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Schlüssel am Schloss (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Diskriminierung

Schlechte Chancen für Migranten bei der Wohnungssuche

Insbesondere in Großstädten bewerben sich zahlreiche Menschen auf Wohnungen. Menschen mit Migrationshintergrund und nicht deutschen Namen werden dabei häufig nicht als Mieter in Erwägung gezogen. Doch hat Deutschland tatsächlich ein Rassismusproblem? Warum werden vornehmlich arabisch-stämmige Menschen auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt? Welche Wirkung hat das Antidiskriminierungsgesetz und an wen können sich Betroffene wenden? Hat Deutschland ein […]

Montag, 22.08.2022, 0:34 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 23.08.2022, 15:41 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Insbesondere in Großstädten bewerben sich zahlreiche Menschen auf Wohnungen. Menschen mit Migrationshintergrund und nicht deutschen Namen werden dabei häufig nicht als Mieter in Erwägung gezogen. Doch hat Deutschland tatsächlich ein Rassismusproblem? Warum werden vornehmlich arabisch-stämmige Menschen auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt? Welche Wirkung hat das Antidiskriminierungsgesetz und an wen können sich Betroffene wenden?

Hat Deutschland ein Rassismusproblem?

Arbeit, Schule und Wohnen: Dass Deutschland ein strukturelles Rassismusproblem in den drei genannten Bereichen aufweist und rassistische Äußerungen und Handlungen den Alltag in Deutschland prägen, ist spätestens seit der Veröffentlichung des „Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors“ nicht mehr abzustreiten. Laut repräsentativer Studie machten bereits 22 Prozent der 5.000 Befragten Erfahrungen mit Rassismus. Davon gaben 58 Prozent der Befragten, die einer der Gruppen „Schwarze Menschen, Muslime, Asiaten, Sinti und Roma, Juden und Osteuropäer“ zugeordnet werden konnten, an, dass sie mindestens einmal Rassismuserfahrungen gesammelt haben.

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Ein Drittel aller Befragten gab an, sich als Deutscher für naturgemäß fleißiger zu halten als Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei fällt laut Studienergebnissen auf, dass die Kritik an Rassismus insbesondere bei den 55- bis 64-Jährigen eine Abwehrhaltung auslöst. Hier zeigt sich, was viele Menschen in Deutschland alltäglich wahrnehmen: Das Bewusstsein für Rassismus fehlt.

Diskriminierung auf dem deutschen Wohnungsmarkt: Araber werden seltener zur Wohnungsbesichtigung eingeladen

Ein groß angelegtes Experiment der Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks und des „Spiegel“ zeigt: In 27 Prozent der Fälle werden Araber nicht zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen. In 24 Prozent aller Fälle werden Türken diskriminiert, gefolgt von Polen und Italienern. Diese Benachteiligung fußt einzig und allein auf dem Namen und steht in keinerlei Abhängigkeit zur Staatsangehörigkeit, dem Geburtsort, den Sprachkenntnissen, dem Bildungsgrad oder dem Beruf. Männer werden dabei deutlich stärker diskriminiert als Frauen.

Das Experiment wurde in zehn deutschen Großstädten durchgeführt, wobei München und Frankfurt durch den angespannten Wohnungsmarkt und den hohen Anteil an privat vermittelten Wohnungen besonders negativ auffielen. Hier war die Chance, eine Wohnung zu mieten, mit nicht deutschem Namen um 50 Prozent geringer als mit deutschem Namen.

Das Ergebnis wird durch Umfragen durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bestätigt: Hier ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2019, dass 35 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund rassistisches Verhalten erfahren und bei der Wohnungssuche ungerechtfertigt benachteiligt werden.

Welche Wirkung hat das Antidiskriminierungsgesetz auf den Wohnungsmarkt in Deutschland?

Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darf der gesamte Prozess der Wohnungssuche von der Zeitungsannonce bis hin zur Beendigung des Mietverhältnisses nicht von einer Diskriminierung des Mieters geprägt sein. Wörtlich sind Benachteiligungen aufgrund von Behinderungen, des Alters, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion sowie der sexuellen Identität nicht zulässig.

Die Überprüfung und der Beweis im Einzelfall sind jedoch schwierig und so sorgen zahlreiche Vermieter und Makler ungehindert und nachweislich seit Jahrzehnten dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden. Ein seriöser IHK zertifizierter Immobilienmakler kennt sich mit den Gesetzen und Regeln aus und sollte Privatpersonen unabhängig ihres Namens zu einer geeigneten Immobilie verhelfen, sofern Suchende das Glück haben, auf einen guten Makler zu stoßen.

Gleichzeitig werden Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur bei der Wohnungssuche benachteiligt, sondern leiden in einigen Fällen unter Mobbing durch rassistische Nachbarn, was sie in ihrem persönlichen Nah- und Schutzbereich trifft und psychisch belastend sein kann. Denn ein Umzug in eine andere Wohnung ist aufgrund der strukturellen Benachteiligung auf dem Wohnungsmarkt in vielen Fällen nicht realistisch.

Wie wehren sich Betroffene gegen Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt?

Wer vermutet, auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt zu werden, kann sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. Die Beratung und Unterstützung erfolgt kostenlos und schließt eine Empfehlung von lokalen Beratungsstellen ein. Gleichwohl bietet sich Ratsuchenden hier die Möglichkeit, eine rechtliche Einschätzung für den individuellen Fall zu erlangen. Denn in Einzelfällen ist hier die Klage auf Schadensersatz und Entschädigung möglich.

Fazit

Deutschland hat ein Rassismusproblem, das sich auch auf die Lebensbereiche Arbeiten, Bildung und Wohnen auswirkt. Laut den Studienergebnissen „Rassistische Realitäten“ erhalten Menschen mit nicht deutschen Namen seltener eine Chance auf eine Wohnung als Menschen mit deutschen Namen. Gleichzeitig fällt das Problembewusstsein in der Gesellschaft gering aus, wobei insbesondere arabisch-stämmige und türkisch-stämmige Männer auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt werden.

Obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Diskriminierung aufgrund der Ethik und weiterer Merkmale verhindern soll, kommt es im Alltag regelmäßig zu rassistisch-motivierten Benachteiligungen von Menschen mit Migrationshintergrund. Betroffene können sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. (dd)

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