenn hier fraglich bleibt, welchen Eindruck Herr Özdemir von der Qualifikation von KFZ-Mechaniker hat, so liegt er doch inhaltlich auf einer Linie mit der gängigen Beratungspraxis von Sprachtherapeuten und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hierzu. Eltern, die sich nicht sicher in der deutschen Sprache ausdrücken können, sollen in ihrer Erstsprache zu ihren Kindern sprechen. Neben dem Argument, dass sich die Regeln des korrekten Deutsch nur von richtigem Deutsch gut ableiten lassen, bringt die Nichtbeachtung dieser Regel noch weitere Probleme mit sich. Die Kind-Gerichtete-Sprache ist aus Sicht der Kinder weit mehr, als ein Informationsmedium. Sie vermittelt Wärme, Vertrautheit, Trost und Freude. Kurz: Geborgenheit. Wer wollte daran rühren.

Die Sorge, dass Kinder, die in ihrem Zuhause in den ersten Lebensjahren wenig deutsche Sprache hören, später schlecht Deutsch lernen, halten Sprachtherapeuten und Pädagogen für nicht haltbar. Andrea Frey, vom Frühförderzentrum des Caritasverbandes für den Rheinisch Bergischen Kreis stellt klar: „Diese Kinder lernen Deutsch am Besten im Kindergarten. Als Verkehrssprache wird Deutsch hier förmlich aufgesaugt und für das Kind positiv besetzt. Lernerfolge und Freundschaften werden mit dieser Sprache verbunden, ohne dass die Familiensprache abgewertet wird. Das gleiche gilt für die Schule und den Sportverein.“

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, dass das Deutschsprechen innerhalb zugewanderter Familien ein Zeichen besonderen Integrationserfolgs sei, sollten wir also in Erwägung ziehen, dass etwas ganz Richtiges passiert, wenn eine Mutter vor uns an der Supermarktkasse ihrem Kind auf Arabisch die Süßigkeiten verbietet. Vielleicht sollten wir uns auch fragen, ob wir uns über ihre Integrationsbereitschaft Gedanken machen würden, wenn sie Englisch spräche.