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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Vielfalt und Interkulturalität im deutschen Bibliothekswesen

Die interkulturelle Bibliotheksarbeit steckt in Deutschland tief in den Kinderschuhen. Was sind die Ursachen, was die Folgen und wo gibt es gute Vorbilder? Ein Plädoyer für eine stärkere Bibliotheksarbeit, die Migranten gezielt ins Visier nimmt.

„Bibliotheken arbeiten interkulturell oder sie sind nicht professionell.“

Das aus den 1970er Jahren stammende Zitat von Hubertus Schroer, dem ehemaligen Leiter des Stadtjugendamtes München1, bezog sich ursprünglich auf die öffentliche Verwaltung und wurde hier auf Bibliotheken umformuliert. Bibliotheks- und Informationseinrichtungen sind sehr häufig öffentliche Einrichtungen und die Querschnittaufgabe interkulturelle Öffnung ist dabei noch relativ neu, da mit deren Umsetzung entweder noch nicht oder zu spät begonnen wurde.

Ulucan definierte 2008 interkulturelle Bibliotheksarbeit unter anderem als „eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung im Selbstbild, Management und Personal der Bibliothek.“2 Doch bisher scheint dieser postulierte und geforderte Wandel in den allermeisten öffentlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum (noch) nicht Einzug gehalten zu haben. Fällt das Stichwort der interkulturellen Bibliotheksarbeit, scheinen Identitäten und Ethnien eine viel zu große Rolle einzunehmen, was eine statische Vorstellung suggeriert und der Entwicklung des Individuums hinderlich ist.3

Würde der Versuch unternommen die stets geforderte Interkultureller Öffnung für Bibliotheken zu verwirklichen, sollte viel stärker und als bisher „das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Lebensformen und Unterschiede des Geschlechtes, des Alters, der Religion, der sexuellen Orientierung, der körperlichen Ausstattung, der sozioökonomischen Lage, aber auch der Unterschiede zwischen verschiedenen Betriebs- oder Verwaltungskulturen“4 innerhalb der Organisationskultur der eigenen Einrichtung berücksichtigt werden. Bislang ist dieser Zustand mitnichten erreicht.

Vom Erwerb Interkultureller Kompetenzen bei BibliothekarInnen an wissenschaftlichen Bibliotheken
Bei Themenpanels und Tagungen zur Interkulturellen Bibliotheksarbeit wurden durch den Autor bisher kaum HochschulbibliothekarInnen gesichtet. Warum eigentlich dieses vermeintliche Desinteresse für die Interkulturalitäts- und Diversitätsthematik?

Die derzeit hochaktuellen Debatten, um die Anwerbung durch Fachkräfte aus dem Ausland und die Bedingungen eines Arbeitsaufenthaltes ausländischer Absolventen nach ihrem Studium zu verbessern machen deutlich, dass die „Politik“ sich zunehmend über ihr5 sogenanntes Brain Gain- Potenzial bzw. ihre bereits entgangenen „Brain-Drain“ Fachkräfte ernsthaft Gedanken macht. Viele Hochschulen unterhalten Büros zur Internationalisierung ihrer Einrichtung und werben gezielt in den Partnerländern um neue Studenten. Dies wirkt sich auch auf die NutzerInnen von wissenschaftlichen Bibliotheken aus, deren Vielfalt nach wie vor unterschätzt wird. Doch inwieweit erwerben BibliothekarInnen an wissenschaftlichen Bibliotheks- und Informationseinrichtungen interkulturelle Kompetenzen? Bisher sind dem Autor trotz intensiver Nachfragen kaum Universitäten und Fachhochschulen bekannt, die ihre BibliotheksmitarbeiterInnen dahingehend weiterbilden. Laut Yasemin Karakaşoğlu fehlt es an einer Willkommenskultur an deutschen Hochschulen6 und somit an deren Bibliotheken. Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken sind heute aufgrund der Attraktivität der Lernumgebung und eines veränderten Lernverhaltens interkulturelle Orte.

