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Ärztemangel und Migration

Neue Heimat für Ärzte

In Ländern wie Deutschland oder England werden Ärzte aus sämtlichen Fachbereichen händeringend gesucht. Deshalb verlassen immer mehr Ärzte aus Entwicklungsländern ihre Heimat und migrieren nach Europa. Doch es gibt Voraussetzungen.

Donnerstag, 28.10.2021, 0:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 28.10.2021, 15:32 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Immer mehr Ärzte aus Entwicklungsländern entscheiden sich dafür, ihre Heimat zu verlassen, um in Europa ein neues Leben zu beginnen. Denn in Ländern wie Deutschland oder England werden Ärzte aus sämtlichen Fachbereichen händeringend gesucht. So kommt es, dass in der englischen Stadt Manchester mehr Ärzte aus Malawi arbeiten als in dem Land selbst und in Sambia praktizieren lediglich noch 50 von 600 Medizinern, die in den vergangenen 32 Jahren dort ausgebildet wurden. So stellt sich die Frage, wie hoch der Mangel an Fachkräften in diesen Ländern noch ist und welche Herausforderungen Migranten überwinden müssen, um als Arzt praktizieren zu dürfen.

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Wie groß ist der Ärztemangel in Deutschland?

Die Bundesagentur für Arbeit beobachtet vor allem in vielen medizinischen Berufen einen eklatanten Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Selbst in der Altenpflege findet sich für vier offene Stellen im Durchschnitt lediglich eine Fachkraft ohne Beschäftigung. Aus diesem Grund steigt die Anzahl ausländischer Pflegekräfte und Ärzte in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich. Denn für viele Mediziner aus ärmeren Ländern beginnt in Deutschland ein neues Leben, denn in ihrer Heimat können diese von Oberarzt-Aufgaben und Gehalt hierzulande nur träumen.

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Anzahl der ausländischen Ärzte in Deutschland steigt

Über 50.000 Ärzte in Deutschland haben eine andere Staatsbürgerschaft. Das sind fast 12 Prozent aller praktizierenden Mediziner in diesem Land. Die meisten davon stammen aus Rumänien, dicht gefolgt von Ärzten aus Syrien. Denn in den vergangenen Jahren kamen etwa 3.500 syrische Ärzte nach Deutschland, um hier Schutz vor dem Krieg in ihrer Heimat zu finden.

Zwar ist in Deutschland auch weiterhin von einem Ärztemangel die Rede, obwohl hierzulande momentan mehr Ärzte praktizieren als jemals zuvor. Doch diese verteilen sich sehr ungleichmäßig, weshalb vor allem die Großstädte gut versorgt sind, während in abgelegenen Regionen nur wenig Ärzte zu finden sind.

Flüchtlinge als Ärzte in Deutschland

Syrische Ärzte könnten für eine Besserung der Situation hierzulande sorgen, doch viele ausgebildete Mediziner können aktuell noch nicht einmal in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Das liegt zum einen daran, dass syrische Flüchtlinge erst einmal monatelang warten müssen, ehe diese offiziell als Flüchtling anerkannt werden und ihre Familie einreisen lassen können.

Anschließend benötigen syrische Ärzte eine Bescheinigung für die Teilnahme an einem Deutschkurs und nachdem dieser bestanden wurde, muss ein Antrag auf eine Gleichwertigkeitsprüfung gestellt werden. Auf diese Weise wird von den zuständigen Behörden kontrolliert, ob ein Arzt aus einem anderen Land in Deutschland direkt eine Approbation erhält. Doch viele der geflüchteten Ärzte haben nicht sämtliche Unterlagen beisammen oder deren Ausbildung unterscheidet sich von den Ausbildungsvorgaben in Deutschland.

Doch auch in diesem Fall gibt es einen Weg in Form der Kenntnisprüfung und der Fachsprachprüfung.

Kenntnisprüfung und Fachsprachprüfung für Migranten

Im Rahmen der Kenntnisprüfung müssen ausländische Ärzte nachweisen, dass diese über das nötige Wissen verfügen, um in Deutschland eine Approbation zu erhalten.

Zudem müssen ausländische Ärzte neben der Kenntnisprüfung auch eine Fachsprachprüfung erfolgreich absolvieren. Allerdings unterscheidet sich das Prüfungsverfahren je nach Region. Während die Fachsprachprüfung in einigen Regionen aus einem Arzt zu Arzt Gespräch, einem Arzt zu Patienten Gespräch und dem Verfassen eines Befundes besteht, ist die Prüfung in anderen Regionen deutlich einfacher gestaltet.

Doch während die meisten ausländischen Ärzte nur wenig Probleme mit der Kenntnisprüfung haben, bereitet die Sprache vielen deutlich größere Schwierigkeiten.

Sprache als großes Problem

So ist das größte Hindernis für ausländische Ärzte in Deutschland ohne jeden Zweifel die deutsche Sprache. Denn diese gilt als eine der schwierigsten Sprachen überhaupt. Darum scheitern viele ausländische Ärzte an der Fachsprachprüfung.

Das ist aber nicht das Ende aller Bemühungen: Wer die Fachsprachprüfung nicht besteht, kann in der Folge eine dreimonatige praxisorientierte Vorbereitung zur besseren Integration in das deutsche Gesundheitssystem absolvieren, um die Fachsprachprüfung im Anschluss daran erfolgreich zu wiederholen. Das Dranbleiben lohnt sich in jedem Falle. (dd)

Wirtschaft
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