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Handwerk © voltamax @ pixabay.com (CC 0 Public Domain)

Es gibt viel zu tun

Migranten brauchen bessere Arbeitsbedingungen

Die berufliche Situation ist für Migranten ein Schlüssel zur Teilhabe. Doch noch immer sind die Bedingungen in Deutschland unzureichend. Es gibt viel zu tun.

Sonntag, 14.08.2022, 0:51 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 15.08.2022, 12:37 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen der Arbeit und der Integration von Migranten wurde durch die ukrainischen Flüchtlinge vor Augen geführt. Die hohe Motivation und Bereitschaft der Ukrainer, im Gastland ihr aus der Heimat bekannte selbstständige Leben weiterzuführen, kollidiert mit der Schwerfälligkeit der deutschen Bürokratie.

In Bezug auf die Arbeitsmöglichkeiten für Migranten besteht ein deutlicher Nachholbedarf. Außerdem kommt es nicht nur darauf an, ob Migranten Arbeit geboten werden kann, sondern auch auf die Art, wie die Beschäftigung gestaltet ist und welche Verdienstmöglichkeiten mit ihr verbunden sind. Dazu gehört beispielsweise auch die Frage nach dem Arbeitsplatz. Ein elektrisch höhenverstellbares Tischgestell etwa ist in manchen Ländern üblich, hierzulande allerdings meist nur, wenn sie von der Krankenkasse bezahlt wird aufgrund gesundheitlicher Beschwerden. Doch muss es soweit kommen? Doch schon lange vorher gibt es ganz andere Probleme:

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Die Arbeit von Migranten ist stärker belastend

Finden Migranten, die länger oder dauerhaft in Deutschland bleiben, einen Job, so entspricht dieser in vielen Fällen nicht ihrem Qualifikationsniveau. Nach einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2015 üben Migranten in Deutschland tendenziell einfache und körperlich belastende Tätigkeiten aus, die zudem geringer entlohnt werden.

Dieser Befund korrespondiert mit einem Gutachten des European Working Conditions Survey 2005, dass Migranten häufiger als Einheimische ohne Einwanderungsgeschichte potenziell gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen wie Zeitdruck, Schichtarbeit oder wechselnden Arbeitszeiten ausgesetzt sind.

Wie empfinden Migranten die Arbeit in Deutschland?

In einer anderen groß angelegten Studie kamen Betroffene selbst zu Wort. Anhand eines Fragebogens berichteten sie über ihre Arbeit in Deutschland. Zugleich wurden im Rahmen der Studie wichtige Kennzahlen der Flüchtlinge zu ihrem Status und ihrer beruflichen Situation aufgenommen und mit Personen ohne Migrationshintergrund verglichen.

Dabei zeigte sich, dass Personen ohne Ausbildung überdurchschnittlich oft Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind. Außerdem seien Migranten weit häufiger als ungelernte (…) Arbeiter und andererseits seltener in hoch qualifizierten Angestellten- oder Führungspositionen tätig. Die Studie zeigte allerdings auch, dass sich mit der Länge des Aufenthalts die berufliche Situation zwischen Eingewanderten und deutschen Bürgern allmählich angleicht.

Die Arbeit selbst empfinden Migranten mit Blick auf die intrinsische Arbeitsqualität negativer. Gemessen wurden dabei Faktoren wie Autonomie am Arbeitsplatz, kognitive Anforderungen, Aufgabenvielfalt und Lerngelegenheiten. Dies ist auch deshalb bedenklich, weil diese intrinsischen Faktoren einen starken Aufschluss darüber geben, in welchem Maß Eingewanderte sich mit ihrer Arbeit identifizieren.

Gesundes Arbeiten ist glückliches Arbeiten

Wie wichtig der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist, dies zeigt eine Untersuchung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Auch in dieser Studie wurden die sogenannten weichen Faktoren berücksichtigt. So konnten Wechselwirkungen zwischen psychischen Belastungen und Beschwerden des Bewegungs- und Stützapparats nachgewiesen werden.

Arbeitskräfte, die sich wohlfühlen, verkrampfen weniger und weisen eine natürliche gesündere Sitzhaltung auf. Ein gutes Betriebsklima, faire Aufstiegschancen, wertschätzende Vorgesetzte oder ein angemessener Arbeitsumfang wirke Stress wirkungsvoll entgegen, von dem psychosomatisch eine krankmachende Wirkung ausgeht.

Aspekte der Ergonomie

Auch die harten Faktoren bürgen für einen nachhaltigen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Da Sitzen das neue Rauchen ist, sollte den Beschäftigten die Gelegenheit gewährt werden, immer dann vom Arbeitsplatz aufzustehen und ein wenig durch den Raum zu gehen, wenn ihnen danach ist. Eine Entlastung bieten außerdem Sitzgelegenheit, die sich bei Bedarf in ein Stehpult umwandeln lassen.

Der Stuhl selbst sollte nach ergonomischen Prinzipien der Krümmung der menschlichen Wirbelsäule angepasst sein und eine bequeme und gesunde Sitzhaltung bieten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das dynamische Sitzen mit Möglichkeiten, den Stuhl jederzeit zu verstellen und zu wippen.

Fazit: Es gibt viel zu tun

Arbeit stellt einen Schlüssel für die Integration von Migranten und ihre soziale und ökonomische Teilhabe in der Gesellschaft dar. Sie bietet ihnen die Chance, ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Der Verbesserungsbedarf ist groß. Auf der Prioritätenliste der Entscheidungsträger aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ganz oben sollte die Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsmarkt stehen.

Flüchtlinge sollten zudem bessere Chancen für Weiterbildung haben und mehr Angebote für erfüllende Arbeitstätigkeiten erhalten. Die Kultur der Arbeit muss sich auch für Migranten wandeln. Dies fängt bei einer wertschätzenden Arbeitskultur an, geht mit der Partizipation und Mitbestimmung im Betrieb weiter und geht über zur Arbeitsergonomie zum Erhalt der Gesundheit. (dd)

Wirtschaft
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