Je früher die Sprachförderung beginnt, so der vermeintliche Konsens in der Integrationsdebatte, desto erfolgreicher verläuft die Bildungslaufbahn eines Kindes. Entsprechend überbieten sich Politiker mit Forderungen nach Sprachförderung in jungen Jahren.
So hatte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nach Bekanntwerden der PISA –Ergebnisse (7.12.10) dafür plädiert, „bereits bei allen 3-Jährigen verbindliche Sprachtests durchzuführen“. Werde dabei ein Förderbedarf festgestellt, solle für das jeweilige Kind der Kindergartenbesuch mit Sprachförderung verpflichtend sein.
Als „blanken Unsinn“ bezeichnet die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der rheinland-pfälzischen SPD-Landtagsfraktion Heike Raab diese Forderung. Zunächst seien Sprachtests für Vierjährige im Gespräch gewesen und nun senkte Böhmer das Alter auf drei Jahre herab. Wolle Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) „morgen Prüfungen für zwei- oder einjährige Kinder?“ fragt Raab.
Mit wieviel Jahren sollten verbindliche Sprachtests bei Kindern durchgeführt werden?Mit 3 Jahren (30%) Mit 6 Jahren (28%) Mit 5 Jahren (26%) Mit 4 Jahren (16%)Wird geladen ...
Die bisherige Praxis, dass Erzieher in den Kindergärten auf kindgerechte Art den Sprachstand der Kinder beobachten und feststellen, sei der bessere Weg. Auch Wissenschaftler würden Sprachtest für so junge Kinder ablehnen. Man könne keine validen Aussagen über den Sprachstand von drei- oder vierjährige Kindern machen.
„Aber alleine schon die Vorstellung, ein fremder Prüfer kommt in den Kindergarten, um Tests mit Dreijährigen abzuhalten, ist mehr als absurd. Wer Kinder hat, weiß, dass sie in diesem Alter gegenüber Fremden auch mal stumm bleiben können, weil sie schlichtweg schüchtern sind und noch gar nicht die Bedeutung einer Prüfung erfassen können“, so Raab abschließend. (sb)