Plädoyer für mehr Vielfalt an bibliotheks- und informationswissenschaftliche Ausbildungseinrichtungen:
Bei einer näheren Betrachtung von Leitbildern vieler Fachstellen und Bibliotheken ist der Begriff Interkulturalität bzw. interkulturelles Handeln bisher viel zu selten verankert7 bzw. auf den Bibliothekskontext hin konkreter definiert. Der imagebildenden Außenwirkung sollte mehr Beachtung geschenkt werden, da die Heterogenität der pluralistischen Gesellschaft oftmals in monokulturellen Organisationen wie etwa Bibliotheken noch zu wenig Wertschätzung erfährt. Eine imagefördernde Außenwirkung würde zu einer stärkeren Betonung der Offenheit und Aufgeschlossenheit der Institution Bibliothek gegenüber Allen führen.

Viele BibliothekarInnen entdecken nun mehr und mehr das Vorhandensein von KollegInnen mit Zuwanderungsgeschichte und mehrsprachigem Hintergrund. Die Stadtbibliothek Köln hatte vor kurzem ihr schlummerndes Potential an MitarbeiterInnen mit mehrsprachigem Hintergrund zum Leben8 erweckt. Wie viele Menschen mit Zuwanderungshintergrund ergreifen Jahr für Jahr den Beruf des Bibliothekars? Im Gegensatz zu den USA und Großbritannien ist es für Quereinsteiger schwer eine Arbeit an Bibliotheken zu bekommen, wenn sie nicht im Nachhinein eine Ausbildung oder ein Masterstudium aufnehmen. Bislang gibt es an den Hochschulen eine noch viel zu geringe Anzahl an jungen Leuten mit mehrsprachigem Zuwanderungshintergrund, die diesen Beruf durch ein Studium ergreifen wollen. Nicht nur bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gibt es Bedenken, was das Ergreifen des Berufs Bibliothekar betrifft. Es ist nicht zuletzt der mangelnden Attraktivität des Berufes Bibliothekar geschuldet.

Die im Juni veröffentlichte repräsentative Ver.di-Umfrage9 hat deutlich gezeigt, dass die Vertreter des Berufsstandes alles andere als zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind. Zufriedenheit, Begeisterung, Anerkennung und Verbundenheit waren bei den meisten teilnehmenden BibliothekarInnen mit ihrem Arbeitsplatz nur schwach ausgeprägt. Deren Arbeitssituation liegt nahe an “Schlechter Arbeit“. Solange sich diese Bedingungen nicht verbessern, wird es schwer werden Menschen mit Zuwanderungshintergrund für einen Beruf zu gewinnen, der im Vergleich zu anderen Studienberufen nicht besonders gut bezahlt ist, zweitens eine Deprofessionalisierung10 aufweist und drittens äußerst geringe Aufstiegschancen11 bietet. Außerdem mangelt es bislang an Ausbildungseinrichtungen und an Hochschulen für angehende BibliothekarInnen an Initiativen, die darauf abzielen die Öffentlichkeitsarbeit so auszurichten, dass tatsächlich die kulturelle Vielfalt erhöht wird. Welche Chancen für ein stärkeres Marketing zur Rekrutierung solcher StudentInnen und Auszubildenden ergeben sich daraus für Hochschulen und Bibliotheken?

In Dänemark wurde 2006 eine speziell an Migranten gerichtete Kampagne ins Leben gerufen, welche darauf abzielte junge Dänen mit mehrsprachigem Zuwanderungshintergrund zu ermutigen Bibliothekswesen bzw. Bibliotheks- und Informationsmanagement zu studieren. Das dänische Ministerium für Flüchtlings-, Zuwanderungs- und Integrationsangelegenheiten hatte diese Kampagne in Zusammenarbeit mit der Royal School of Library and Information Science, der dänischen Gewerkschaft für BibliothekarInnen und deren Abteilung Cross-Cultural-Librarianship (BITA) ins Leben gerufen. Die Verbreitung dieser Kampagne geschah vor allem in Bibliotheken, in der der Anteil der Bevölkerung mit Zuwanderungshintergrund überdurchschnittlich ist. Vor dem Lancieren dieser Rekrutierungskampagne gab es jährlich nur etwa ein bis zwei Studenten, welche einen sogenannten Migrationshintergrund hatten. Ab 2006 erhöhte sich der Anteil auf etwa 9 BewerberInnen12.

