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BKA-Statistik

Drei von vier Opfer häuslicher Gewalt sind Deutsche

Knapp 130.000 Menschen in Deutschland wurden im Jahr 2015 Opfer von Gewalt innerhalb ihrer Partnerschaft, 75 Prozent waren Deutsche, bei den Tatverdächtigen hatten 72 Prozent einen deutschen Pass. Das teilt das Bundeskriminalamt mit.

Im vergangenen Jahr sind knapp 130.000 Menschen Opfer von Gewalt innerhalb ihrer Partnerschaft geworden. Dies geht aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Betroffen sind vor allem Frauen (82 Prozent). Knapp die Hälfte von ihnen lebte zum Zeitpunkt der Tat mit dem Täter in einem Haushalt. Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) bewertete die Zahlen als schockierend.

„Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter“, sagte BKA-Präsident Holger Münch bei der Vorstellung der Daten. Sie reiche von subtilen Formen der Demütigung bis zu sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung und weiterer körperlicher und psychischer Gewalt. 415 Menschen wurden von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. 331 von ihnen waren Frauen. Zahlen und Daten zu häuslicher Gewalt wurden erstmals erhoben.

Opfer und Täter nach Nationalität

Hinsichtlich der Nationalitäten wurden unter den Straftatengruppen Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking weit überwiegend Deutsche als Opfer registriert. Ihr Anteil an allen diesbezüglich erfassten Opfern lag im Jahr 2015 mit 95.269 Personen bei 74,7% (2014: 76,3%).

Von insgesamt 108.363 erfassten Tatverdächtigen waren 77.581 (71,6%) deutsche Staatsangehörige. Nach Deutschen wurden als Tatverdächtige am häufigsten türkische Staatsangehörige (6.799 Personen; 6,3% an allen Tatverdächtigen) erfasst, gefolgt von polnischen (2.595 Personen bzw. 2,4%), italienischen (1.641 bzw. 1,5%) und serbischen (1.529 Personen bzw. 1,4%) Staatsangehörigen.

Schwesig: Zahlen schockierend

„Die Zahlen sind schockierend“, sagte Bundesfrauenministerin Schwesig. „Gewalt in Partnerschaften ist kein Randthema.“ Man müsse den Betroffenen Mut machen. Ihr Ministerium hat ein Hilfetelefon geschaltet, das rund um die Uhr anonym Beratung anbietet.

Den Angaben zufolge ist der größte Anteil der weiblichen Opfer zwischen 30 und 39 Jahre alt. Auch bei den männlichen Tätern kommt der Großteil aus dieser Altersgruppe. In vielen Fällen wird aus Scham, aus Rücksicht auf die Kinder oder aus einer finanziellen Abhängigkeit heraus auf eine Anzeige verzichtet. „Schweigen brechen heißt Hilfe möglich machen“, sagte Münch. Schweigen nütze nur den Tätern. (epd/mig)