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Autofahrt (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Ratgeber

Der Führerschein als wichtiger Pfeiler der Integration

Der Führerschein erleichtert die Jobsuche und die Integration von ausländischen Mitbürgern ungemein. Führerscheine, die im Ausland erworben wurden, haben in Deutschland aber eine begrenzte Gültigkeit. Was ist zu beachten?

Montag, 16.01.2023, 0:31 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 17.01.2023, 9:38 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Aus integrationspolitischem Blickwinkel hat der Führerschein für Geflüchtete eine Bedeutung, die nicht unterschätzt werden darf. Oft sind es Jobs wie Taxifahrer, im Kurierdienst oder als mobile Pflegekraft, die ausländischen Mitbürgern dabei helfen, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Da neu Eingewanderte in der Praxis oft eine Tätigkeit akzeptieren müssen, die mit ungünstigen Arbeitszeiten verbunden sind, ist der Führerschein oft die Grundlage dafür, die Arbeitsstelle zu erreichen.

Auch für Migrantinnen, die Kinder zu versorgen haben und deshalb nur eine Teilzeitstelle annehmen können, erleichtert der Führerschein den Alltag spürbar. Nicht zuletzt ist es die häusliche Isolation, die aufgrund fehlender Mobilität die Lebensqualität einschränkt. Umso wichtiger ist es, eine gültige Fahrerlaubnis in den Händen zu halten, um auf den hiesigen Straßen ein Fahrzeug lenken zu dürfen! Das gilt insbesondere dann, wenn man aufgrund hoher Mieten in Großstädten auf dem Land wohnt, wo die öffentlichen Verkehrsmittel seltener oder gar nicht fahren.

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Der Führerschein erlaubt unabhängige Mobilität

Wer in Deutschland mobil sein möchte, braucht einen gültigen Führerschein. Oft sind Neuankömmlinge in Besitz einer Fahrerlaubnis, die im Herkunftsland ausgestellt wurde. Stammt das Dokument aus einem Land der EU (Europäische Union), sind keine weiteren Maßnahmen notwendig.

Ein Führerschein aus Drittländern dagegen ist nur sechs Monate gültig, dann muss er entweder anerkannt oder umgeschrieben werden. Geflüchtete, die nicht dauerhaft in Deutschland bleiben wollen, deren Fahrerlaubnis unterliegt grundsätzlich keiner Frist. Allerdings wird eine Übersetzung in englischer Sprache notwendig. Für Geflüchtete aus der Ukraine entfällt diese Anforderung. Aufgrund einer Sonderregelung, die bis zum 23. Februar 2023 Gültigkeit hat, werden alle ukrainischen Führerscheine auf dem gesamten Einzugsgebiet der EU anerkannt.

Der Verlust der Fahrerlaubnis

Für ausländische Mitbürger empfiehlt es sich besonders, auf das Dokument zu achten. Bei schweren Verstößen im Straßenverkehr kann die Fahrerlaubnis entzogen werden. Ist die verantwortliche Führerscheinstelle der Meinung, der Verkehrsteilnehmer ist nicht mehr befähigt, den Straßenverkehr zu bewältigen, wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) auferlegt. Erst mit deren Bestehen kann eine erneute Fahrerlaubnis beantragt werden.

Wer der deutschen Sprache mächtig ist, kann eine MPU einfach vorbereiten. Wenn es an dem notwendigen Sprachverständnis fehlt, muss ein Dolmetscher bemüht werden. Dessen Dienste werden mit bis zu 500 Euro vergütet, die aus eigener Tasche zu bezahlen sind.

Die Umschreibung des Führerscheins für Flüchtlinge

Für die Umschreibung eines Führerscheins aus Drittstaaten ist der Erstwohnsitz maßgeblich. Üblicherweise liegt dieser bei Flüchtlingen, die nicht vorhaben, in ihr Heimatland zurückzukehren, auf deutschem Staatsgebiet. Ein Erstwohnsitz ergibt sich automatisch, wenn sich die Betreffenden länger als 183 Tage im Jahr in Deutschland aufhalten.

In diesem Fall ist die mitgebrachte Fahrerlaubnis noch sechs Monate gültig. Der Führerschein muss nach Ablauf dieser Frist in ein Dokument umgeschrieben werden, das in Deutschland ausgestellt ist.

Theoretische und praktische Prüfung

Zwischen Deutschland und den typischen Herkunftsländern von Flüchtlingen besteht in den meisten Fällen kein Anerkennungsabkommen. Das bedeutet, dass eine Fahrprüfung abgelegt werden muss. Eine solche besteht aus zwei Teilen.

Während die praktische Prüfung für die Betroffenen keiner besonderen sprachlichen Voraussetzungen bedarf, scheitern viele Absolventen an den theoretischen Anforderungen. Diese Prüfung wird im Multiple-Choice-Verfahren durchgeführt und ist auch für deutsche Muttersprachler nicht einfach zu bewältigen. Daher ist es von Vorteil, dass diese Prüfung in weiteren zwölf Sprachen absolviert werden kann:

  • Arabisch
  • Englisch
  • Französisch
  • Griechisch
  • Italienisch
  • Polnisch
  • Portugiesisch
  • Rumänisch
  • Russisch
  • Kroatisch
  • Spanisch
  • Türkisch

Den Führerschein neu erwerben

Wer noch nicht in Besitz einer Fahrerlaubnis ist, muss eine solche neu beantragen. Dabei ist es Pflicht, sich an einer Fahrschule anzumelden, die das notwendige praktische und theoretische Wissen vermittelt. Wer die theoretischen Grundlagen in einer Fremdsprache erlernen möchte, sollte sich nach einer mehrsprachigen Fahrschule umsehen. Mit etwas Glück ist eine solche im näheren Umkreis angesiedelt.

Um die Führerscheinprüfung ablegen zu können, ist die Teilnahme an einem Ersten-Hilfe-Kurs Voraussetzung. Nur wenige Institutionen bieten einen solchen in Englisch oder Arabisch an. Da aber die praktische Anwendung im Fokus steht und keine Prüfung notwendig ist, kann ein Erste-Hilfe-Kurs auch ohne gute Deutschkenntnisse absolviert werden.

Überdies wird ein Sehtest verlangt, der von einem Augenarzt oder Optiker durchgeführt wird. Auch hierbei spielen mangelnde Sprachkenntnisse keine ausschlaggebende Rolle. Jetzt bedarf es nur noch eines biometrischen Passbildes, um alle Voraussetzungen für eine Anmeldung zu erfüllen. (em)

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