Das folgende Imagebild war Teil der Kampagne und sollte speziell junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund ansprechen:

Imagebild

Die mangelnde Vielfalt im Curriculum angehender BibliothekarInnen und innerhalb der Berufsverbände
Noch immer gibt es kaum Hochschulen für zukünftige BibliothekarInnen, welche Diversitätstrainings anbieten oder Interkulturelle Kompetenzen fördern. Von acht Fachhochschulen in Deutschland gibt es nur zwei, welche diesen Bedarf gezielt fördern. Am Fachbereich Information an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, wird das Modul interkulturelle Kommunikation fakultativ angeboten.13 Darüber hinaus bietet die Hochschule der Medien in Stuttgart das allgemeinbildende Seminar „Library Services for Multicultural Communities“ an. Es ist doch allgemein bekannt, dass gerade MitarbeiterInnen in Dienstleistungsberufen, nur schwerlich die Lebenswelten der Anderen verstehen und ein Vertrauensverhältnis zu diesen (potentiellen) Kunden aufbauen, wenn sie nicht einen stärkeren Bezug zu deren Wohnort haben und Freundschaften mit Angehörigen anderer Milieus pflegen. Der bekannte Consultingpapst aus der Bibliotheksbranche, Meinhard Motzko, machte vor wenigen Jahren darauf aufmerksam, dass BibliotheksmitarbeiterInnen sehr häufig aus bürgerlich-traditionalistisch-intellektuellen Milieus stammen.14 Für viele Jugendliche, die vor der Berufswahlentscheidung stehen, spielt es sehr häufig eine Rolle, welchen Beruf deren Peer-Group-Angehörige ergreifen. Zudem macht es sich bei einer eventuellen Entscheidung durchaus bemerkbar, dass es in dieser Organisationskultur Mitglieder aus anderen Milieus schwerer haben sich dem Mainstream anzupassen. Der niederländische Bibliotheksverband bildet auf seiner Webseite «Ik werk bij de bibliotheek»15 BibliothekarInnen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Aussehens ab und lässt diese sowohl über ihre Arbeit, als auch über ihre Hobbies sprechen. Darunter sind auch zwei BibliothekarInnen türkischer und arabischer Herkunft, die explizit von ihrer Arbeit z.B. der Leserförderung berichten.

Emine Aydin Hasta: ‘Mensen aan het lezen krijgen!’

Bislang gibt es hierzulande leider noch keine Internetseiten, über welche neugierigen LeserInnen das breite und spannende Berufsfeld näher und anregender anhand von Beispielen aus der beruflichen Praxis präsentiert wird. Eine interkulturelle Öffnung der Kommunalverwaltungen ist in vielen Städten bereits in der Realisierungsphase, aber an den Bibliotheken, Hochschulen und Berufsverbänden müsste diese Entwicklung ebenso stattfinden. Die Repräsentation von BibliothekarInnen mit Zuwanderungshintergrund unter den Verbandsmitgliedern und innerhalb der bibliothekarischen Kommissionen ist ebenso ausbaufähig – insbesondere der dbv-Kommission für interkulturelle Bibliotheksarbeit.

„Inter-kulturelle“ Best Practice Beispiele vs. Abschreckungsbeispiele aus dem deutschsprachigen bibliothekarischen Alltag
Das Reizwort „Integration“ richtet sich häufig an Migranten und deren vermeintliche „Schwierigkeiten“.16 In sehr vielen deutschsprachigen Bibliotheken werden unter dem Begriff der interkulturellen Arbeit mit diesen Gruppen Maßnahmen zum Erlernen der deutschen Sprache und zur Verbesserung der Lesefähigkeit verstanden. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Doch wenn dies die nahezu einzigen Angebote sind, welche inter-kulturelle Bibliotheksarbeit miteinschließen, greift dieses Konzept zu kurz. Der Blick über den deutschen Tellerrand macht deutlich, dass die alleinige Förderung einer Assimilation in postdemokratischen und transkulturellen Gesellschaften nicht das Allheilmittel sein kann. Die alljährlich stattfindende „Interkulturelle Woche“ lockt zwar vor allem SchülerInnen mit Zuwanderungshintergrund und interkulturell interessierte Einheimische an, aber ab welchem Punkt beginnt der „Interkulturelle Dialog“? Wenn ein Autor mit Zuwanderungshintergrund mit seinem biodeutschen Lesefans kommuniziert? Oder wenn einheimische BibliothekarInnen regelmäßig mit Waldemar, Berkan und Laksmi lesen und miteinander sprechen?

