Gewerbe, Türke, Türkei, Selbständig, Selbständigkeit, Gewerbehof
Ein deutsch-türkischer Unternehmer © zeitrafferin auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Selbständigkeit

Tipps für Gründer mit Migrationshintergrund

Unternehmer mit Migrationshintergrund sind eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Die Gründung von Unternehmen stellt für sie dennoch einige Anforderungen bereit. Welche sind das und wie werden sie bewältigt?

Montag, 23.05.2022, 0:01 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 30.05.2022, 6:06 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Eine Bevölkerungsgruppe wird bei der Diskussion um Einwanderer in Deutschland oft ausgespart. Dabei handelt es sich um Menschen mit Migrationshintergrund, die hierzulande ein Unternehmen gründen. Inzwischen gehen mehr als 20 Prozent der Neugründungen auf Personen zurück, deren Wurzeln außerhalb Deutschlands zu verorten sind.

Damit leisten Migranten einen fundamentalen Beitrag zum hiesigen Gründungsgeschehen. Sie schaffen neue Arbeitsplätze und leisten ihren Anteil am Steueraufkommen der Republik. Sofern kein EU-Pass vorhanden ist oder ein anerkannter Asylstatus vorliegt, haben es ausländische Gründer allerdings deutlich schwerer als ihre einheimischen Konkurrenten.

___STEADY_PAYWALL___

Herausforderungen, die auf eingewanderte Gründer zukommen

Es ist der Traum vieler ausländischer Mitbürger, hierzulande ein Start-Up zu gründen. Das hat mehrere einleuchtende Anlässe. Viele Zuwanderer haben ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland und möchten über ein eigenes Unternehmen den Broterwerb absichern. Andere haben hierzulande ein Studium abgeschlossen und erfreuen sich an der hiesigen Lebensqualität. Flüchtlinge versuchen, nach traumatischen Erlebnissen wieder in die Normalität zu finden. Ihnen stellen sich die folgenden Herausforderungen in den Weg.

Aufenthaltsstatus

Zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit bedarf es für Angehörige eines Drittstaates außerhalb der EU (Europäische Union) eines besonderen Aufenthaltsstatus. Anerkannte Asylberechtigte fallen nicht unter diese Regelungen.

Dabei muss nachgewiesen werden, dass ein wirtschaftliches Interesse besteht und die Tätigkeit positive Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Zudem muss der zu gründende Betrieb durch Eigenkapital oder über Kredite abgesichert sein.

Anerkennung von beruflichen Qualifikationen

Schulabschlüsse aus dem nichteuropäischen Ausland müssen in vielen Branchen, vornehmlich aus dem Handwerk, anerkannt werden. Dabei stellen die formalen Anforderungen hinsichtlich eines Meisterbriefes eine besonders hohe Hürde dar. Akademische Abschlüsse werden in der Regel automatisch anerkannt, sofern die lehrende Institution im Ursprungsland als Hochschule akkreditiert ist.

Sprache und Unternehmenskultur

Fehlendes Sprachverständnis ist immer noch die Hauptursache, weshalb Gründungen scheitern. Je komplexer das Vorhaben ist, umso besser muss mit der Sprache umgegangen werden. Dies gilt vor allem dann, wenn sich der Mitarbeiterstab hauptsächlich aus deutschen Muttersprachlern zusammensetzt.

Allerdings leistet die fortschreitende Digitalisierung gute Dienste. So können z.B. über das Online Dienstplan Tool von Papershift komplexe Dienstpläne im Unternehmen erstellt werden, ohne dass es zu sprachlichen Herausforderungen kommt.

Auch die kulturellen Unterschiede sind nicht zu vernachlässigen. So trennt man hier gerne das Geschäftliche vom Privaten. In vielen Ländern wird das nicht so gehandhabt. Branchen und Kunden können länderspezifische Eigenheiten aufweisen. Diese Unterschiede sollten bekannt sein, um diversen Fettnäpfchen auszuweichen.

Bürokratische Hindernisse

Für Gründer mit Migrationshintergrund stellen vor allem die kleinteiligen Verwaltungsstrukturen ein Problem dar. Sich überschneidende Verantwortlichkeiten erschweren es den Betreffenden oft, den zuständigen Ansprechpartner zu finden.

Die Vereinbarung von Notarterminen und die Beantragung von Steuernummern sowie das korrekte Ausfüllen von Formularen verzögert eine Gründung oft mehrere Wochen. Zudem gibt es viele Sondervorschriften zur Hygiene, zum Brandschutz oder zu Kundenparkplätzen, die in anderen Ländern unbekannt sind.

Checkliste für Existenzgründer mit Migrationshintergrund

Die Gründung eines Unternehmens ist mit einigen Anforderungen verbunden. Für Existenzgründer mit Migrationshintergrund empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Die Beantragung des Aufenthaltstitels bei der Ausländerbehörde, welcher selbstständiges Arbeiten erlaubt.
  • Die Anerkennung der erworbenen ausländischen Qualifikationen bei den Kammern vorantreiben. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, eine deutsche Berufsausbildung einer Gründung voranzustellen.
  • Sprachkurse werden sowohl von den Volkshochschulen (VHS) als auch von diversen Sprachschulen angeboten. Die Webseite des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) enthält eine Übersicht.
  • Beratungsstellen aufsuchen, die Unterstützung für Gründer oft in mehreren Sprachen anbieten. Diese sind den Industrie- und Handelskammern (IHK) angeschlossen oder in Innovations- und Gründerzentren zu finden.
  • Ein Businessplan enthält alle unternehmensrelevanten Faktoren und dient als Leitfaden, damit die Unternehmung in geregelte Bahnen geleitet wird. Die Erstellung gewährleistet, dass sich der Betreffende intensiv mit seinem Vorhaben auseinandersetzt. Potenzielle Kreditgeber bestehen in der Regel auf der Existenz eines Businessplans.
  • Den Kapitalbedarf ermitteln unter der Berücksichtigung von Fixkosten wie Produktions- und Materialkosten, Personalaufwand, Erstausstattung sowie Lizenzen und Genehmigungen.
  • Relevante Versicherungen zur Betriebs- und Existenzsicherung abschließen.
  • Die Ausarbeitung eines Marketingkonzeptes.
  • Die Einführung strukturierter Arbeitsabläufe.
  • Kurz-, mittel- und langfristige Ziele definieren.
  • Hilfe und Beratung von erfahrenen Experten annehmen. (dd)

Wirtschaft
Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)