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Ärztin bei der Arbeit (Symbolfoto) © DarkoStojanovic @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Die Gründe

Fachkräftemangel trotz Einwanderung qualifizierter Migranten

Deutschland kämpft seit vielen Jahren gegen den Fachkräftemangel. Die Gründe dafür sind vielfältig, Lösungen dazu ebenso: Rekrutierung von Arbeitskräften aus dem Ausland bis hin zur Weiterbildung bereits vorhandener Arbeitskräfte.

Mittwoch, 28.12.2022, 0:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.01.2023, 11:32 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Der Fachkräftemangel hat sich in Deutschland seit der Corona-Krise alarmierend zugespitzt. In vielen Branchen fehlt es an fachkundigen, qualifizierten Mitarbeitern, sodass viele Unternehmen immer mehr auf Quereinsteiger angewiesen sind. Die deutsche Wirtschaft ist laut der Politik auf Einwanderung ausländischer Fachkräfte angewiesen. Doch was sind die ausschlaggebenden Gründe für den Mangel an Fachkräften? Und kann Einwanderung wirklich die Lösung sein?

Unattraktive Arbeitsbedingungen fördern Fehlzeiten und Abwanderung

Häufig werden Gründe wie der demografische Wandel, die Inflation oder sonstige äußere Einflüsse für den Fachkräftemangel in Deutschland verantwortlich gemacht. Arbeitgeber jeder Branche suchen händeringend nach geeignetem Personal – vergebens. Laut der Bundesagentur für Arbeit sollen vor allem die Pflege, das Handwerk, die IT-Branche und diverse Bauberufe von einem zunehmenden Fachkräfteengpass betroffen sein.

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Jedoch merken Arbeitnehmervertreter an, dass der Abgang von Fachkräften häufig hausgemacht ist. Viele Arbeitnehmer müssen unter unattraktiven Bedingungen arbeiten. Besonders häufig werden eine geringe Bezahlung oder ungünstige Arbeitszeiten als Gründe angeführt.

Auch die innerbetrieblichen Konditionen können zu vermehrten Fehlzeiten der einzelnen Mitarbeiter sowie einem Berufswechsel führen. So sind viele Betriebe nicht richtig ausgestattet, was besonders für Bürokräfte gesundheitliche Folgen haben kann. Von psychischen Beschwerden wie Burnout bis hin zu körperlichen Beschwerden ist alles dabei.

Dabei könnten Unternehmen durch die Anschaffung geeigneter Arbeitsmaterialien und Möbel, wie beispielsweise ein orthopädisches Sitzkissen, das Wohlbefinden und die Effizienz ihrer Mitarbeiter erheblich steigern, indem die gesundheitlichen Aspekte berücksichtigt werden. Auch eine Anpassung der Arbeitszeiten, eine Verringerung von Überstunden sowie eine faire und qualifikationsgerechte Bezahlung würden die Abwanderung vieler Fachkräfte verhindern.

Mangelnder Nachwuchs als Ergebnis des demografischen Wandels

Die deutsche Bevölkerung schrumpft bereits seit Jahren. Die Geburtenrate in Deutschland ist viel zu niedrig, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Bis 2030 werden mehrere Millionen weitere Arbeitskräfte in Deutschland fehlen, was fatale Folgen für die Wirtschaft hätte. Das Personal wird immer älter, scheidet aufgrund der Rente aus und entsprechender Nachwuchs fehlt.

Zwar sind Menschen im Rentenalter aktuell noch die kleinste Bevölkerungsgruppe in Deutschland, jedoch soll sie laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in 10 bis 15 Jahren den größten Anteil darstellen. Zeitgleich werden allerdings immer weniger Kinder geboren, wohingegen der Stellenmarkt immer größer wird. Die Politik hofft darauf, den Fachkräftemangel zukünftig durch qualifizierte Geflüchtete aus der Ukraine und Zuwanderer zu decken. Jedoch ist die Realität, dass häufig jungen Flüchtlingen die Ausbildungssuche erschwert wird.

Zuwanderung kann den Mangel an Fachkräften nicht decken

Ob und wie die Zuwanderung bei den herrschenden Fachkräfteengpässen eine Lösung sein kann, ist bisher noch unklar. Das im März 2020 eingetretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll bewirken, dass Menschen aus Drittstaaten, die eine qualifizierte, nicht-akademische Ausbildung genossen haben, einfacher nach Deutschland einwandern können. Bislang hat sich das Gesetz aber nicht als sonderlich wirkungsvoll erwiesen.

Im Jahr 2021 sollen laut einer Statistik des Statistischen Bundesamtes (Ausländerzentralregister) insgesamt rund 1,9 Millionen Arbeitskräfte nach Deutschland zugewandert sein. Der Großteil der Migranten stammt aus Polen, Rumänien, Italien, Kroatien, Bulgarien und weiteren EU-Ländern. Aus Nicht-EU-Ländern wie unter anderem Indien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo sollen etwa 295.000 Arbeitskräfte stammen. So stimmt es zwar, dass Migranten einen großen Teil des Mangels auffangen, jedoch kann dieser alleine durch die Zuwanderung nicht vollständig in den Griff bekommen werden.

Besonders im Bereich der Altenpflege und dem Gesundheitswesen arbeiten bereits tausende Migranten, was sich als wichtig und überaus wertvoll erweist. Jedoch benötigt man für eine langfristige Beseitigung des Fachkräftemangels eine bessere Anwerbung. Lange Wartezeiten auf eine Arbeitserlaubnis oder ein Visum erschweren die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung erheblich.

Darüber hinaus ist das Anerkennungsverfahren des Bundes sehr aufwändig. So wird in Deutschland erst nach bis zu acht Jahren ein dauerhafter Aufenthalt gewährt, was ebenfalls ein Hemmnis für viele Einwanderer ist.

Um den Fachkräftemangel mittels Zuwanderung zu besiegen, bedarf es einer besseren Einwanderungspolitik, höherer Akzeptanz geflüchteter Menschen und vor allem bessere Aufstiegschancen sowie einer vereinfachten Anerkennung der ausländischen Abschlüsse. (em)

Wirtschaft
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