Der Dialog untereinander und das Kennenlernen von Jugendlichen, welche nicht aus sozial benachteiligten Familien stammen, kommen hierbei zu kurz. Ich kenne sehr viele Menschen, die zwar in derselben Stadt leben, in den auch bestimmte Migrantenmilieus zuhause sind, aber diese Deutschen haben leider nur verachtenswerte Worte über Zuwanderung und Stadtteile mit hohem Migrantenanteil übrig. Gibt es hierzulande bibliotheksbezogene Projekte, die darauf abzielen früh in der Kindheit durchs Elternhaus erworbene Vorurteile loszuwerden? Die Stadtbibliothek Belfer in Ramla (Israel) ging mit arabischen und jüdischen Kindergärten Kooperationen ein, um Fremdheitserfahrungen und Berührungsängste abzubauen. In einem gemeinsamen Projekt zwischen arabischen und jüdischen Kindergärten wurde eine “Book Parade” entwickelt, in der die Kinder ein Buch in ihrer eigenen Muttersprache präsentieren. Dieses Best Practice Beispiel wäre durchaus in ähnlicher Weise auf Deutschland übertragbar, um zukünftig bereits in der Kindheit den Grundstein zu legen, mehr Deutsche aus “weißen Ghettos“17 frühzeitig mit Migranten zusammenzubringen („community cohesion“), da es auch hierzulande tief verankerte Vorurteile und Kommunikationsbarrieren zwischen Juden, Muslimen und Christen, aber auch zwischen den sogenannten deutschen Ureinwohnern und den Menschen mit Migrationserfahrung gibt.18 Das Endergebnis dieser inklusiven Bibliothek war laut der Leiterin, Daniella Levkovitz nicht vorhersehbar. Es entstanden Synergieeffekte, so dass sich nicht nur zwischen den Kindern untereinander, sondern auch zwischen den arabischen und jüdischen Eltern Freundschaften entwickelten.

Best Practice – Beispiel Großbritannien
Bibliotheken in Großbritannien leisten in Form von Aufklärungskampagnen und interkulturellen Veranstaltungen (“Refugee Week“)19 eine stärkeren Teilhabe und Partizipation für die neuen Briten. Die dortige einheimische Bevölkerung ist zahlreicher an Aktivitäten bei der Teilhabe und von Flüchtlingen, Asylbewerbern, Zuwanderern wie z.B. den Roma eingebunden. Öffentliche Bibliotheken sind in Großbritannien und auch anderswo viel mehr eine Anlaufstelle für Migrantenvereine und den unterschiedlichen Communities.

Folgende Beispiele aus der beruflichen Praxis sollen deutlich machen, dass Vorurteile, Unwissenheit und mangelnde Neugier von Seitens der NutzerInnen zur verbalen Konflikten mit dem Bibliothekspersonal führen kann, da jeder Mensch ungeachtet der Herkunft (sozial, ethnisch und religiös) das Recht hat öffentlichen Bibliotheken vor Ort aufzusuchen und zu nutzen:

