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Autofahrt (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Selbstständigkeit

Unternehmer mit Einwanderungserfahrung im Minicar-Service

Migranten in Deutschland wagen den Schritt in die Selbständigkeit überdurchschnittlich oft - viele, weil sie auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Besonders aktiv sind sie in der Gastronomie oder im Taxigewerbe. Minicars bieten zunehmend eine lukrative Alternative.

Montag, 12.12.2022, 0:06 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 13.12.2022, 12:19 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Während die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine angestellte Tätigkeit bevorzugt, sind es besonders Migranten und Migrantinnen, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden. Zu den beliebtesten Branchen gehören die Gastronomie, die IT und der Online-Handel. Ein weiterer attraktiver Bereich ist die Personenbeförderung.

Neben klassischen Taxis gibt es die sogenannten Minicars. Immer mehr Menschen, die einen Fahrdienst benötigen, nutzen dafür ein Minicar. Warum dieser alternative Fahrdienst eine vielversprechende Möglichkeit für eine Unternehmensgründung insbesondere für Migrantinnen und Migranten ist, soll im Folgenden dargelegt werden.

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Menschen mit Migrationshintergrund gründen am häufigsten

Migranten und Migrantinnen machen einen wichtigen Teil der Gründerszene in Deutschland aus. Sie entscheiden sich überdurchschnittlich oft für eine selbstständige Tätigkeit. Oft aus Mangel an Alternativen, weil sie benachteiligt sind auf dem Arbeitsmarkt. Als Unternehmer sind sie selbst aber offener dafür, Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einzustellen. Sie verwirklichen so nicht nur ihre eigenen beruflichen Wünsche, sondern geben anderen die Chance auf eine Karriere. Dadurch sind sie ein Gegengewicht zum alltäglichen Rassismus, den Migranten und Migrantinnen in deutschen Unternehmen oftmals erfahren.

Durch ihre Offenheit sind Gründer und Gründerinnen mit Migrationshintergrund echte Innovationstreiber. Sie sind oftmals mutiger und widerstandsfähiger als andere Unternehmer und nutzen diese Stärke zu ihrem Vorteil. Sie fördern Diversität in ihren Unternehmen und finden sich in der internationalen Geschäftswelt einfacher zurecht.

Minicar als Chance für Selbstständigkeit

Minicar-Unternehmen sind ein attraktives Geschäft für Existenzgründer. Der Fahrservice ist eine Alternative zu herkömmlichen Taxis und bietet schon deshalb einen entscheidenden Vorteil: Die Branche ist vielen selbständigen Migratinnen und Migranten bereits als Taxi-Unternehmer:in bekannt. Und die Branche ist gar nicht so neu. Schon in den 1980er-Jahren haben Unternehmen wie Inges Minicar in Karlsruhe die Personenbeförderungsbranche mit ihren innovativen Angeboten aufgerüttelt.

Heutzutage werden Minicar-Unternehmen von vielen Menschen genutzt. Wer sich nach Taxis erkundigt, stößt mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die Angebote der Konkurrenz. Minicars haben größere Freiheiten als Taxiunternehmen, was sich besonders in der Preisgestaltung widerspiegelt. Das ist auch für Kunden einer der wichtigsten Pull-Faktoren. Insbesondere Menschen, die neu in ein Land einwandern, haben oft noch kein eigenes Kfz und sind auf Dienstleister angewiesen.

Was ist ein Minicar genau?

Anders als ein Taxi ist ein Minicar aber kein Teil der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Unternehmen bieten stattdessen einen Mietwagen mit Fahrer. Deshalb können sie ihre Preise frei bestimmen und können auch Sonderaktionen und Rabatte anbieten.

Manche Minicarunternehmen bieten für Fahrten in einem bestimmten Radius oder zu einer bestimmten Tageszeit besonders günstige Festpreise an. Das verlockt viele Kunden, lieber ein Minicar als ein Taxi zu rufen. Das ist allerdings auch nötig, denn Minicars dürfen nur auf Bestellung zum Kunden kommen. Laufkundschaft ist bei ihrem Geschäftsmodell nicht erlaubt. Der Mietwagen hat nach jedem Auftrag die Pflicht, wieder zum Unternehmensstandort zurückzukehren und erst dort einen neuen Kunden anzunehmen.

Neben regulären Fahrten bieten Minicar-Unternehmen auch spezielle Fahrdienste für alle möglichen Situationen an. Dazu gehören Transporte zum Flughafen oder Bahnhof, Bring- und Holdienste für Arztbesuche und Lieferfahrten für Einkäufe, Waren und Dokumente.

Was ist der Unterschied zum Taxi?

Taxis sind die traditionelle Wahl für Menschen, die einen Fahrdienst benötigen. Sie sind im Straßenverkehr leicht zu erkennen. Ihr Status als öffentliches Verkehrsmittel gibt ihnen einige besondere Vorteile und Privilegien. Sie dürfen Laufkundschaft annehmen, auf speziellen Halteplätzen parken und auf Fahrspuren fahren, die eigentlich für Busse reserviert sind.

Taxis müssen allerdings auch Kunden transportieren, die kurze oder unprofitable Fahrten benötigen. Außerdem sind die Preise lokal festgelegt und können nicht frei gewählt werden. Fahrgäste wissen erst am Ende der Fahrt, wie viel sie bezahlen müssen, denn Wartezeiten im Verkehr oder an der Ampel zählen zum Fahrpreis dazu.

Gerade durch die flexibleren Angebote und das kundenorientierte Geschäftsmodell heben sich Minicars von normalen Taxis ab. Das zeigt sich auch in der Szene, die immer bunter wird. Immer mehr Unternehmer:innen mit Einwanderungsgeschichte drängen sich in diese Nische.

Fazit

Der Markt für Personenbeförderung ist groß. Gerade in Städten haben viele Leute und Neueinwanderer kein Auto und sind daher auf Fahrdienste und öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Minicars können diese Branche mit attraktiven Angeboten und besonderen Fachdiensten innovativ erweitern. Unternehmer mit Migrationshintergrund können mit kulturspezifischen Angeboten auch gezielt Neueinwanderer ansprechen. Auch deshalb ist ein Minicar-Unternehmen eine attraktive Möglichkeit für Gründer und Gründerinnen mit Migrationshintergrund, die auf der Suche nach einer passenden Gelegenheit sind. (bg)

Wirtschaft
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