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Teppisch, Zopfmuster, Strick, Wolle, Faser, Stoff
Nahaufnahme von grauem Zopfmuster (Symbol) © Isabelle Taylor von Pexels

Kleine Kulturkunde

Teppichreinigen – eine Notwendigkeit

Die deutsche Wegwerfgesellschaft ist rigoros. Schmutz auf dem Teppich? Das Ding kommt weg. Gut, nicht jeder agiert so.

Donnerstag, 14.04.2022, 0:59 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 14.04.2022, 19:29 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Gemäß Mikrozensus des Statistischen Bundesamt haben 22,3 Millionen Menschen in der Bundesrepublik einen Migrationshintergrund. Das sind 27 Prozent der Bürger und damit mehr als ein Viertel. Dies bedeutet: Neben der Tatsache, in einem anderen Land zu wohnen, was zwangsläufig heißt, auf einige Menschen aus dem eigenen Umfeld zu verzichten, weil sie da geblieben sind, werden hier auch Dienstleistungen, die in der Heimat angeboten werden, vermisst. Nehmen wir nur das Beispiel der Teppichwäsche.

Von Billigprodukten …

Es gibt ja auch Personen, die dem verschmutzten Teppich mit allerhand Chemikalien zu Leibe rücken und eigenhändig versuchen, die Reinigung vollziehen zu können. Nachvollziehbar, denn diese Fähigkeit macht doch durchaus stolz. Und das alles für einen Teppich, den man für einen recht günstigen Preis im nächstbesten Baumarkt erworben hat.

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… und teuren Teppichen.

Aber es existieren auch andere Webwaren. Diese sind dann nicht einfach billig und auf Masse produziert, sondern haben eine eigene Geschichte. Manche von ihnen sind sogar seit Generationen im Familienbesitz und haben bisher jeden Umzug mitgemacht. Und diesem wertvollen Schatz will man doch nicht eigenhändig mit einer Chemikalie reinigen. Wer weiß, ob das ganze so funktioniert? Aber gereinigt werden muss er.

Der Vorteil ist, dass man seine Webware in die Hände erfahrener Experten legen kann. Jene Leute wissen dann genau, wie ein stark verdreckter Teppich gereinigt werden kann. Aber warum sollte dies überhaupt getan werden? Klar, ein Cola-Fleck auf dem Teppich sieht nicht schön aus. Aber wenn der Teppich sauber ist, muss er doch nicht gereinigt werden, oder?

Ist der Teppich sauber?

Man könnte jetzt antworten, dass man keine Flecken sieht, also ist davon auszugehen, dass die Webware sauber ist, aber das wäre nicht ganz zutreffend. Denn eigentlich wird dieses Stück Wohnkultur immer irgendwie beschmutzt. Das dürfte auch die Antwort auf die Frage sein, warum in anderen Kulturen die regelmäßige Teppichwäsche ein fester Bestandteil der Haushaltsreinigung ist und viel öfter gemacht wird als in unseren Kulturkreisen, die inzwischen auch in Deutschland beheimatet sind.

Wie kommt dies?

Nun, der Teppich liegt in der Wohnung und er wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht durch irgendwelche Plastikfolien gesichert sein. Heißt: Er ist angreifbar.

Warum?

Da wären wir Menschen. Wir leben ja auch in der Wohnung, gehen über den Teppich und während wir das tun, regenerieren wir unseren Körper vor uns hin. Das bedeutet: Abgestorbene Hautzellen fallen uns wie Schuppen von den Augen – respektive: fallen als Schuppen von den Augen. Die Vorstellung, dass der Teppich irgendwann gestrichen voll mit den Schuppen sein dürfte, hat schon einen gewissen Ekelfaktor.

Aber keine Sorge. So weit kommt es nicht, denn die Schuppen sind irgendwann weg. Verputzt von kleinen Spinnentieren, den Hausstaubmilben, welche die Gelegenheit, ihre nächste Mahlzeit zu verzehren, nicht ignorieren werden. Da möchte man doch „Wunderbar“ sagen und freut sich, dass man so schön in einer Symbiose lebt. Man selbst regeneriert sich und die tote Haut dient Hausstaubmilben als Nahrung und wenn die sich im Teppich zu tausenden verstecken, sieht man sie auch nicht.

Erstens wird das „Sehen“ der Tierchen mit einer Körpergröße von maximal 0,5 Millimeter schwierig, zweitens dient allein eine Unze Teppichstaub ungefähr 2000 Staubmilben als Biotop, die sich dort fröhlich tummeln, was nicht nur Fressen, sondern auch Fortpflanzung und auch die Ausscheidung von körperlichen Endprodukten bedeutet. Letzteres ist dann nicht nur wieder eklig, sondern kann auch dafür sorgen, dass sich allergische Reaktionen ausbilden.

Und dann sind da noch gebrauchte Taschentücher, die auch gern mal auf dem Teppich landen und damit zirka 136.000 Bakterien den Weg in den heimischen Langflor bieten, Zigarettenrauch, der zu einer Ansammlung von Giftstoffen führt. Auch die dem Menschen zugetanen Haustiere können die Verschmutzung des Teppichs noch weiter voranbringen.

Hinzu kommen noch weitere, rein kosmetische Aspekte. Nach einer Wäsche des Teppichs können die Muster wieder deutlich sichtbarer sein und die Farben strahlen. Des Weiteren verlängert sich die Lebensdauer. Dies hat mit der Entfernung von Schmutz- und Staubpartikeln zu tun. Diese sind scharfkantig, was den Flor auf Dauer gefährdet.

Fazit:

Ein sauberer Teppich bedeutet nicht nur, dass er langlebiger ist. Er ist ein Zeichen des Respekts derer, die ihn vor Jahren erstanden und ihn an die nachfolgenden Generationen vererbt haben.

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