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Geldautomat © Peggy_Marco @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Geld für die Familie

Könnten Kryptowährungen Migranten bei der Versorgung ihrer Angehörigen helfen?

Wenn Migranten Geld in die Heimat schicken wollen, fallen oft hohe Bankgebühren an. Digitale Währungen bieten sich hier als Alternative an. Inzwischen werben Anbieter sogar mit diesen Vorteilen.

Mittwoch, 08.12.2021, 0:32 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.12.2021, 17:36 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Für Geldtransfers ins Ausland fallen hohe Kosten an – insbesondere bei Transfers in Länder, die nicht sinnvoll an das internationale Finanzsystem angeschlossen sind. Hier stellt sich die Frage, ob Kryptowährungen als Zahlungsmittel möglicherweise einen Ausweg aufzeigen könnten. Dies wäre auch bei der Versorgung von Angehörigen von Migranten eine mögliche Hilfe.

Kryptowährungen haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erlangt, vor allem in letzter Zeit, als große Unternehmen wie Tesla in die Währungen investiert haben. Als Kryptowährung, Krypto oder Coin beziehungsweise Token bezeichnet man einen digitalen Vermögenswert, der auch ähnlich wie Geld als Tauschmittel fungiert. Einzelne Vermögenszuschreibungen sind dabei in einer dezentralen Datenbank, in der Regel einer Blockchain, festgehalten. An dieser Stelle kommt die Frage auf, in welchen Ländern die Währungen am häufigsten verwendet werden.

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Man könnte meinen, dass die USA oder China ganz oben auf der Liste stehen. Ebenso auch andere reiche Länder wie die Schweiz, Luxemburg oder Irland. Tatsächlich liegt laut Umfragen aber Nigeria an erster Stelle. Auch andere Entwicklungsländer stehen sehr weit oben. Dies liegt daran, dass viele Staatsangehörige aus den Entwicklungsländern im Ausland leben und Überweisungen nach Hause senden. Doch ist es wirtschaftlich sinnvoll, hierbei auf die Krypto-Zahlungsmethode zurückzugreifen? Und ist es gut von dem erwirtschaftetem Geld Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ripple zu kaufen, um auf diesem Weg die Angehörigen im Heimatland finanziell zu unterstützen?

Teure Remittances: Wenn die Unterstützung der Familie zu kostspielig wird

Als „Remittances“, übersetzt „Heimatüberweisungen“, werden Auslandsüberweisungen von Migranten in ihre Herkunftsländer bezeichnet. Die Gesamtzahl an Migranten weltweit beträgt geschätzte 244 Millionen Menschen. Insgesamt wurden von ihnen im Jahr 2019 geschätzt etwa 554 Milliarden US-Dollar ins Ausland überwiesen. Daher ist es wichtig, einen effektiven und wirtschaftlich günstigen Transfer von Überweisungen zu gewährleisten. Zudem spielen Faktoren wie die Linderung von Armut sowie Länderwachstum dabei eine entscheidende Rolle. Wege zu wirtschaftlichem Empowerment, also dem Stärken und Unterstützen der Wirtschaft, sollten zudem berücksichtigt werden.

Für viele Einwanderer ist der Transfer von Geld nach Hause keine leichte Aufgabe, da ein Zugang zu Bankkonten und Online-Banking-Systemen für viele nicht ohne weiteres verfügbar ist. Dies ist hohen Kosten für internationale Überweisungen und unterentwickelten Finanzsystemen verschuldet und macht das Senden von Geld an die Familie ins Ausland sehr kostspielig und schwierig.

Kryptowährungen könnten eine Alternative bieten

Online-Währungen könnten für die „Unbanked“, also die Menschen ohne Bankkonto, eine alternative Finanzdienstleistung darstellen. Mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin kann Geld international versendet werden und es können Probleme, wie zum Beispiel das Risiko in abgelegenen Gebieten von Entwicklungsländern Bargeld zu besitzen, angegangen werden.

