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Spielhalle (Symbolfoto) © kaisender @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Spielkulturen und -verbote

Die Entstehungsgeschichte des Glücksspiels

In manchen Kulturen sind Glücksspiele bis heute verpönt oder sogar verboten. In anderen Kulturkreisen sind Glücksspiele fest in den Alltag integriert. Die lange Geschichte zeigt eine Entwicklung, die multikulturell nicht sein könnte.

Mittwoch, 11.01.2023, 0:55 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.01.2023, 8:59 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Das Glücksspiel ist älter, als die meisten Leute denken. Bereits vor Tausenden von Jahren fanden sich Menschen zusammen, um beim Spielen Geld zu gewinnen. Es war ein weiter Weg, bis das World Wide Web entstand und die ersten Webseiten online gingen, auf denen interessierte Spieler die top Casinos im Internet finden konnten, was heute zu einem Problem mutiert ist, weil es im Netz viele unseriöse Anbieter gibt, die Spielsucht nicht vorbeugen. Laut Studien sind Menschen mit Migrationshintergrund besonders oft betroffen – kulturübergreifend. Dabei ist Glücksspiel in manchen Ländern verboten und gilt im Islam beispielsweise sogar als Sünde.

Die Anfänge des Glücksspiels

Seinen Anfang nahm das Glücksspiel nach Ansicht der Geschichtsschreibung im alten China. Erste Hinweise finden sich auf Fliesen, die aus der Zeit um 3.000 vor Christi Geburt stammen. In der ägyptischen Kultur lassen sich ebenfalls Hinweise finden, die aus dieser Epoche stammen. Die Würfel wurden in der damaligen Zeit aus Elfenbein und anderen natürlichen Materialien hergestellt.

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Wann die ersten Spielkarten auftauchten, ist nicht hinreichend belegt. Es gibt jedoch Anzeichen, dass die ersten Kartendecks im 9. Jahrhundert nach Christus verwendet wurden. Eine der besten bekannten Quellen für die Entwicklung des Glücksspiels ist Tacitus (56 bis 120 n. Chr.). Er berichtet, dass das Spielen von Beginn an mit hohen Risiken verbunden war. Seinen Aufzeichnungen zufolge spielten die Germanen um ihre Freiheit, nachdem sie ihren kompletten Besitz verloren hatten.

In der römischen Kultur diente das Glücksspiel vor allem der Unterhaltung. Ambrosius (334 – 397 n. Chr.) schildert, dass beim Glücksspiel ganze Vermögen hin- und hergeschoben wurden. Die Einsätze wurden immer höher, bis Kaiser Justinian (482 – 527 n. Chr.) dem Treiben schließlich ein Ende setzte – er verbot das Glücksspiel gänzlich. Freilich gab es zu allen Zeiten Mittel und Wege, derartige Verbote zu umgehen. Illegale Spielsalons waren bereits im alten Rom ein beliebter Treffpunkt von Menschen aller Gesellschaftsschichten.

Das Glücksspiel im Mittelalter

Wie sich das Glücksspiel im Mittelalter entwickelte, wird unter Geschichtsforschern heftig diskutiert. Unzweifelhaft ist, dass es eine Zeit gab, in der das Spielen um Geld als unsittlich angesehen wurde. Verluste konnten vom Gewinner mit rechtlichen Mitteln eingeklagt werden. Weltliche Autoritäten, aber auch die mächtige Kirche versuchten immer wieder, dem Glücksspiel ein Ende zu bereiten.

Anhand der aufgestellten Verbote lässt sich recht genau rekonstruieren, welche Spiele damals verboten waren. Im Fokus der Herrschenden standen Spiele, deren Ausgang vom Zufall abhing. Dazu zählten vor allem Würfelspiele, aber auch verschiedene Kartenspiele.

Auch im Islam gilt bis heute striktes Glücksspielverbot. Dahinter steckt der Gedanke, dass Geld mit Leistung verdient werden sollte. Außerdem ist das Glück des einen gleichzeitig auch das Unglück eines anderen. Um Schaden von Menschen abzuwenden, ist das Glücksspiel heute noch in vielen muslimischen Ländern nicht nur verpönt, sondern strikt verboten. Das gilt für Würfelspiele genauso wie Kartenspiele – im Grunde alle Spiele, deren Ausgang vom Glück abhängt. Schach hingegen gilt deshalb als nicht verboten, wobei es sogar hier anderslautende Mindermeinungen gibt.

