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Verbraucherschutz

Mehrsprachige Informationsangebote für Migranten

Immer mehr Verbraucherschutzzentralen in den Ländern entdecken Migranten als Zielgruppe. Mit Broschüren, Flyern und Online-Informationsangeboten sollen sie als Verbraucher über ihre Rechte informiert werden.

Donnerstag, 10.11.2022, 0:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 14.11.2022, 8:31 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die Verbraucherzentralen entdecken Verbraucher mit Einwanderungshintergrund als Zielgruppe und legen im Vergleich zu früheren Jahren deutlich häufiger Informationen vor: Broschüren, Flyer und Online-Beiträge informieren sie über ihre Rechte. Wichtig dabei ist, dass sie die Verbraucher in ihren Sprachen erreichen. Folgende Aspekte sind dabei besonders wichtig:

Unterschiedliches Kaufverhalten der Migranten

Das Kaufverhalten von Einwanderern in Deutschland ist sehr unterschiedlich aufgrund unterschiedlichster Herkünfte. Gerade die jüngere Generation greift immer häufiger auf die digitalen Märkte zurück. Und hier sind der Datenschutz, die Widerrufsmöglichkeiten und die Vor- und Nachteile des digitalen Marktes zu beachten.

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Gerade beim Verbraucherschutz in digitalen Märkten sehen sich viele Migranten vor große Hürden gestellt, etwa wenn es um den Kauf eines Produkts im Internet und um die Rechte als Käufer geht. Deswegen klärt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über die wichtigsten Rechte auf, die dem Käufer eines Produkts als Verbraucher zustehen. Das Besondere ist: Die Informationen des Amtes sind nicht nur auf Deutsch zu lesen, sondern ebenfalls in türkischer und russischer Sprache sowie in weiteren elf Sprachen.

Verbraucherschutz meist mangelhaft

In eine ähnliche Richtung gehen inzwischen auch die Verbraucherzentralen. Lange haben sie es versäumt, sich auf den Wandel in der Gesellschaft einzustellen. Doch inzwischen bieten auch sie zahlreiche Informationen in mehreren Sprachen bereit. So werden sie auch für Eingewanderte eine wichtige Anlaufstelle für den Verbraucherschutz – auch aufgrund ihrer nahezu flächendeckenden Verbreitung. Jedes Bundesland verfügt über Beratungsstellen, die bei den betreffenden Fragen Auskunft erteilen können.

Die meisten Städte verfügen zudem über Migrationsbeauftragte, die beim Dolmetschen zur Verfügung stehen. Grundsätzlich ist es zu empfehlen, bei Unklarheiten den Verbraucherschutz und bei Betrugsfällen die Polizei zu informieren, denn andernfalls kann der Schaden nicht behoben, beziehungsweise das verlorene Geld nicht rückerstattet werden.

Studien zufolge werden Migranten besonders bei Telefontarifen, Versicherungen, Mieten oder Krediten oftmals ungleich behandelt. Werden beispielsweise überteuerte oder Knebelverträge nicht rechtzeitig angefochten, können unnötige Kosten entstehen, die sogar zu einer Überschuldung führen können. Im schlimmsten Fall droht ein negativer Eintrag bei der Schufa-Auskunft, die die allgemeine Kreditwürdigkeit der Käufer dokumentiert.

Der digitale Markt

Ein inzwischen oft auftretendes Problem im Netz sind unseriöse Angebote. Das fängt an bei Dienstleistungen, Wettanbietern oder Spieleanbieter. Gerade Letzteres boomt seit Jahren in Deutschland und zieht überdurchschnittlich oft Menschen mit Einwanderungsgeschichte an – die Gründe dafür sind vielschichtig. Mit ursächlich dafür ist die Angebotsvielfalt, wie man beispielsweise auf der deutschsprachigen Seite GambleGuys sehen kann.

Ein weiteres typisches Beispiel sind spezielle Handytarife, die im Internet abgeschlossen werden können und ganz speziellen Zielgruppen ansprechen: Türken, Russen, Polen etc. Laut Verbraucherschutz sind diese oftmals mit unnötigen Kostenfallen verbunden. Die Intransparenz sorgt dafür, dass viele eingewanderte Verbraucher schlicht gar nicht über die allgemeinen Geschäftsbedingungen Bescheid wissen. Verstärkt werden diese Probleme, da die Internetseiten zwar einzelne Migrantengruppen ansprechen, aber keinen Service in ihrer Muttersprache anbieten. Dabei sollten zumindest folgende Informationen mehrsprachig verfasst sein:

  • Gewährleistung: Kommt eine Bestellung an und ist defekt oder beschädigt, so muss das Gerät vom Verkäufer repariert oder ausgetauscht werden, sofern nachgewiesen werden kann, dass der Schaden zum Zeitpunkt des Kaufes bereits bestand.
  • Widerrufsfrist: Verbrauchern steht ein 14-tägiges Widerrufsrecht zur Verfügung, falls der Vertrag nicht den Wünschen entspricht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass keine Gründe für eine Rückgabe genannt werden müssen.
  • Vollständige Preisangaben: Internetanbieter müssen vollständige Angaben über die anfallenden Kosten machen. Das heißt, dass auch Versandkosten, Steuern und alle anderen Gebühren anzugeben sind. Fallen also Kosten an, die im Warenkorb jedoch nicht auftauchen, dann müssen diese auch nicht beglichen werden.
  • Bezahlung: Am sichersten ist es, wenn eine Rechnung der Ware gesendet wird, die dann beglichen wird, wenn das Produkt beim Verbraucher ankommt. Auch das Lastschriftverfahren ist risikoarm, da das Geld im Betrugsfall durch die Bank wieder eingezogen werden kann.
  • Im Falle eines Betrugs: Tritt diese Situation ein, dann sollte möglichst zeitnah Anzeige erstattet werden. Außerdem ist es empfehlenswert, die Internetseite selbst über den Gang zur Polizei zu informieren.

Datenschutz

Ein großes Problem im Internet ist auch der häufig verantwortungslose Umgang mit den eigenen Daten. Darüber hinaus fehlen oft die Kenntnisse, was diese Informationen in den falschen Händen anrichten können. Datenschutz ist ohnehin ein sehr sensibles Thema, das weltweit für Aufmerksamkeit sorgt. Bis heute werden die gesammelten Datenmengen weder ausreichend kontrolliert, noch reglementiert. Die EU arbeitet seit vielen Jahren an einer europaweiten Vereinheitlichung des Datenschutzes. (cr)

Wirtschaft
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