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Integrationspolitik

Koch und Hahn werben in der Türkei um Unterstützung

Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn haben eine positive Bilanz ihrer Türkeireise gezogen. Die Beziehungen zwischen Hessen und der Türkei seien sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene entscheidend vertieft worden, sagte Koch. Und auf der Suche nach einer türkischen Partnerregion für Hessen sei man einen großen Schritt vorangekommen, ergänzte Hahn.

Der Ministerpräsident hatte auf seiner ersten Station in Ankara hochrangige Vertreter der türkischen Regierung, des Parlaments und der Opposition getroffen, darunter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, Außenminister Ahmet Davutoğlu, Wirtschaftsminister Ali Babacan und Oppositionsführer Deniz Baykal.

Integrationspolitik
Der türkische Ministerpräsident habe ein großes Interesse an der hessischen Integrationspolitik gezeigt und ihn gebeten, eine Einladung zu einem Besuch in der Türkei an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu übermitteln, erklärte Koch. „Genauso wie wir hat Erdogan die große Bedeutung von Sprache und dem Umgang mit Religion für die Integration der in Deutschland lebenden Türken betont.“ Gute Beziehungen zwischen beiden Ländern seien von entscheidender Bedeutung für das gegenseitige politische und kulturelle Verständnis und eine vertiefte Zusammenarbeit.

Auf der zweiten Station seiner Reise traf Koch in Istanbul mit Repräsentanten der führenden Wirtschafts- und Medienkonzerne zusammen. Themen der Gespräche mit Vertretern der Zeitung Zaman, der Dogan-Gruppe und der Sabah-Gruppe waren eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, aber auch das Deutschland-Bild in türkischen Medien und das Türkei-Bild in deutschen Medien.

Christen in der Türkei
Abschließender Höhepunkt des Besuchs von Ministerpräsident Koch in Istanbul war am Samstag das Gespräch mit Bartholomäus I., dem Patriarchen der Griechisch-Orthodoxen Kirche, der auch die orthodoxe Christenheit insgesamt repräsentiert. „Wir Deutschen stehen an der Seite der orthodoxen Christen in der Türkei, deshalb habe ich unsere Unterstützung für deren berechtigte Anliegen zugesagt“, betonte Koch, der die schwierige Lage der Christen zuvor auch gegenüber Regierungsvertretern zum Thema gemacht hatte. Seit 37 Jahren warten beispielsweise die Orthodoxen auf die Wiedereröffnung ihres Priesterseminars, das 1971 von der damaligen Regierung geschlossen worden war. „Wir sind nach den Gesprächen nicht ohne Hoffnung, dass sich die Lage der der Christen in der Türkei bessert.“

Partnerschaft mit Izmir
Vor dem Treffen in Ankara hatte Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn bereits die westtürkische Stadt Izmir besucht. Er habe sich in beiden Regionen davon überzeugen können, dass hier wirtschaftliches Wachstum und ein hohes Niveau in den Bereichen Wissenschaft und Kunst vertreten seien. „Mein Ziel ist es, durch eine Partnerschaft mit einer türkischen Region die Wertschätzung unseres Landes für die hier lebenden Türken aber auch für die türkischstämmigen Deutschen auszudrücken. Ferner wollen wir den Deutschen in Hessen ein reichhaltiges, differenziertes Bild der heutigen Türkei vermitteln“, sagte Hahn.

Der Minister wies daraufhin, dass vor allem in Izmir der Oberbürgermeister, Journalisten und Bürger von der hessischen Partnerschaftsidee begeistert gewesen waren. Die Hauptstadt der Region Ägäis sei wegen ihrer aufstrebenden Wirtschaft – vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien – vorgeschlagen worden. Gleichzeitig sei mit der antiken kulturellen Tradition der Ägäis, deren Weltoffenheit auch heute noch prägend sei, geworben worden, erinnerte sich der Minister.

Islamisches Religionsunterricht
Eine besondere Aufmerksamkeit attestierte Hahn seinen türkischen Gesprächspartnern auch in Bezug auf die in Hessen geplante Einführung des islamischen Religionsunterrichts. „Dies ist als große Wertschätzung gegenüber den hier lebenden Muslimen betrachtet worden“, sagte Hahn.

Allerdings habe er einigen Vertretern der türkischen Seite auch eindringlich die erforderlichen Voraussetzungen für den islamischen Religionsunterricht erklären müssen, unterstrich der Minister. „Wir haben deutlich gemacht, dass der Staat eine Religionsgemeinschaft als Partner benötigt, der auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht sowie über bestimmte Organisationsstrukturen verfügt. Obwohl dies in der Türkei völlig anders organisiert ist, zeigten die Gesprächspartner Verständnis für unsere Position und boten ihre Unterstützung an“, so Minister Hahn abschließend.