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Kulturschock

Sauberkeit in Deutschland und anderen Ländern

In anderen Ländern ist die saubere Wohnung heilig, dafür ist hierzulande vor der Haustür blitzeblank und der Garten stets frisch gemäht - und das Auto glänzt. Andere Länder, andere Prioritäten.

Sonntag, 03.07.2022, 0:39 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 05.07.2022, 12:05 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Viele Menschen, die aus einem fremden Land nach Deutschland kommen, sind oftmals erst einmal verwundert angesichts hiesiger Sitten und Bräuche der Menschen hierzulande. Außeinander gehen die Meinungen vermutlich beim Thema Sauberkeit. In diesem Punkt haben viele neu eingewanderte Menschen andere Ansichten und können so manches hierzulande nicht verstehen.

Definition von Sauberkeit

Sauberkeit bedeutet für viele Deutsche, dass die eigene Wohnung einigermaßen ordentlich aussieht, alles an seinem festen Platz ist. Und wenn von dem Abendessen einmal etwas auf dem Boden landet, wird es mit einem Stück Zewa aufgewischt. Sauberkeit bedeutet allerdings auch, sich selbst zu pflegen, regelmäßig zu duschen oder die Zähne zu putzen. All das ist allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass Wasser relativ wenig kostet, in Strömen aus den Wasserhähnen fließt und im Überfluss vorhanden ist. Ein Umstand, der in vielen Ländern unmöglich ist und Wasserverschwendung wäre.

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In Deutschland sprudelt das Wasser

Ein schönes großes Haus mit einem gepflegten Garten und in der Einfahrt ein moderner Sportwagen. Das ist wohl das Bild, woran viele Menschen hierzulande denken würden, wenn man diese nach der eigenen Zukunft befragen würde. Natürlich wurde das Auto gerade erst frisch gewaschen, anschließend gewachst und ein Felgenreiniger hilft selbstverständlich dabei, dass das Auto in der Sonne glänzt und die Blicke der vorbeilaufenden Passanten förmlich anzieht.

Auch der Garten ist abgemessen, frisch gemäht und kein Grashalm ist länger oder kürzer als der andere. Wer vor der Haustür nicht kehrt, erntet schiefe Blicke aus der Nachbarschaft. Für viele Menschen aus anderen Ländern hingegen ist die Sauberkeit in den eigenen vier Wänden wichtig. Kein Staubkorn darf auf dem Boden landen, kein Fleck eine Intensivreinigung überleben. Dafür wird die Sauberkeit vor der Tür nicht ganz so ernst genommen.

Die Wohnung mit Schuhen zu betreten ist in vielen Ländern ein No-Go

Für gläubige Muslime oder Menschen aus fernöstlichen Kulturen, die das erste Mal nach Deutschland reisen, ist dies häufig eine Art Kulturschock. Das beginnt bereits an der Wohnungstür, wo Muslime und auch viele Asiaten ihre Schuhe ausziehen. Stattdessen wird die Wohnung barfuß, mit Socken oder Hausschuhen betreten, was dazu beiträgt, dass kein Schmutz von außen mit in die Wohnung gebracht wird.

Dies hat vereinzelt zwar auch einen religiösen Hintergrund, sorgt allerdings dafür, dass man bei vielen Menschen aus anderen Ländern sprichwörtlich vom Boden essen kann. Und anstatt an einem Tisch, wie hierzulande üblich, versammeln sich viele Großfamilien aus anderen Kulturen, zum Beispiel während dem Fastenmonat Ramadan, auf dem Fußboden, wo diese gemütlich zusammensitzen und gemeinsam essen.

Die Sauberkeit im öffentlichen Raum

Auch im öffentlichen Raum lässt die Sauberkeit hierzulande besonders in den Großstädten häufig zu wünschen übrig. Während Zigaretten in vielen Ländern fast komplett aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind, kann man hierzulande Kippenstummel auf dem Boden finden. In manchen Städten gehören solche Verhaltensweisen längst der Vergangenheit hat. Dafür dürften Sauberkeit und Ordnung hierzulande im Durchschnitt ziemlich weit oben auf der Skala sein. Den Vergleich des öffentlichen Raums mit Entwicklungsländern muss man sicher nicht scheuen – auch wenn Sauberkeit ein Kostenfaktor für die öffentliche Hand ist und schon deshalb wenig über Land und Menschen aussagt.

Strenge Vorgaben in der Gastronomie

Im Bereich der Gastronomie gelten hierzulande äußerst strenge Vorgaben, welche die Betreiber erfüllen müssen. Darunter auch Vorgaben, was die Sauberkeit in der Küche sowie dem gesamten Gastronomiebereich betrifft. Die Umsetzung dieser Vorgaben kann durch Mitarbeiter des Gesundheits- oder Ordnungsamtes jederzeit auch unangemeldet kontrolliert werden und bei Verstößen droht im schlimmsten Fall eine Zwangsschließung. Aus diesem Grund achten die meisten Gastronomiebetreiber hierzulande penibel auf die Umsetzung der an sie gestellten Vorgaben, sodass sich die Gäste nur wenig Sorgen über die Sauberkeit machen müssen.

In anderen Ländern sind die Vorgaben und Kontrollen vergleichsweise nicht so streng, weshalb Betreiber auch nicht unbedingt viel Wert auf darauf legen müssen. Im Ergebnis verbieten sich aber pauschale Kategorisierungen. Denn Sauberkeit kostet Personal und Mittel und ist deshalb nicht immer eine Frage des Wollens, sondern oft eine Frage des Könnens – im Sinne des Leistens. (dd)

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