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Shisha © PublicDomainPictures @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Vorurteile

Shisha und deren Entwicklung in Deutschland

Die Shisha ist mit vielen Vorurteilen behaftet, die nicht selten rassistischer Natur sind. Im Artikel gehen wir auch auf die positive Entwicklung in Europa ein.

Freitag, 28.01.2022, 0:34 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.01.2023, 12:04 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Die Wasserpfeife, auch Shisha genannt, entstand ungefähr im 15. Jahrhundert im persischen Reich. Mittlerweile ist sie auf der ganzen Welt verbreitet. Auch in Deutschland finden sich mittlerweile zahlreiche Shisha-Bars, in denen Menschen jeden Alters gesellige Stunden verbringen.

Allerdings ist die Tradition längst noch nicht an allen Orten selbstverständlich. Stattdessen ranken sich die verschiedensten Vorurteile um das Rauchen von Shishas und entsprechende Bars. In diesem Artikel gehen wir auf verschiedene Vorurteile ein und erläutern, weshalb Shisha-Bars auch Orte des Vielfalts und des Austauschs sind.

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Die traditionelle Shisha

Die traditionelle Shisha ist eine Wasserpfeife und bereits seit vielen hunderten von Jahren bekannt. Durch die Kombination aus Tabak, Fruchtaromen oder getrockneten Früchten entsteht ein meist süßlicher Dampf. Heute wird davon ausgegangen, dass die Shisha erstmals im Irak oder Indien verwendet wurde. Während sie in Indien zunächst aus einer Kokosnuss und einem Rohr aus Bambus bestand, stellte man in Ägypten Shishas aus Glas her. So sind sie auch heute noch bekannt.

Während traditionelle Shishas recht groß sind und aufwendig vorbereitet werden müssen, gibt es E-Shishas inzwischen, siehe doshisha.de, kleiner und handlicher. Viele Menschen, die sich nicht näher mit dem Thema befassen, sehen beim Wort Shisha eine große und unhandliche Wasserpfeife aus Glas vor ihrem inneren Auge. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Mittlerweile existieren auf dem Markt zahlreiche Alternativen, wie beispielsweise die E-Shisha. Diese lässt sich problemlos auch unterwegs und ganz spontan dampfen.

Rassistische Vorurteile

Heute ist Shisha bei vielen mit zahlreichen Vorurteilen belegt, die bei näherem Hinsehen sich oft als rassistischem entpuppen. Nicht selten wird angenommen, dass es sich bei den Menschen in Shisha-Bars um Ansammlungen ausländischer Mitbürger handelt, die Drogen konsumieren und Geldwäsche betreiben. Dieses Bild wird vornehmlich von Politik und Medien Hand in Hand transportiert. Oft sind Polizei-Razzien in Shisha Bars politisch motiviert. Insbesondere lokale Politiker wollen sich so bei den Wählern profilieren. Die Botschaft lautet: Schaut zu, wir tun was. Die Medien wiederum nehmen diese Razzien gerne zum Anlass, um mit überdimensionierten Schlagzeilen ihre Auflagenzahlen zu erhöhen.

Dass dies für die Besitzer:innen von Shisha-Bars geschäftsschädigend ist, wenn sich in ihren Räumlichkeiten ein kriminelles Milieu einfände, ist selbsterklärend, diese Selbstverständlichkeit bleibt aber stets im Hintergrund. Aber schon deswegen sind sie in der Regel keineswegs daran interessiert, kriminelle Machenschaften in ihrem Gewerbe zu dulden. Dennoch haben Shisha-Bars noch immer mit einem „Schmuddel-Image“ zu kämpfen.

Vorurteil: Shisha-Bars sind zwielichtige Orte

Mitunter nehmen Menschen an, dass es sich bei Shisha-Bars grundsätzlich um zwielichtige Treffpunkte handelt. Dem gegenüber steht jedoch, dass sich die meisten Betreiber sehr um die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Gäste kümmern. In der Regel sehen sie sich auch die Gäste – eben aufgrund der vielen Vorurteile – genau an, bevor sie dieses in die Bar hineinlassen.

Mit Vorurteilen aufräumen

Aber Vorurteile entstehen nur selten durch eigene Erfahrungen, demgegenüber oft auch durch Gehörtes oder Gelesenes. Das Gefährliche daran ist, dass sie sich ab irgendeinem Punkt verselbstständigen und in den Köpfen der Menschen festsetzen, was den Abbau erschwert. Es ist nicht falsch, eine gewisse Sensibilität über reale Gefahren zu haben, wenn man dabei jedoch ausschließlich auf Vorurteile setzt, ist das unnötig belastend für alle Parteien.

Vorurteil: Shisha-Rauchen gleicht dem Einnehmen von Drogen

Ein weiteres Vorurteil ist auch, dass die Wasserpfeife mehr Nikotin enthält als eine Zigarette, mithin gesundheitsschädlich ist. Auch das ist ein Vorurteil. Eine Shisha muss nicht einmal Nikotin enthalten. Deswegen muss sie nicht gesundheitsschädlicher als herkömmliche Zigarette sein. Hinzu kommt, dass sie seltener konsumiert wird als eine Zigarette. Sie wird eher gelegentlich angewendet, oft um sich in geselliger Runde mit Freunden zu treffen in einer Bar, wo man entspannt zusammenzusitzen und sich austauschen kann.

Leider ist es auch möglich, mit einer Shisha Marihuana oder Opium zu rauchen. Dies stellt jedoch eher die Ausnahme dar. Shishas dienen nicht dem Konsum von Drogen und werden nur gelegentlich dafür missbraucht.

Positive Entwicklung und Akzeptanz in Europa

Trotz aller Vor- und Nachteile und allen Vorurteilen zum Trotz, lässt sich sagen, dass Shisha-Bars heute eine immer größere Akzeptanz in Europa erleben. Sie sind in manchen Stadtteilen inzwischen feste Treffpunkte und Orte des Miteinanders und des Austauschs. Auch immer mehr Einheimische finden immer mehr Gefallen daran.

Shisha auch gelebte Integration

In Shisha-Bars kommen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergründe zusammen. Manche wollen sich das Rauchen herkömmlicher Zigaretten abgewöhnen, andere einfach eine schöne Zeit verbringen. Gemeinsam wird erzählt und gelacht. Dies ist ein wichtiger Schritt: Denn Orte des Zusammentreffens eigenen sich besonders gut, um Vorurteile abzubauen. Nur dort, wo es keine Begegnungen gibt, können sich Vorurteile halten und verbreiten. Und deshalb laden immer mehr Shisha-Bar-Betreiber gezielt Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte ein, um sich selbst ein Bild zu machen. (em)

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