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Spielhalle (Symbolfoto) © kaisender @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Glücksspiel

Ein umstrittenes Thema in vielen Kulturkreisen

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch für das Glücksspiel. Nur beim Glücksspielsucht liegen die Gründe und Ursachen nicht weit voneinander. Betroffen sind überdurchschnittlich Migranten. Auch das hat seine Gründe.

Dienstag, 10.08.2021, 0:02 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 11.08.2021, 11:08 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Glücksspiel übt seit jeher einen Reiz auf die Menschheit aus. Rund um den Globus eint viele Spieler der Traum vom großen Glück: Über Nacht reich werden. Dieser Verlockung erliegen Menschen aus nahezu allen Regionen und Kulturen – doch es gibt Unterschiede.

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In muslimischen Kulturkreisen beispielsweise ist Glücksspiel verpönt. Ihre Religion verbietet Glücksspiele und deklariert es als Sünde. Dahinter steckt der Grundgedanke, dass leicht verdientes Geld eigentlich gar nicht verdient ist, mithin auch nicht redlich erwirtschaftet und damit sündhaft. Denn hinter jedem Gewinner – so toll das auch ist – steckt auf der anderen Seite auch immer ein Verlierer, von dessen Pech man sich bereichert.

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Als diese moralischen Grundsätze aufgestellt wurden, wurden Glücksspiele noch in kleinen Kreisen ausgetragen, Mann gegen Mann, höchsten im kleinen Kreis mit wenigen Personen. Große Spielbanken oder Online Casinos ohne Limit, wie sie heute allgegenwärtig sind, gab es nicht. So standen bei Gewinnen wie Verlusten die individuellen Schicksale im Vordergrund. Heute spielt man zumeist gegen eine anonyme Bank, mit anonymen Spielern im Internet in virtuellen Tischen. Nur eins ist bekanntlich sicher: Die Bank gewinnt immer.

Das Problem: Die Sucht

Trotz moralischer und religiöser Ge- und Verbote erliegen dennoch viele Menschen dem Glücksspiel – dem Kick, dem Adrenalin, dem Glücksgefühl nach einem Gewinn. Bemerkenswert ist, dass in Deutschland etwa Schätzungen davon ausgehen, dass ausgerechnet muslimische Jugendliche nicht selten unter Spielsucht leiden. Dass das Spielen in ihrem Kulturkreis verpönt ist, erschwert ihre Situation zusätzlich, weil sie eine vergleichsweise höhere Hürde überwinden müssen, um sich als süchtig zu outen, Hilfe zu holen, Familie und Freunde um Rat bitten oder sogar eine professionelle Hilfestelle aufsuchen.

Die Gründe für die Anfälligkeit muslimischer Jugendlicher sind vielfältig, die religions-, kultur- und herkunftsübergreifend oft ähnlich sind. Studien zufolge sind Personen, die arbeitslos sind, mithin kein geregeltes Einkommen und damit auch wenig Geld haben, überdurchschnittlich anfällig für Glücksspielsucht. Diese Personen haben wegen fehlender Beschäftigung Schwierigkeiten, die Zeit totzuschlagen. Die aus mangelndem Geld resultierende Perspektivlosigkeit verstärkt den Drang, mit wenig Einsatz möglichst viel Geld zu gewinnen. Ein Blick in die Arbeitslosenstatistiken verraten, dass Personen mit Einwanderungsgeschichte überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen sind – was auch seine Gründe hat. Hinzu kommt die Simulation des Spielens, das Spaß und Spannung suggeriert. In virtuellen online Räumen mit anderen Spielern am Tisch hat man zudem das Gefühl der Geselligkeit.

Schleichend und fließend

Hinzu kommt: Das Glücksspiel weist Eigenschaften auf, die suchtbegünstigend wirken, wie beispielsweise ein kurzes Auszahlungsintervall und virtuelle Währung, das nicht als echtes, sondern Spielgeld empfunden wird. Dass es dennoch um echtes Geld geht, drängt sich zunächst nicht auf, sondern bleibt im Hintergrund.

Die Sucht beginnt schleichend. Der Übergang von der reinen Unterhaltung hin zur Abhängigkeit gestaltet sich fließend. Geraten Spieler in eine Abhängigkeit, können sie ihr Verhalten nicht mehr steuern und spielen, auch wenn sie es eigentlich gar nicht möchten. Um die Sucht zu verbergen, werden Familienmitglieder und Freunde häufig belogen und es werden Ausreden erfunden. Wenn man zum Beispiel gerade das gesamte Gehalt verspielt hat, darf das nicht herauskommen. Und wenn das Spielen an sich verpönt ist im persönlichen Umfeld, haben es Betroffene noch schwerer, über ihre Sucht zu reden. (dd)

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