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Arbeit am Computer © f_mafra @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Staatsvertrag für Glücksspiel

Aufklärung und Hilfe oft nur in deutscher Sprache

Der neue Staatsvertrag verspricht für Spieler mehr Schutz vor Sucht. So lobenswerte viele neue Regularien auch sind, nicht selten laufen sie ins Leere – vor allem Menschen, die neu Eingewandert sind, werden kaum erreicht.

Freitag, 03.09.2021, 0:51 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 03.09.2021, 13:03 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Das Jahr 2021 begann mit vielen neuen Verordnungen und Gesetzen, die einige bedeutende Änderungen in Deutschland mit sich bringen. Einige der wichtigsten Änderungen betreffen die Bereiche Finanzen und Glücksspiel, insbesondere aufseiten der iGaming-Branche. Befürwortern zufolge ein überfälliger Schritt, Kritikern zufolge nicht ausreichend, insbesondere im Kontext des Spielerschutzes. Experten warnen, dass von Spielsucht Betroffene, von denen überdurchschnittlich viele Personen mit Migrationshintergrund sind, nicht ausreichend geschützt werden.

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Glücksspielgesetz 2021 verabschiedet

Bis Jahresbeginn bewegten sich Online-Casino-Glücksspiele in einem Graubereich. Der neue Staatsvertrag legalisiert das Spiel erstmals offiziell bundesweit. Dieser Vertrag wurde zwischen allen 16 Bundesländern in Deutschland geschlossen und regelt sowohl die Sportwetten als auch die Casino-Spiele. Er tritt am ersten Juli 2021 in Kraft. Von nun an darf jeder Spielhallenanbieter eine deutsche Lizenz erwerben und seine Automatenspiele legal anbieten. Außerdem dürfen sich Spieler mit Wohnsitz in Deutschland in einer Online-Spielothek anmelden, sich auf Casino Bonus Seiten austoben und legal um echtes Geld spielen.

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Doch der Staatsvertrag ist so ausgestaltet, dass nicht alle bekannten Spiele erlaubt sind. Anbieter dürfen, wenn sie eine Lizenz haben wollen, sie aus ihrem Angebot streichen. Kritiker bemängeln, dass das nicht zielführend ist. Spieler würden in diesem Fall dann doch gezielt in die Hände illegaler Anbieter getrieben, wo sie ihrer Spiellust nachgehen können. Zudem würden legale Anbieter, die in Konkurrenz zu ausländischen Anbietern stehen, benachteiligt, sodass sie keine Motivation haben werden, eine Lizenz zu beantragen. Sie würden ebenfalls in die Illegalität getrieben oder auf ausländische Server. Das sei weder im Interesse der Anbieter noch im Interesse der Spieler.

Schutz läuft ins Leere

Und wenn Spieler ohnehin eine gesteigerte Anfälligkeit für Spielsucht mitbringen, liefen die im Staatsvertrag vorgeschriebenen Regularien für den Spielerschutz fast komplett ins Leere. Der Staatsvertrag sieht etwa vor, dass die Spieler sich mit einem identifizierten Konto anmelden muss. Er kann jeden Monat nur einen maximalen Betrag Geld einzahlen. Das soll vor Überschuldung schützen und exzessiven Spielen vorbeugen. Vorgehen sind zudem weitere Maßnahmen, die den Spieler vor Sucht schützen sollen.

Von Spielsucht betroffen sind insbesondere Menschen, die im sozialen Abseits leben. Das sind oft Menschen, die keine Arbeit haben und mithin auch wenig Geld. Das vermeintlich schnelle Geld in einem Casino klingt für diese Personengruppe besonders verlockend. Statistiken weisen aus, dass insbesondere Menschen, die neu nach Deutschland eingewandert sind, oft von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Entweder weil sie auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden, keine Ausbildung mitbringen, die Sprache beherrschen oder weil sie gesetzlich nicht arbeiten dürfen, wie es im Falle von Asylbewerbern oft der Fall ist. Die Arbeitslosigkeit bedingt zudem, dass die Menschen im langweiligen Alltag oft nach Abwechslung suchen und sich vom Spiel den Spaß erhoffen. Ähnlich liegt der auch bei Sportwetten. Und wer nicht genau hinguckt, kann schnell beim falschen Anbieter landen, der keinerlei Schutzmechanismen für den Spielerschutz installiert hat.

Sicherheit geht vor

So sehr der Staatsvertrag auch eine Legalisierung des Marktes verspricht, so undurchsichtig ist der Spielemarkt weiterhin. Gute, seriöse Casinos sind lizenziert und werden von Behörden rechtlich überprüft. Dabei werden dutzende Kriterien überprüft. Wenn das Casino lizenziert und zertifiziert ist, sollten Verbraucher keine Probleme haben, entsprechende Informationen zu finden. In der Regel befinden sich diese Informationen direkt auf der Website, im unteren Bereich (Fußzeile). Dort können Verbraucher auch sehen, mit welcher Art von Software der Anbieter arbeitet und welche anderen Methoden es anbietet. Seriöse Anbieter lassen zudem auch die Nutzer bewerten und veröffentlichen diese transparent.

Nutzer sollten in jedem Falle die Informationen über die Geschäftsbedingungen und die Datenschutzrichtlinien des Online-Casinos prüfen. Sie müssen sich über die Regeln im Klaren sein, damit Sie sich nicht in gefährliche Situationen begeben. Wer Fragen hat, sollten sich an den Kundendienst des Casinos wenden, den seriöse und geprüfte Anbieter haben. Das gilt sowohl für den Zeitvertreib mit Spielgeld als auch für Spielautomaten – Sicherheit geht vor.

Wünschenswert wäre es, wenn die Anbieter relevante und wichtige Informationen nicht nur in deutscher Sprache anbieten, sondern in möglichst allen Weltsprachen. Die meisten seriösen Anbieter sind zwar mehrsprachig aufgestellt, oft beschränkt sich die Sprachenvielfalt aber nur auf das Englische. In je mehr Sprachen Anbieter über das Konzept und die Risiken sowie die Einschränkungen aufklären, desto eher würden neu eingewanderte Menschen erreicht. Schade, dass der Staatsvertrag dies nicht gleich mit geregelt hat. (dd)

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