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Geschlossen (Symbolfoto) © wndj @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Überdurchschnittlich

Migranten gehören zu den Verlierern der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat Gewinner und Verlierer hervorgebracht. Zu Letzteren gehören überdurchschnittlich oft Personen mit Migrationshintergrund – ob finanziell oder immateriell.

Freitag, 10.09.2021, 0:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 12.09.2021, 18:56 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Es gibt wohl keinen Bereich in unserem Leben, der von der Corona-Krise nicht in irgendeiner Art und Weise beeinflusst wurde. Das Virus, das seit Anfang 2020 auf dem Planeten wütet, hat aber nicht nur unseren Alltag verändert, sondern auch die Wirtschaft schwer getroffen. Auf Anhieb fallen insbesondere Fluggesellschaften ein, deren Not mitunter auch Menschen in Mitleidenschaft gezogen hat, die auf den internationalen Transfer angewiesen sind. Noch ist nicht abzusehen, wie groß das Ausmaß der Schäden sein wird, jedoch geht man davon aus, dass man sich deutlich über der Milliarden-Grenze befinden wird.

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Sicher ist lediglich, dass nicht wenige Menschen von den Grenzschließungen und der Einstellung von Flugverkehr schwer getroffen wurde. Familien wurden über längere Zeiträume voneinander getrennt, Visa wurden ungültig oder liefen ab, bevor die Reise überhaupt angetreten werden konnte. Hinzu kamen größere finanzielle Notlagen in besonders armen Ländern. So verdienten Banken durch Gebühren für internationale Geldtransfers nicht schlecht, weil Arbeitsmigranten Geld zu ihren Familien in den Heimatländern schickten.

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Zu den Verlierern der Krise gehörten Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich. Denn sie sind oft in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt, gehören oft zum schwächsten Glied in einem Betrieb und werden als erste gefeuert. Die Schließung von Restaurants und Cafés etwa traf Migranten ebenfalls überdurchschnittlich, weil sie als Arbeitnehmer oder als Kleinunternehmer nicht selten in diesen Branchen tätig sind.

Der Weg in die virtuelle Welt

Die Krise bot aber auch Chancen. Vom Lockdown profitierten – weil alle Läden geschlossen hatten und das soziale Leben zum Erliegen kam – beispielsweise die Supermärkte. Die Angst vor Lebensmittelknappheit sorgte teilweise für Panik, es folgten wahre Hamsterkäufe. Dass man an den leeren Regalen sehen konnte, dass die Umsätze in der Branche steigen mussten, war kein Geheimnis.

Neben den Supermärkten durften sich auch die Onlinehändler sowie Lieferdienste freuen. Denn auf einmal wurde vermehrt online eingekauft – eben deshalb, weil der stationäre Handel geschlossen hatte. Dass der gestiegene Onlinehandel natürlich auch Auswirkungen auf die Logistikunternehmen hatte, mag ebenfalls nicht überraschend sein. So waren auf einmal die Paketdienste gefragt wie noch nie. Und da auch die Restaurants schließen mussten bzw. Speisen im Lokal nicht anbieten konnten, waren auf einmal die Lieferdienste so populär wie noch nie zuvor.

Um sich die Zeit zu vertreiben, gab es auch viele Neuanmeldungen in bei Internet-Anbietern, seien es Streamingdienste oder Online Casinos. Letztlich war auch der normale Kino- oder Casinobesuch nicht möglich, sodass auch hier nur die virtuelle Möglichkeit zur Verfügung gestanden ist. So gab es verschiedene online Anbieter mit Startguthaben in Form eines Neukundenbonus. Gepaart mit Versprechen von schnellen und satten Gewinnen wurde verstärkt um die Gunst der Spieler geworben. Schließlich hatten viele Menschen aufgrund von Kurzarbeit oder kompletten Betriebsstilllegungen mehr Zeit als sonst zur Verfügung.

Als das Gästezimmer zum Büro wurde

Ausgangsbeschränkungen wie Kontaktsperren stellten viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Zudem wurde die Mehrheit der Arbeitnehmer in das sogenannte Homeoffice geschickt – gearbeitet wurde also nur mehr in den eigenen vier Wänden. Dass hier andere Strukturen notwendig wurden, um den Betrieb dennoch am Leben zu erhalten, mussten viele Unternehmen schmerzhaft am eigenen Leib spüren.

Für die Softwarehersteller war das natürlich wiederum eine hervorragende Entwicklung. Denn auf einmal stieg die Nachfrage an neuen Programmen wie auch Produkten, um sodann den Job von Zuhause erledigen zu können. Gleiches galt für Hardwarehersteller. Die Nachfragen nach Webcams, Tablets, Notebooks und Drucker stiegen.

Aktien, Gold und der Mund-Nasenschutz

Dass jede Krise auch Gewinner mit sich bringt, mag zwar unfair erscheinen, ist aber nicht unüblich. So auch, wenn man sich die Finanzmärkte angesehen hat. Stürzte das Virus den Markt in eine Krise, sodass der DAX von über 13.200 Punkten unter 8.500 Punkte stürzte, so haben jene gewonnen, die dann erst investiert haben. Denn heute, rund 1 1/2 Jahre nach dem katastrophalen Absturz, konnte der DAX erstmals die 16.000 Punkte-Grenze überspringen und liegt aktuell (Stand: Anfang September 2021) bei rund 15.800 Punkten.

Auch der Goldkurs konnte einen neuen Rekord aufstellen. Ging es im Zuge der Krise von über 1.600 US-Dollar unter 1.480 US-Dollar, so stieg der Preis dann auf über 2.000 US-Dollar – heute bewegt sich der Goldpreis bei 1.820 US-Dollar.

Am Ende durften sich auch die Medizintechnik wie Pharmaindustrie die Hände reiben. Denn im Zuge der Pandemie stieg auch die Nachfrage nach Hygieneartikeln und Medikamente. Vor allem Desinfektionsmittel waren so beliebt wie noch nie zuvor. Aber auch Schutzkleidung sowie Atemschutzmasken bzw. der (heute schon fast normal gewordene) Mund-Nasenschutz wurden vermehrt bestellt bzw. in derartigen Mengen, dass zu Beginn der Pandemie richtige Produktionsschwierigkeiten wie Lieferengpässe die Folge waren. (dd)

Wirtschaft
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