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Handwerk © voltamax @ pixabay.com (CC 0 Public Domain)

Chance für Neueinwanderer

Welche Jobs bietet die Stahlindustrie in Deutschland?

Wenn von der Stahlindustrie die Rede ist, denken viele gleich an Arbeit mit vergleichsweise niedriger Entlohnung und harte Arbeit. Doch das Berufsbild der Branche, in der überdurchschnittlich oft Migranten beschäftigt sind, hat sich gewandelt. Das bietet auch Neueinwanderern Chancen.

Mittwoch, 28.12.2022, 0:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.01.2023, 15:20 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Stahlindustrie ist einer der ältesten Industriezweige überhaupt. In Deutschland gehört sie zu den systemrelevanten Branchen, beschäftigt sie doch eine nicht unerhebliche Zahl von Mitarbeitern direkt. Zudem arbeiten rund vier Millionen Menschen in stahlintensiven Branchen. Ein Großteil der Mitarbeiter besitzt den sogenannten Migrationshintergrund.

Eines der drückendsten Probleme der Stahlindustrie ist der grassierende Fachkräftemangel. Jährlich werden knapp 5.000 Ausbildungsplätze angeboten, wovon nicht wenige unbesetzt bleiben. Auch deshalb ist die Stahlindustrie für Geflüchtete und Migranten eine mögliche Option mit einer breiten Palette an Jobs.

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Stahlindustrie im Wandel der Zeit

In den letzten Jahrzehnten wurde die Stahlindustrie in weiten Bereichen modernisiert. War früher der Stahlkocher das dominierende Berufsbild in den riesigen Industriehallen des Ruhrgebiets, des Saarlands und Eisenhüttenstadt, hat inzwischen die Digitalisierung Einzug gehalten.

Vor allem großen Marktführer setzen dabei auf cloudbasierte Abläufe und automatisierte Stahl Service Center in ganz Europa. Daraus ergibt sich ein Wandel bei den Anforderungen für die MitarbeiterInnen eines stahlproduzierenden Betriebs. Neue Berufsbilder entstanden, die sich vom herkömmlichen Stahlarbeiter deutlich unterscheiden. Die Stahlindustrie bietet dadurch eine ganze Reihe von hoch qualifizierten und gut bezahlten Berufen an, auf die sich auch Migranten bewerben können.

Welche Berufe in der Stahlindustrie sind gefragt?

In der Stahlindustrie werden MitarbeiterInnen in anspruchsvollen Berufen gesucht. Das gilt sowohl für akademische Berufe als auch für Berufsfelder, die mit einer dreijährigen Ausbildung des Dualen Bildungssystems verbunden sind.

Bei Absolventen einer Hochschule steht dabei das Ingenieurstudium an erster Stelle. Für eine Karriere in der Stahlindustrie bieten sich die Fachrichtungen Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und Verfahrenstechnik an. Aber auch InformatikerInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen und ChemikerInnen sind für Stahlunternehmen von größter Bedeutung. Aus dem Bereich Ausbildungsberufe gehören die folgenden Qualifikationen zu den am stärksten nachgefragten:

  • IT-SystemelektronikerIn
  • ElektronikerIn für Automatisierungstechnik
  • MechatronikerIn
  • Informatikkaufmann oder -kauffrau
  • ElektronikerIn für Betriebstechnik
  • IndustriemechanikerIn
  • FachinformatikerIn
  • Industriekaufmann bzw. -kauffrau
  • ZerspanungsmechanikerIn
  • WerkzeugmechanikerIn
  • WerkstoffprüferIn
  • VerfahrensmechanikerIn
  • KonstruktionsmechanikerIn
  • Kaufleute

Die Unternehmen stellen genügend Praktikumsplätze zur Verfügung. Mit dem Abschluss einer der genannten Berufsrichtungen kann in der Stahlindustrie von einem sicheren Arbeitsplatz ausgegangen werden.

Welche Unternehmen sind für Bewerber interessant?

Die Präferenzen der einzelnen BewerberInnen sind geprägt von den persönlichen Karrierezielen in Verbindung mit den Anforderungen an das Gehalt. Die Stahlindustrie berücksichtigt diese Wünsche. Neben den klassischen Stahlproduzenten suchen auch Zulieferer immer wieder nach geschultem Fachpersonal. Zudem bieten Unternehmen, die sich auf branchenrelevante Services oder Produkte spezialisiert haben, attraktive Berufsperspektiven.

Die großen Stahlkonzerne mit internationalen Verflechtungen, welche die gesamte Wertschöpfungskette in einem Unternehmen abbilden, sind interessant für ArbeitnehmerInnen, die sich in einem internationalen Ambiente weiterentwickeln möchten. Dieser Umstand bietet Migranten, die ein gutes Sprachgefühl besitzen, ausgezeichnete Aufstiegschancen. Die Karriereleiter innerhalb eines Unternehmens lässt sich zudem schneller hochklettern im Vergleich zu einem Karrieresprung, der mit einem Wechsel des Arbeitgebers verbunden ist.

Daneben bieten auch kleinere Firmen mit spezialisierten Angeboten bemerkenswerte Berufschancen. Handelsunternehmen im Stahlbereich sowie Hersteller, die speziellen Qualitätsstahl produzieren, sind dabei ebenso zu nennen wie Forschungsinstitute, die sich im Entwicklungsbereich profilieren konnten.

Wie hoch sind Löhne und Gehälter?

Das Gehaltsniveau in der Stahlbranche liegt in der Regel im oberen Bereich. Der Mangel an Fachkräften hat hier besondere Steigerungen im Gehaltsgefüge bewirkt. Bei Facharbeitern bewegen sich die durchschnittlichen Monatsgehälter um die 2.600 Euro. Einzelne Berufe wie ElektronikerIn für Betriebstechnik beginnen bei einem Einstiegsgehalt von bis zu 2.800 Euro im Monat.

Auch die MitarbeiterInnen mit einem akademischen Abschluss profitieren davon, dass die Betriebe händeringend ausgebildetes Personal suchen. So stieg das Einstiegsgehalt für InhaberInnen eines Bachelor-Abschlusses innerhalb von sechs Jahren (2016 bis 2021) von 25.000 Euro auf 43.500 Euro im Jahr.

Zudem wirkt sich die konkrete Funktion innerhalb der Stahlbranche auf das Gehaltsgefüge aus. So kommt ein/e KonstruktionsingenieurIn auf etwa 53.000 Euro jährlich und ein/e ProzessingenieurIn auf 68.000 Euro. Die Ingenieurs-Tätigkeit im Entwicklungsbereich wird mit Gehältern um die 73.000 Euro entlohnt. In höheren Leitungsfunktionen sind sechsstellige Beträge keine Seltenheit. TopmanagerInnen tragen jährlich inklusive Boni siebenstellige Vergütungen nach Hause. (bg)

Wirtschaft
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