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Zigaretten-Kippen auf dem Boden © de.depositphotos.com

Gewohnheiten hinterfragen

Klimaverbrechen Rauchen: ja oder nein?

Der Klimawandel gehört inzwischen zu einem der größten Fluchtursachen weltweit. Mit dazu beitragen auch alltägliche Gewohnheiten wie das Rauchen. Ein Grund, diese kritische zu hinterfragen und sich den Folgen bewusst zu werden - nicht nur für die eigene Gesundheit.

Mittwoch, 27.07.2022, 0:02 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 27.07.2022, 15:15 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Als Vorbild dient Schweden bei der Forderung der FDP, das Rauchverbot an öffentlichen Orten weiter auszudehnen. Von Politikern und Fachärzten wird die Ausweitung des Nichtraucherschutzes gefordert. Auf Spielplätzen in Schleswig-Holstein ist das Qualmen bereits untersagt. Ist dies ein zu großer Eingriff in die persönliche Freiheit? Oder handelt es sich dabei um einen notwendigen Schritt? Hier gibt es Pro und Kontra.

Ein negativer Einfluss von Rauchern auf die Umwelt

Dass das Rauchen die Gesundheit schädigt und ein Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs ist, das ist bekannt. Doch schadet der Konsum von Tabak zugleich das Klima und die Umwelt? Vonseiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es, dass nicht nur der Rauch ein Problem darstellt.

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Weltweit gibt es nach Schätzungen der WHO rund 1,3 Milliarden Raucher:innen. Es ist weitgehend bekannt, dass der Tabakkonsum aktiv sowie passiv die Gesundheit schädigt und jedes Jahr rund acht Millionen Todesopfer kostet. Aber wie verhält es sich mit der Umwelt und dem Klima?

In einer Studie wurde von Forschenden des Imperial College London kalkuliert, dass auf eine Zigarette rund 14 Gramm CO₂-Äquivalent kommt. Der Grund ist, dass der Rauch diverse chemische Bestandteile enthält, wie bspw. Ammoniak, Styrol, Formaldehyd, Akrolein, 1,3-Butadien, Benzol, Toluol. Pyridin, Isopren, Methan, Kohlendioxid und Distickstoffoxid.

Pro Jahr verursachten Raucher:innen rund 84 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent, was 0,02 Prozent der globalen Treibhausgase ausmacht. Auf rund 12.000 und 47.000 Tonnen, schätzt die WHO, hochgerechnet weltweit die Menge ein. Zwar klingt dies nach einem Effekt, der weniger immens ist als andere, doch das Fazit fällt weitaus alarmierender aus.

An die Umwelt denken & Snus nutzen

Nicht nur die CO2-Belastung ist ein Problem, der von dem Konsum der Zigaretten ausgeht, sondern pro Jahr verschmutzen rund 4,3 Billionen (4.300.000.000.000) Zigarettenstummel die Erde. Diese gelangen in die Seen und Meere, in der Wasserversorgung der Garten und Spielplätze können sich böse Gifte ablagern – und all das kann auf unsere Umwelt schreckliche Auswirkungen haben.

Werden die Umweltauswirkungen der Herstellungsprozesse von neuartigem Tabakersatz und Tabakvarianten miteinander verglichen, dann sind durchaus Ähnlichkeiten zu erkennen. Für Snus beispielsweise muss der Tabak gemahlen, gesiebt, gemischt, dosiert und portioniert werden, um diesen dann letztendlich an die Händler und Käufer zu versenden. Hinzu kommen noch weitere Herstellungsschritte, wodurch sich der CO₂-Ausstoß erhöhen könnte.

Auf der anderen Seite kann sich jemand, der Snus kaufen möchte, laut Herstellerangaben sicher sein, dass Snus ohne aggressive Chemikalien auskommt, die in Zigaretten vorhanden sind. Selbst wenn ein loser Beutel auf dem Boden liegt, komme es nicht zur Freisetzung von Chemikalien. So jedenfalls das Versprechen.

Nicht nur der Rauch ist das Problem…

… sondern auch das Verbrennen des Tabaks

In der 2018 veröffentlichten Ausgabe der Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology“ zeigen die Autor:innen auf, dass Tabak um Ressourcen mit lebenswichtigen Rohstoffen konkurriert, was einen erheblichen Druck auf die Gesundheit der Erde und seiner am stärksten gefährdeten Bewohner ausübt.

Weiter führen die Studienautor:innen aus, dass es notwendig sei, die Tabakindustrie und die damit verbundenen Umweltprobleme besser zu kontrollieren. Zu guter Letzt heißt es, dass es grundsätzlich notwendig sind, den Tabakkonsum möglichst zu verringern, um für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen.

Begründet wird dies damit, dass es nicht nur der Rauch und die Verbrennung des Tabaks sei, sondern auch der Anbau von Tabak. Dieser verursacht laut WHO massive Schäden für Klima und Umwelt. Für die Tabakfelder müssten jährlich 600 Millionen Bäume weichen, der Wasserverbrauch würde 22 Milliarden Tonnen betragen und es kommt zu einem CO2-Ausstoß von 84 Tonnen. So ließ sich die WHO anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai 2022 aus. Auf der anderen Seite ist Tabakanbau in armen Regionen der Erde oft die einzige Möglichkeit für Bauern, sich und ihre Familien zu ernähren.

Fazit ist, dass es laut der WHO notwendig sei, das Bewusstsein für all die Auswirkungen durch den Konsum von Tabak zu schärfen. Jede Anstrengung hilft letztendlich, dass Tabak als ernst zu nehmendes Problem für den Planeten Erde anerkannt wird – das gilt für die menschlichen Kosten ebenso wie für die finanziellen und ökologischen Kosten. (dd)

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