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Armut und Reichtum in Panama nah beieinander © vincentraal @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Fluchtursachen heute

Der weltweite Handel mit Rohstoffen und dessen Verlierer

Der weltweite Handel mit Rohstoffen folgt seit jeher im Grunde nur einer Regel: Der Reiche verdient, der Arme schuftet. Die Nutznießer sind große Konzerne und Endverbraucher in reichen Ländern. Heute wird dieses System hinterfragt, weil es zunehmend Armutsmigration befördert.

Montag, 28.06.2021, 0:48 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 29.06.2021, 11:55 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Im Welthandel werden Rohstoffe in zwei Gruppen unterteilt: Industrie- und Agrarrohstoffe. Industrielle Rohstoffe werden in Rohstoffe mineralischen Ursprungs (Erze, Kohle, Öl, Salz, andere Mineralien) und künstlich gewonnene Rohstoffe (synthetischer Kautschuk, Kunstfasern usw.) unterteilt. Der Anteil der Industrierohstoffe mineralischen Ursprungs beträgt knapp 80 Prozent. Im internationalen Handel werden Rohstoffe in börsengängige (Getreide, Zucker, Naturkautschuk, Baumwolle; Nichtaustauschmetalle) und nicht börsengängige (Erdgas, Kohle, Erze, Eisenmetalle, Zellstoff und Papier usw.) unterteilt.

Der Handel erfolgt auf dem Weltmarkt per Vertrag und wird mit unterschiedlichen Bedingungen ver- und gekauft. Er folgt bestimmten Regeln und Faktoren, die dynamisch sind und sich stetig ändern bzw. weiterentwickelt werden. Nur so viel steht fest: Die Preise für Rohstoffe, Materialien und auch Kraftstoffe steigen stetig, was man an den steigenden Preisen für sogenannte Oil profit Software für den Handel im Netz ablesen kann. Mit ein Grund für den Preisanstieg sind die immer knapper werden Ressourcen oder auch die zunehmend steigende Nachfrage – insbesondere nach natürlichen Ressourcen, die in verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Mengen vorkommen und teilweise auch Umwelteinflüssen ausgesetzt sind.

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Nutznießer ist der Reiche

Auch hier gilt weltweit: Des einen Leid ist des anderen Freud. Während Bauern und Arbeiter an Raffinerien oder Erdabbauwerken meist für einen Hungerlohn tätig sind, sind große Konzerne stets die Nutznießer dieses weltumspannenden Handelsnetzwerks. Sie bestimmen durch die Abnahme großer Mengen nicht nur die Nachfrage, sondern auch den Preis weil die eigentlichen Förderer und Hersteller der Güter aufgrund ihrer mangelnden Machtstellung oft nachgeben müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. So profitieren von den Rohstoffen zumeist große Weltkonzerne. Und weil sie aufgrund ihrer marktbeherrschenden Machtstellung billig einkaufen können, können sie die Rohstoffe in reichen Ländern günstig und trotzdem gewinnbringend anbieten. Die Nutznießer daraus wiederum sind Menschen, die in diesen Ländern die Rohstoffe konsumieren. Und je mehr wir konsumieren, desto höher wird der Druck auf den armen Bauern oder Arbeiter, immer mehr produzieren zu müssen, für immer weniger Geld. Denn auch beim Rohstoffhandel gilt: je größer die Abnahmemenge, desto kleiner der Preis pro Einheit.

Immer mehr Konsum

Der Export von Öl, Gas und Weizen etwa ist in den vergangenen 20 Jahren um das Zweieinhalbfache zugenommen. Der Anteil am Gesamtexportvolumen anderer Agrarrohstoffe pflanzlichen Ursprungs hingegen nimmt zunehmend ab, weil die Produktion in vielen Ländern auf synthetische und künstlich hergestellte Materialien umgestiegen sind. Das stellt Bauer und Arbeiter in arme Länder ebenfalls vor große Herausforderungen, weil sie keine Abnehmer mehr für ihre Ware finden und aufgrund der Überproduktion der Preis sinkt. Die Industrie hingegen erfreut sich neuen, günstigeren Möglichkeiten, trotzdem Waren für Endverbraucher produzieren zu können.

Hinzu kommt: In den 70er und 80er Jahren wurden in marktwirtschaftlich starken Ländern eine Reihe von Sonderprogrammen zur gezielten Reduzierung des Energie- und Materialverbrauchs umgesetzt. Die USA, Frankreich, Japan, Großbritannien und andere Länder haben erhebliche Fortschritte bei der Ressourcenschonung gemacht. Beispielsweise ist die Energieintensität der Produktion einer Einheit des Bruttosozialprodukts in den Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren um 37 Prozent, in Japan um 29 Prozent und in Frankreich um 30 Prozent gesunken. Die Autokilometer in den USA haben sich bei gleicher Kraftstoffmenge fast verdoppelt, in England um 50 Prozent, in Japan um 30 Prozent. Ein Rückgang dieser Indikatoren pro Produkteinheit bedeutet jedoch nicht einen Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs. Aufgrund des Bevölkerungswachstums ist der Bedarf an Rohstoffen, Materialien, Kraftstoffen und Produkten stabil. Auch hier sind die Nutznießer jeglicher Entwicklung große Konzerne, die mehr Absetzen können und die Endverbraucher in reichen Ländern, die mehr konsumieren können.

Problemverlagerung

Eine weitere Problemverlagerung ist: Umweltschädliche Industrien werden zunehmend in Entwicklungsländer verlagert, weshalb die Produktion von Stahl, Stickstoffdüngemitteln, petrochemischen Produkten und Nichteisenmetallurgie in diesen Ländern stark zunimmt. Aber auch die Umweltbelastung nimmt damit zu, etwa weil reiche Industrienationen elektronische Altgeräte in arme Länder exportieren, um sie dort zu entsorgen. Ähnliches gilt für Autos. Diese Geräte werden in armen Ländern aufbereitet und weitergenutzt oder sie werden in Einzelteile zerlegt, damit nutzbare Metalle und andere Rohstoffe wiederverwertet werden können. Oft sind diese Arbeiten gesundheitsgefährdend, weil bei der Zerlegung giftige Stoffe freigesetzt werden. Der Endverbraucher in den reichen Ländern hingegen kauft ein neues Handy und wirft sein altes weg und ist auch hier Nutznießer dieses Handelskreislaufs.

System wird infrage gestellt

Der Arme bleibt in diesem System im besten Falle arm. Wer es nicht schafft, hat nicht einmal das Nötigste zum Überleben. Bis vor 20 Jahren funktionierte dieses System aus migrationspolitischer Sicht reibungslos. Mit der zunehmenden Digitalisierung wird die Ungerechtigkeit des Systems in armen Ländern immer deutlicher sichtbar und infrage gestellt. Die Folge: Immer mehr Menschen streben nach dem Leben in einem reichen Land.

Sie wollen nicht Handys zerlegen, sondern sie nutzen. Sie fliehen vor der Armut, vor dem weltumspannenden System, dass ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Sie fliehen vor Klimakatastrophen und vor der Umweltverschmutzung, weil dort alte Autos auf den Straßen fahren und der Müllberg aus den reichen Ländern immer größer werden, die Erde versuchen. Sie fliehen aber auch, weil sie nicht einmal mehr Fische vor den eigenen Küsten fangen können, weil große Fischfangflotten aus reichen Ländern die Meere leergefischt haben. Und wir, die Nutznießer dieses Systems, das auf Ausbeutung ausgerichtet ist, dass diese Menschen etwas vom Kuchen haben wollen. (dd)

Wirtschaft
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