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ARD-Döner-TV

Öffentlich-rechtlicher Rassismus zur besten Sendezeit

Donnerstagabend. 20:15 Uhr. ARD. Fastnachtsendung: „Frankfurt: Helau“. Inhalt: Vorurteile und Klischees über Türken – verpackt als Witz und in gebrochenem Deutsch. Landesausländerbeirat fordert Entschuldigung. ARD und der HR nehmen Angebot aus dem Internet.

Würden Sie Geld dafür zahlen, um öffentlich lächerlich gemacht zu werden? Millionen Türken und Muslime tun das. Nicht weil sie zu viel Geld oder einen überdurchschnittlichen Sinn für Humor haben, sondern weil sie gezwungen werden, über ihre GEZahlten Rundfunkgebühren Fastnachtsendungen wie „Frankfurt Hellau“ mitzufinanzieren, die am 2. Februar 2012 zur besten Sendezeit (Uhr 20:15) im Abendprogramm im ARD ausgestrahlt wurde.

„Döner TV“ hieß die Büttenrede. Die Moderatorin trug ein Dirndl mit passendem Kopftuch in „Türk“is und machte in bewusst gebrochenem Deutsch plumpe Witze über „Eiche“ und „Achmed“. Die eine arbeitet als „Butzfrau“, der andere in der „geschlossenen Sendeanstalt“ – ausgestattet mit einem 10-jahres-Arbeitsvertrag ohne Bewährung. Der Saal jubelt.

Geschmacklosigkeit
Der Zuschauer vor dem Fernseher aber staunt über die Geschmacklosigkeit. So auch Corrado Di Benedetto, Vorsitzender des Landesausländerbeirats in Hessen (agah): „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Hier ist uns aber das Lachen im Halse stecken geblieben. Die karnevalistische Freiheit ist ein hohes Gut. Und: Satire darf alles, nur nicht herabsetzend sein. Hier wurden aber alle Regeln des Anstandes verletzt.“

Die Büttenrednerin hat als „Türkin Eiche“ fast alle, gegenüber Türken bestehenden Vorurteile wie z.B. Kriminalität, Gewalt oder Klischees von der Unterdrückung der Frau und schlechter Bildung bedient, beklagt Di Benedetto. Der Beitrag sei eine Aneinanderreihung negativer Assoziationen gegenüber Türken und habe mit forschen Mitteln nichts als Abgrenzung praktiziert. Ein anderer Hintersinn sei bei bestem Wohlwollen nicht erkennbar. Die Büttenrede über Integration habe die Grenze der „Narrenfreiheit“ deutlich überschritten und sei eine öffentlich‐rechtliche Zurschaustellung von rassistischen Vorurteilen und im Ergebnis eine einzige Erniedrigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe.

Angebot gelöscht
Der Hessische Landesausländerbeirat hat beim Hessischen Rundfunk gegen die Ausstrahlung Protest eingelegt und eine Entschuldigung des Senders gefordert.

Dieser Forderung kam man bisher nicht nach. Nüchtern und im Lichte dieser Vorwürfe betrachtet, scheint die Sendung den Verantwortlichen aber doch peinlich geworden zu sein. Sowohl im Mediathek des Onlineangebots der ARD noch auf den Internetseiten des Hessischen Rundfunks findet man mittlerweile Informationen zur Sendung. „Leider konnte die gewünschte Seite nicht gefunden werden“, heißt es jetzt, wenn nach einem Suchlauf auf den entsprechenden Link geklickt wird. (bk)

Uptdate:
Einer Meldung der Frankfurter Rundschau zufolge will der Hessische Rundfunk die umstrittene Büttenrede, rotz des Vorwurfs, die Sendung bediene billige Klischees über Türken und türkisch stämmige Menschen, erneut ausstrahlen. „Das gehört zur sprichwörtlichen Narrenfreiheit“, verteidigt HR-Pressesprecher Tobias Häuser.