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Unterschrift, Vertrag, Signatur, Abmachung, Vereinbarung, Stift
Unterschrift (Symbolfoto) © andibreit @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Glücksspiel

Neuer Staatsvertrag verspricht mehr Spielerschutz

Mit einem neuen Glücksspielstaatsvertrag will der Staat den Spagat zwischen Spielerschutz und Legalisierung von Online-Casinos. Profitieren könnten insbesondere Spieler mit Migrationshintergrund. Sie sind überdurchschnittlich oft betroffen.

Dienstag, 17.08.2021, 0:27 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 18.08.2021, 23:38 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Online Casinos erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit, bewegten sich bisher jedoch in einer rechtlichen Grauzone. Der Staat verbot sie grundsätzlich, duldete sie jedoch. Das lag nicht zuletzt daran, dass er an den verschiedenen Glücksspielen ordentlich mitverdient hat. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag sollen sowohl die Online Casinos als auch die Spieler mehr Rechtssicherheit erhalten. Hierdurch dürfte das Angebot an Casino im Internet steigen, was sich auch positiv auf die Einnahmen des Staates auswirken wird. Dennoch sieht der Staat eine wichtige Aufgabe im Spielerschutz und darin, Glücksspielsucht generell zu vermeiden – davon profitieren könnten Spieler mit Migrationshintergrund, die überdurchschnittlich häufig von Glücksspielsucht betroffen sind.

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Steigende Einnahmen

Schon vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag stiegen die Einnahmen, die der Staat aus Glücksspiel generierte, deutlich an. Wurden im Jahr 2014 noch 225 Millionen Euro erwirtschaftet, so waren es 2018 bereits 384 Millionen. Die Tendenz war und ist steigend, weswegen der Staat den an sich verbotenen Online-Glücksspielen mit recht großer Kulanz begegnete. Eine Sonderrolle in Deutschland nahm hierbei Schleswig-Holstein ein. Hier wurden Online Casinos nicht nur geduldet, sondern teilweise legalisiert. So stammen die bereits heute gültigen Lizenzen aus Deutschland ausnahmslos aus Schleswig-Holstein. Das Bundesland hat an den Spielen also gut verdient und möchte nicht damit aufhören.

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Die Einnahmen, die Online Casinos generierten, verteilten sich ganz unterschiedlich auf die einzelnen Bundesländer. Spitzenreiter war Nordrhein-Westfalen, wo der Staat 90 Millionen Euro einnahm. Auch Bayern konnte sich über eine große Zahl an Einnahmen freuen und erhielt 68 Millionen Euro an Steuergeldern. Schlusslicht bei der Betrachtung war Bremen, das „lediglich“ 3,5 Millionen Euro aus Online-Glücksspielen erhielt. Die Bundesländer hatten somit kein Interesse daran, beherzt gegen Online Casinos vorzugehen, sondern lebten ganz gut von und mit ihnen. All dies fand statt, als sich Online-Glücksspiele in einer rechtlichen Grauzone befanden und der neue Glücksspielstaatsvertrag keine konkreten Regelungen dazu bereitstellte. Viele neue online Casinos sind so im Laufe der Jahre entstanden.

Staat profitiert

Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag 2021 verändert sich die Situation von Online Casinos in Deutschland. Sie sind jetzt nicht mehr nur geduldete schwarze Schafe, sondern gewinnen an Seriosität und Rechtssicherheit. Anbieter haben nun die Möglichkeit, Glücksspiel-Lizenzen von Deutschland zu erhalten und ganz offiziell hier tätig zu werden. Das ist eine enorme Aufwertung, die sowohl den Anbietern solcher Glücksspiele als auch den Nutzern viel mehr Rechtssicherheit bringt.

Es ist davon auszugehen, dass durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag die Anbieter von Online-Casinos zunehmen werden. Sie müssen sich jetzt nicht mehr vor Strafen fürchten, weil sie in einer rechtlichen Grauzone aktiv werden. Stattdessen können sie ganz offiziell agieren und einer vom Staat akzeptierten Tätigkeit nachgehen. Hiervon profitiert nicht zuletzt der Staat selbst. Denn durch die wachsende Zahl an offiziellen Anbietern werden auch die Einnahmen im Glücksspielbereich zunehmen. Das bedeutet, dass der Staat nicht unerhebliche Steuereinnahmen aus diesem Wirtschaftszweig ziehen wird.

Aus der Grauzone

Online Casinos sind mit den Entwicklungen, die sich aus dem neuen Glücksspielstaatsvertrag ergeben, insgesamt zufrieden. Für sie war es immer ein Dorn im Auge, nicht genau zu wissen, wie ihre Tätigkeit in Deutschland einzuschätzen ist. Schon jetzt bereiten sie sich darauf vor, die neuen Lizenzen zu erwerben und für ihre Angebote zu nutzen. Es scheint ein großes Ziel zu sein, den deutschen Markt gezielt zu versorgen und sicherzustellen, dass ein möglichst großes Angebot an unterschiedlichen Spielen und Plattformen zur Verfügung steht und sie auch den neuen rechtlichen Anforderungen – vor allem in Bezug auf den Spielerschutz – gerecht werden.

Weltweit sind Online Casinos schon längst ein Wachstumsmarkt. Die Anbieter sind in vielen Ländern aktiv und haben auch bereits in der Europäischen Union Fuß gefasst. Hier arbeiten Sie in der Regel mit Lizenzen aus Gibraltar oder Malta, die ihnen erlauben, ihre Dienstleistungen anzubieten. Mit Deutschland entsteht nun ein zumindest teilweise neuer Markt, auf dem sie aktiv werden können.

Der Spielerschutz

Der Staat ist froh darüber, aus den Online-Glücksspielen Steuereinnahmen generieren zu können. Diese können für unterschiedliche Projekte genutzt werden, die den Bürgern zugutekommen. Dennoch hat er sich noch nicht ganz von seinem Bedenken gegenüber diesem Wirtschaftszweig verabschiedet. Bisher war ein Hauptargument dafür, Online Casinos nicht zuzulassen, dass eine zu große Gefahr von Online-Spielsucht bestünde. Diese Sorge ist noch nicht aus der Welt, wird jetzt allerdings auf neuen Wegen angegangen.

So sieht auch der neue Glücksspielstaatsvertrag verschiedene Maßnahmen vor, mit denen der Staat seine Bürger schützen und gegen Online- und Glücksspielsucht vorgehen will. Kritiker fordern schon seit Jahren: Es muss sichergestellt sein, dass wirtschaftliche Interessen nicht auf Kosten der Gesundheit der Bürger gehen. Deswegen wurde beim neuen Glücksspielstaatsvertrag versucht, eine Balance aus Freiheit für die Anbieter und Schutz der Spieler zu erreichen. Die Maßnahmen sind vielfältig, doch es wird sich zeigen, ob der gefundene Kompromiss Früchte trägt.

Wirtschaft
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