Zu den bekanntesten Glücksspielen des Mittelalters, die auch heute noch gespielt werden, zählt Backgammon. Dieses Brettspiel, das einst als „Tric Trac“ bezeichnet wurde, hat die Menschen seit jeher fasziniert, was auch an den einfach zu verstehenden Spielregeln liegt. Aus dem Mittelalter sind kunstvoll gestaltete Tric Trac-Koffer erhalten, die in vielen Museen der Welt ausgestellt werden. Obwohl mit Würfeln gespielt, erfreut sich Backgammon im türkischen oder arabischen Raum großer Beliebtheit.

Die Teilnahme an Glücksspielen war zu manchen Zeiten den Rittern vorbehalten. Im 12. Jahrhundert wurde von Richard Löwenherz ein Erlass veröffentlicht, nach dem das Würfeln um Geld ein Privileg der höheren Stände bleiben sollte. Trotz derartiger Einschränkungen gilt das Mittelalter nach heutiger Sicht als die goldene Epoche des Glücksspiels.

Wenn über das Mittelalter gesprochen wird, sollte bedacht werden, dass diese Epoche einen Zeitraum von fast 1.000 Jahren abbildet. Die Betrachtung von gesellschaftlichen Phänomenen wie dem Glücksspiel sollte daher immer differenziert erfolgen. „Das Mittelalter“ als solches gibt es nicht. Vielmehr handelt es sich um einen langen Zeitabschnitt, der sich nicht einheitlich abgrenzen lässt.

Das Glücksspiel in der frühen Neuzeit

In der frühen Neuzeit entstanden die ersten Spielbanken, auf denen moderne Casinos und auch die immer beliebter werdenden Online-Spielbanken basieren. Die ersten Etablissements wurden im 17. Jahrhundert in Italien erbaut. Als ältestes Casino überhaupt gilt der Palazzo Vendramin-Calergi, der sich in Venedig befand. Es soll bereits im Jahr 1638 eröffnet worden sein.

In Persien entstand im selben Jahrhundert eine früher Form des Pokers. Auch die Erfindung des Roulette wird auf dieses Jahrhundert datiert. Bereits im 16. Jahrhundert wurden in Europa die Lotterien populär. Sogar die strenge Kirche fand Gefallen daran. Um das Jahr 1735 führt Papst Clemens XII. in Rom ein Lotteriespiel ein.

Im 18. Jahrhundert setzte eine Entwicklung ein, die das Glücksspiel zu einem Privileg der Adeligen machte. Vor allem Spiele wie Pharao oder Basette wurden dem Adel und anderen hohen Gesellschaftsschichten zugeordnet, da sie als „nobel“ angesehen wurden. Kartenspiele wie Biribis und Scheffel wurden – oft in abwertender Weise – den unteren Schichten zugeordnet.

Der erste Glücksspielautomat

Die heute verbreiteten virtuellen Casinos im Netz basieren wesentlich auf der ungebrochenen Begeisterung für Spielautomaten. Die sogenannten „Slots“ sind keineswegs eine Entwicklung der letzten 50 Jahre. Sie waren bereits im frühen 20. Jahrhundert vorhanden und gehen auf eine Erfindung des deutschstämmigen Auswanderers Charles August Frey zurück. Der erste Videoslot erblickte im Jahr 1976 das Licht der Welt. Danach setzte eine rasante Entwicklung ein, die schließlich Slots 3-D-Grafik hervorbrachte.

Die Tendenz geht eindeutig in Richtung des virtuellen Glücksspiels im Netz. Stationäre Casinos und Spielotheken verschwinden zunehmend von der Bildfläche. Auch im Bereich der Sportwetten gibt es eine klare Tendenz in Richtung der Online-Teilnahme. Per App können heute innerhalb von Sekunden Wetten auf Sportereignisse rund um den Globus platziert werden.

Die Schwelle zum Glücksspiel wird damit insgesamt immer niedriger. Betrachtet man den Spaßfaktor, ist das eine gute Entwicklung, betrachtet man jedoch die Gefahr Sucht, muss man konstatieren, dass gerade im Netz die Gefahr groß ist. (bg)

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