Kryptowährungen sind offene Finanzsysteme, welche es Kunden ohne Bankeinrichtung ermöglichen, Transaktionen rund um die Uhr auf internationaler Ebene zu tätigen. Der digitale Bestand macht es Nutzern dementsprechend möglich, eine Alternative zur Begleichung von Zahlungen außerhalb des Rechtswesens der Regierung zu nutzen. Was bedeutet, dass Überweisungen und andere Interaktionen außerhalb des staatlichen Banksystems stattfinden können.

Krypto-Startups werben deshalb explizit um Kunden mit Migrationshintergrund. Die mexikanische Kryptowährungsbörse Bitso bietet exemplarisch, zusammen mit dem Krypto-Netzwerk Ripple, einen extra Remittance-Dienst an. 2020 war die Bitso-Börse eigenen Angaben zufolge für 2,5 Prozent aller Heimatüberweisungen von den USA nach Mexiko verantwortlich.

Ripple erschließt neue Zahlungswege nach Afrika und Lateinamerika

Ripple gab kürzlich bekannt, dass es Freelancern und On-Demand-Mitarbeitern nun möglich ist, in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern Echtzeitzahlungen über den britischen Zahlungsdienstleister Paydek zu erhalten und zu versenden. „On-Demand-Mitarbeiter“ sind Beschäftigte, welche nicht mehr in festen Angestelltenverhältnissen arbeiten, sondern flexibel und projektbezogen.

Sendi Young, Geschäftsführerin von RippleNet Europa behauptet, der Ausbau von RippleNet, um Kunden von Paydek besser bedienen zu können, sei ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der Blockchain-Technologie und die Veränderung des globalen Zahlungsverkehrs. Sie erläutert, dass Ripple durch Paydek seine Präsenz in Afrika und Lateinamerika stärken und so Innovationen bei digitalen Überweisungen vorantreiben kann. Dies ist in Regionen, in denen schnellere Zahlungen für den Lebensunterhalt der Menschen entscheidend sind, ein wichtiges Kriterium.

Paydek hilft bei der Verbesserung und Verwaltung von Zahlungen sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Dabei gibt es verschiedene Beweggründe:

  • Neue Zahlungsmöglichkeiten

Nach einer Partnerschaft mit Localpayment über RippleNet expandierte das Unternehmen nach Lateinamerika. Zuvor arbeitete Ripple mit Paydek in Afrika zusammen. Laut Terry Hopkinson, dem Geschäftsführer von Paydek, plant das Unternehmen, zusätzliche Zahlungswege zu schaffen. Eine neue Infrastruktur für schnelle, günstige und sichere Zahlungen soll das Erreichen dieses Ziels ermöglichen.

  • Verstärkung der weltweiten Präsenz von Ripple

Die Prognose der Kryptowährung Ripple (XRP) verrät, dass diese sehr erfolgreich ist. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 54 Milliarden US-Dollar (rund 47 Milliarden Euro) ist der Ripple-Coin aktuell auf Platz 7 der größten Kryptowährungen. Durch die neue Zahlungsmöglichkeit wird Ripple voraussichtlich weltweit präsenter.

Weltweite Richtlinien können vor allem Entwicklungsländer stärken

Abschließend lässt sich sagen, dass Kryptowährungen vor allem in Entwicklungsländern ein effektiver und wirtschaftlicher Kanal für Geldtransfer sein können, um die Armut mit Hilfe der Überweisungen zu lindern. Das mobile Geldsystem von Ripple und Paydek ist, da es auf den Empfang, den Austausch und den Verlauf von Kryptowährungen zugeschnitten ist, benutzerfreundlich gestaltet und sollte somit Entwicklungsländern helfen, sofern grenzübergreifende Richtlinien entwickelt werden, die sicherstellen, dass wirtschaftlich benachteiligte Länder durch neue Zahlungswege gestärkt und nicht noch mehr benachteiligt werden. (dd)

Wirtschaft
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