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Mädchen im Flüchtlingslager © Ahmed akacha @ Pexels

Gesundheit

Flüchtlinge bei der Integration unterstützen

Kriegerische Auseinandersetzungen, Armut oder Verfolgung zwingen viele Menschen in die Flucht. Zum Glück gibt es entsprechende Hilfe. Aber wie kann man diesen Leuten, die im Grunde von jetzt auf gleich alles verloren haben, in diesen Situationen beistehen?

Samstag, 21.05.2022, 0:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 27.05.2022, 23:02 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Geflüchteten zu helfen, ist der erste Schritt. Diese Hilfe ist notwendig, da Geflüchtete mit fremden Verwaltungsabläufen konfrontiert werden. Oft sind sie dieser Maschinerie gegenüber komplett ausgeliefert. Das darf nicht verwundern. Uns ginge es nicht anders, wenn wir in einem Land ankämen, dessen Sprache und Gewohnheiten wir nicht beherrschen. Zudem haben Menschen auf der Flucht dringendere Sorgen als das Ausfüllen von komplizierten Amtsformularen: Etwa die Sorge um die Daheimgebliebenen oder was aus den Familienangehörigen wird, mit fliehen konnten. Dennoch kommt man um die Bürokratie nicht herum, die im Zweifelsfall auch Einheimischen komplett überfordern können.

Hinzu kommt: Viele Flüchtende haben auf dem Weg ins Zielland vermutlich Schlimmes erlebt und gesehen, sind deshalb psychisch angeschlagen und haben das Vertrauen in Menschen verloren. Und dann sollen sie die Hilfe wildfremder Menschen annehmen, ihnen vertrauen. Dass es schwerfällt, Vertrauen aufzubauen, dürfte klar sein. Deshalb benötigen Menschen zunächst einmal Hilfe, um sich an die neue Situation anzupassen, zu verstehen, was um sie herum geschieht. Dabei darf bei aller Hilfsbereitschaft nie aus dem Blick geraten, dass diese Menschen so schnell wie möglich wieder in der Lage sein möchten, eigenständig zu leben. Das heißt: Erlernen der Sprache, Aufzeigen und Einbringen der eigenen Fähigkeiten und verstehen, warum bestimmte Abläufe nötig sind. Zu Deutsch: sie brauchen Hilfe bei der Integration.

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Was bedeutet Integration?

Obacht, hier existiert Verwechslungspotenzial. Integration bedeutet, jemanden einbeziehen. Wir beziehen die Menschen also aktiv ein, inkludieren sie und helfen ihnen in Fragen der Teilhabe an Bildung, Erwerbstätigkeiten, weisen sie auf eventuelle Unterschiede zwischen den Werten und Normen der diversen Systeme, in denen wir sozialisiert wurden, hin und geben ihnen das Gefühl, dass sie dazu gehören.

Beispiel: Wenn man eine Reise in die Alpen machen möchte und bei der Buchung einige Rabattcodes auf den nächsten Einkauf erhält, sich mit den Nachbarn auf Deutsch verständigt und zu Hause die Heimatkultur hochhält, dann ist dies Integration. Wenn man zu Hause jedoch darauf besteht, Deutsch zu sprechen und jeden Versuch der eigenen Familie, weiterhin die Heimatsprache zu bemühen oder die Kultur zu leben, unterbindet, ist dies Assimilation.

Herausforderungen und Chancen

Wie schon festgehalten, sind für Geflüchtete die fremde Sprache, Verwaltungsabläufe oder schlechte Erfahrungen mit Beamt:innen oder Behörden große Hürden, die nicht so einfach zu bewältigen sind. Diese Schwierigkeiten kann ein großer Rückhalt und eine positive Stimmung in der Bevölkerung ausgleichen und sogar umschlagen in eine Win-win-Situation.

So ist es beispielsweise möglich, dass Geflüchtete in der neuen Heimat positive Veränderungen anstoßen. Diese können sozialer oder wirtschaftlicher Art sein. Des Weiteren kann so der soziale Zusammenhalt innerhalb des Aufnahmelandes gefördert werden.

Auftakt für ein neues Leben in Deutschland

Die Ankunft in Deutschland oder in einem anderen Zielland bedeutet auch immer zugleich auch, ein neues Leben zu starten. Hierfür benötigt man neben der Unterstützung durch Hilfswillige, auch die Möglichkeit, der Integration und der Traumaüberwindung.

Flüchtlinge durch Bildung integrieren

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung investiert in den kommenden Jahren etwa 230 Millionen Euro in die Bildung von Geflüchteten. Davon werden 130 Euro im ersten Maßnahmenpaket fließen, das den Fokus auf den Zugang zu Bildungsmaßnahmen legt, sei es schulischer oder beruflicher Natur. Das Ziel: Geflüchteten den Erwerb der deutschen Sprache zu ermöglichen, aber auch die Kompetenzen und Potenziale dieser Personen zu erkennen und zu aktivieren.

Weitere 100 Millionen Euro werden für das zweite Maßnahmenpaket aufgewendet. Hier soll der Zugang zum Studium gefördert werden. Dies bedeutet: sprachliche Vorbereitung, eine fachliche Unterstützung und gute Beratung.

Die Traumata überwinden

Personen, die vertrieben wurden von einem Gewaltregime oder einer Natur- oder Umweltkatastrophe, sind in der traumatisiert aufgrund ihrer Notsituation. Für die allermeisten Menschen ist Flucht nämlich das letzte Mittel, um sich in Sicherheit zu bringen. Bis der Fluchtentschluss gefasst ist, vergeht oft viel Zeit und die Menschen müssen viel Leid erdulden. Deshalb ist psychologische Hilfe notwendig. Stellenweise sind zwar „Psychosoziale Zentren“ entstanden, wo speziell ausgebildete Psychologen sich um die Flüchtlinge kümmern, sie versuchen zu therapieren, doch das Angebot erreicht noch lange nicht alle Menschen – Pilotprojekt hier, Testprojekt da. (dd)

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