  1. Die Bibliothek verfügt über einen kostenlosen Internetzugang “für alle“, was regelmäßig zu Konflikten zwischen den BibliothekarInnen und den übrigen Kunden führte. Die „Einheimischen“ machten regelmäßig von ihren Etabliertenvorrechten (nach Heitmeyer) Gebrauch und beschwerten sich beim Personal der Bibliothek, dass zuerst sie und dann erst die AsylbewerberInnen das Internet nutzen dürfen.
  2. Zwei kopftuchtragende SchülerInnen, die in der Stadtbibliothek lediglich ihre Hausaufgaben machen wollten, wurden im Vorbeigehen von einem Bibliotheksnutzer aufgrund ihres Aussehens rassistisch beleidigt. Wie sollen BibliothekarInnen, die zufällig in der Nähe sind, darauf reagieren? Bisher gibt noch keine Lehrinhalte im Curriculum (des Studiums und der Ausbildung), keine antirassistischen Leitbilder und ein Bewusstsein darüber, dass Öffentliche Bibliotheken nicht diskriminierungsfreiere Orte sind als Fußballstadien oder Spielplätze nur weil es dort belesenere Menschen gibt.
  3. Im Eingangsbereich im Kinder- und Jugendbereich einer Bibliothek hängen viele Flaggen, welche die Herkunftsländer der Eltern und Großeltern der MigrantInnen repräsentieren sollen. Ist diese Ethnisierung und Überbetonung, wie sie in manchen Bibliotheken betrieben wird, dann noch ein verbindendes Element zwischen den Kulturen bzw. fühlen sich diese jungen Menschen nun dadurch wohler in der Bibliothek? Ist das Vorhandensein von multinationalen Flaggen allein schon ein Indiz für eine Interkulturelle Bibliothek? Weshalb müssen SchülerInnen einer bestimmten Kommune – gleich welcher Herkunft ihre Eltern und Großeltern sind – im Eingangsbereich dieses Flaggenmeer vorfinden, das mitnichten eine Willkommenskultur in ihnen auslöst? Verhalten sich Bibliotheken und Ihre Mitarbeiter nicht fahrlässig, wenn sie ihre Klientel so weiter ethnisieren, wie es die sogenannte Mehrheitsgesellschaft tagtäglich gegenüber der gesellschaftlichen „kulturellen Vielfalt“ in Medien und im Alltag propagiert? Fördern Bibliotheken dadurch nicht die Rückbesinnung auf die Herkunftsländer der (Groß-) Eltern?20

Außer Living-Library-Konzepten gibt es in Deutschland kaum Initiativen, die dem Kommunikations- und Begegnungsaspekt der Milieus untereinander mehr betonen und das Nebeneinanderherleben inter-kulturell zu verändern versuchen. Im Grunde genommen ist die Bibliotheksarbeit weiterhin multikulturell, doch Biodeutsche treten eher als Mentoren, Vorlesepaten und BibliothekarInnen in Erscheinung. Es mangelt leider noch an einer reflexiven Interkulturalität (nach Hamburger)21, um auch der aufnehmenden Gesellschaft eine interkulturelle Sensibilisierung gegenüber den vermeintlich „Fremden“ abzuverlangen.22 Aus diesem Grund könnten öffentliche Bibliotheken Orte sein, an denen jedem neuen Bibliotheksbesucher ungeachtet dessen Herkunft und Aussehen, viel stärker als bisher Empathie und Akzeptanz entgegengebracht wird. Eine Willkommenskultur, die nur scheinheilig durch eine „nachholende Integration“ erzeugt wird, kommt etwa 50 Jahre zu spät. Junge Menschen, die neben den Senioren zu den größten Nutzergruppen öffentlicher Bibliotheken zählen, sollten nicht dazu instrumentalisiert werden.

Literaturangaben:

  1. w3-mediapool (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  2. Ulucan (2008): Interkulturelle Bibliotheksarbeit in Öffentlichen Bibliotheken: Plädoyer für einen Mentalitätswandel am Beispiel Berlins, S. 15 []
  3. w3-mediapool (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  4. content-zwh.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  5. igad.rwth-aachen.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  6. dradio.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  7. fachstellen.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  8. opus-bayern.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  9. verdi-gute-arbeit.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  10. Strzolka, Rainer (2008): »Wir deprofessionalisieren uns selbst!«. Befristete Stellen, Niedriglohn, Ehrenamt: Rainer Strzolka prangert die Prekarisierung bibliothekarischer Arbeit, S. 148 (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  11. biwifo.verdi.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  12. Kaiser, Wolfgang (2008): Diversity Management. Eine neue Managementkultur der Vielfalt – für ein neues Image der Bibliotheken, S. 91 f. []
  13. Vgl. ebda., S. 94 f. []
  14. hlb-wiesbaden.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  15. werkenindebibliotheek.nl (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  16. migazin.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  17. kanak-tv.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  18. hlb-wiesbaden.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  19. manchester.gov.uk (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  20. migazin.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  21. tik-iaf-berlin.de (letzter Zugriff: 12.08.2011) []
  22. w3-mediapool.hm.edu (letzter Zugriff: 12.08.2011)
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