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Unterschrift (Symbolfoto) © andibreit @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Spielerschutz

Diese Auswirkungen hat der Glücksspielvertrag 2022

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag wagt der Staat den Spagat zwischen Spielerschutz und Legalisierung von Echtgeldspielen im Netz. Profitieren könnten insbesondere Migranten. Sie sind überdurchschnittlich oft betroffen von Spielsucht.

Dienstag, 24.01.2023, 0:27 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 26.01.2023, 7:48 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Das Spielen im Netz erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Das Spielen mit echtem Geld bewegte sich lange in einer rechtlichen Grauzone. Der Staat verbot sie grundsätzlich, duldete sie jedoch. Das lag nicht zuletzt daran, dass er an Glücksspielen ordentlich mitverdient. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag wurde mehr Rechtssicherheit versprochen – sowohl für Betreiber als auch für Spieler. Letzterer soll durch diverse Maßnahmen davor geschützt werden, in Spielsucht zu verfallen. Betroffen hiervon sind überdurchschnittlich oft Migranten.

Steuereinnahmen

Schon vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag stiegen die Einnahmen, die der Staat aus Glücksspiel generierte, deutlich an. Wurden im Jahr 2014 noch 225 Millionen Euro erwirtschaftet, so waren es 2018 bereits 384 Millionen. Die Tendenz ist weiter steigend – ein Grund dafür, warum der Staat dem Treiben mit recht großer Kulanz begegnete. Inzwischen hat sich der Online-Spielemarkt zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt, die jährlich Milliarden umsetzt. Ob man im Netz Fußball gegeneinander spielen will oder andere Klassiker aus der Spielothek – man findet auch Book of Ra hier. Auch ganz normale Videospiele generieren inzwischen durch sogenannte In-Game-Verkäufe viel Geld, genauso wie das sehr beliebte „Book of Ra Echtgeld“ oder auch Tetris – fast alles lässt sich heute Spielen mit Einsatz von echtem Geld.

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Die Einnahmen, die dadurch generiert werden, verteilten sich ganz unterschiedlich auf die einzelnen Bundesländer. Spitzenreiter war Nordrhein-Westfalen, wo der Staat 90 Millionen Euro einnahm. Auch Bayern konnte sich über eine große Zahl an Einnahmen freuen und erhielt 68 Millionen Euro an Steuergeldern. Schlusslicht bei der Betrachtung war Bremen, das „lediglich“ 3,5 Millionen Euro erhielt. Die Bundesländer hatten daher kein Interesse daran, beherzt gegen Echtgeldspiele im Netz vorzugehen, sondern lebten ganz gut von und mit ihnen.

Es geht um Geld

Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag hat sich die Situation in Deutschland allerdings verändert. Sie sind jetzt nicht mehr nur geduldete schwarze Schafe, sondern gewinnen durch offizielle Lizenzen an Seriosität und Rechtssicherheit. Anbieter haben nun die Möglichkeit, Antrag für den legalen Betrieb zu stellen und ganz offiziell tätig zu werden. Das ist eine enorme Aufwertung, die sowohl den Spieleanbietern als auch den Nutzern viel mehr Rechtssicherheit bringt.

Es ist davon auszugehen, dass durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag die Zahl der Anbieter zunehmen wird. Sie müssen sich jetzt nicht mehr vor Strafen fürchten, weil sie in einer rechtlichen Grauzone aktiv werden. Stattdessen können sie ganz offiziell agieren und einer vom Staat akzeptierten Tätigkeit nachgehen. Hiervon profitiert nicht zuletzt der Staat selbst. Denn durch die wachsende Zahl an offiziellen Anbietern werden auch die Einnahmen im Glücksspielbereich zunehmen. Das bedeutet, dass der Staat nicht unerhebliche Steuereinnahmen aus diesem Wirtschaftszweig ziehen wird.

Raus aus der Grauzone

Die Betreiber dürften mit den Möglichkeiten, die sich aus dem neuen Glücksspielstaatsvertrag ergeben, insgesamt zufrieden sein. Für sie war es immer ein Dorn im Auge, nicht genau zu wissen, wie ihre Tätigkeit in Deutschland einzuschätzen ist. Nun scheint es ein großes Ziel zu sein, den deutschen Markt gezielt zu versorgen und sicherzustellen, dass ein möglichst großes Angebot an unterschiedlichen Spielen und Plattformen zur Verfügung steht und sie auch den neuen rechtlichen Anforderungen – vor allem in Bezug auf den Spielerschutz – gerecht werden.

Weltweit sind Online-Spieleplattformen schon längst ein Wachstumsmarkt – das gilt auch für klassische Videospiele, die inzwischen ebenfalls ein bedeutender Wirtschaftszweig bilden. Wie erwähnt gilt das heute für Tetris genauso wie für Book of Ra, die man mit Echtgeld spielen kann. Die Anbieter sind in vielen Ländern aktiv und haben auch bereits in der Europäischen Union Fuß gefasst. Mit Deutschland entsteht nun ein zumindest teilweise neuer Markt, auf dem sie aktiv werden können. Das rückt auch den lange vernachlässigten Spielerschutz in den Mittelpunkt.

Faktor Spielerschutz

Der Staat ist froh darüber, aus den Online-Glücksspielen Steuereinnahmen generieren zu können. Dennoch sind die Bedenken gegenüber diesem Wirtschaftszweig nicht vom Tisch. Das bisherige Hauptargument, Spielen im Netz gegen Echtgeld berge die Gefahr von -Spielsucht, greift weiter. Das gilt insbesondere für Menschen, die im sozialen Abseits leben, arbeitslos sind und deren Leben von Langeweile geprägt ist. Asylbewerber etwa, die nicht arbeiten dürfen und teilweise Jahre auf den Ausgang ihres Verfahrens warten müssen, sind besonders anfällig dafür, aus der Not heraus das schnelle Geld durch Glück zu suchen.

Deshalb sieht der Glücksspielstaatsvertrag verschiedene Maßnahmen vor, mit denen der Staat die Menschen schützen und gegen Glücksspielsucht vorgehen will. Kritiker fordern schon seit Jahren: Es muss sichergestellt sein, dass wirtschaftliche Interessen nicht auf Kosten der Gesundheit der Bürger gehen. Deswegen wurde beim Glücksspielstaatsvertrag versucht, eine Balance aus Freiheit für die Anbieter und Schutz der Spieler zu erreichen. Die Maßnahmen sind vielfältig, doch es wird sich zeigen, ob der gefundene Kompromiss Früchte trägt. (em)

Wirtschaft
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