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Vergleichende Studie

Mischung aus Fördern und Fordern ist gut für Integration

Eine ausgewogene Mischung aus Fördern und Fordern erweist sich als günstig für die Integration von Zuwanderern. Zu diesem Ergebnis kommen die Migrationsforscher Ruud Koopmans und Evelyn Ersanilli vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung am Beispiel der Türken.

Kurz gefasst: Eine Studie über türkische Immigranten in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zeigt, dass die soziokulturelle Integration in diesen Ländern unterschiedlich verläuft, abhängig von deren Gestaltung. Es zeigt sich, dass die Ausstattung mit inklusiven Bürgerrechten die Orientierung an und Identifizierung mit der Kultur im Gastland stimuliert. Multikulturelle Integrationsstrategien scheinen auf der anderen Seite einen negativen Einfluss darauf zu haben, wie gut sich Zuwanderer an die einheimische Kultur – abgesehen von der Identifikation – anpassen.

Für die Studie wurden insgesamt 1 000 Türkischstämmige befragt, die in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich geboren oder vor 1976 eingewandert sind. So war es möglich zu vergleichen, wie sich die Integrationspolitik in diesen Ländern auf die Integration türkischer Einwanderer ausgewirkt hat.

Sprachkenntnisse in Frankreich am besten
In Bezug auf den Spracherwerb zeige der Vergleich die besten Ergebnisse für Frankreich mit seiner liberalen Einbürgerungspolitik und einer gewissen kulturellen Anpassungserwartung. „Dies hat dazu geführt, dass dort die Sprachkenntnisse und die soziale Integration im Alltag im Vergleich am besten sind“, so Koopmans und Ersanilli.

So würden in Deutschland türkischstämmige Migranten mit Eltern, Kindern, Partnern und Freunden viel seltener die Sprache der neuen Heimat sprechen als türkische Migranten in Frankreich untereinander.

Einbürgerung und kulturelle Anpassung
Das direkte Knüpfen des Einbürgerungsangebots an die Bedingung kultureller Anpassung, wie sie in Deutschland oft befürwortet wird, führe dagegen nicht unbedingt zu einem guten Ergebnis. In Deutschland fühlten sich die türkischen Einwanderer nicht wirklich als Bürger willkommen geheißen, etwa durch die Einbürgerungspraxis, die deutlich restriktiver sei als in Frankreich.

Bekenntnis zum Türkentum und Islam
Unwesentliche Unterschiede gibt es in den Ländern aber bei der ethnischen Abkoppelung. So lag die Bekenntnis bei Türken zum eigenen Türkentum auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 5 (voll und ganz) im Schnitt bei 4,5. Bei durchschnittlich 2,6 lag hingegen die Identifikation mit dem Einwanderungsland.

Die Identifikation mit dem Islam liegt durchschnittlich bei 4,7 und weist größere Unterschieden in den jeweiligen Ländern auf. So bekannt sich Türken in den Niederlanden stärker zum Islam als die in Frankreich und Deutschland.

Eine ausführliche Zusammenfassung ist auf der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift WZB-Mitteilungen in englischer Sprache zu finden. Weitere Studien rund um Integration und Migration gibt es im MiGAZIN-Dossier.

Multikulturelle Politik
Der multikulturellen Politik der Niederlande teilen die Forscher allerdings eine Absage. Die weitgehende kulturelle und religiöse Anerkennung der Herkunftskultur und eine liberale Einbürgerungspolitik führe nicht in jeder Hinsicht zu einer gelungenen Integration: „Die holländischen Sprachkenntnisse der Zugewanderten sind relativ schlecht, und vor allem die zweite Generation orientiert sich stark am eigenen sozialen Umfeld“, so die Koopmans und Ersanilli.

Allerdings wirke sich eine multikulturelle Politik offensichtlich dazu, dass sich türkischstämmige Migranten eher mit dem Land identifizieren können als in Ländern, in den beiden anderen Ländern.