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Geflüchtete warten in Griechenland auf Essensausgabe © Jochen Menzel

Gesundheit

Warum vor allem junge Migranten psychisch sehr anfällig sind

Aus dem eigenen Land flüchten zu müssen, dass möchte vermutlich niemand selbst erleben, denn vor allem die psychische Belastung ist sehr hoch. Langfristig resultieren daraus viele Erkrankungen.

Dienstag, 23.03.2021, 0:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 24.03.2021, 10:26 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Krieg, Folter und extreme Armut sind nur einige Situationen, weshalb Migranten flüchten müssen. Auch auf der Flucht selbst erleben sie Schreckliches, auch Jahre später sind Betroffene deshalb noch anfällig für psychische Erkrankungen. Zudem müssen Flüchtlinge auch nach der Ankunft in Deutschland lange Zeit in unwürdigen Verhältnissen leben. Vor allem junge Migranten werden durch jeden zusätzlichen Faktor weiter belastet und sind in der Folge weniger Leistungsfähig und zeigen ein auffälliges Verhalten. Das kann sich dann auch in Form von Aggressionen und Kriminalität äußern.

Migration hat es schon immer gegeben. Es ist ein Phänomen, das immer weiter zunimmt und vermutlich nie aufhören wird. Migration führt bei Menschen zu großen äußeren und inneren Veränderungen. Diese Veränderungen vollziehen sich oft in Prozessen: Eingliederung, Anpassung, Bildung einer neuen Identität. Das birgt auch psychische Risiken. In vielen Fällen ist das Denken und Fühlen noch auf das Herkunftsland bezogen, obwohl die Umgebung und die Lebenssituation neu sind. So entsteht eine Diskrepanz zwischen der Psyche und der realen Umgebung.

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Phasen der Migration

Mithin hat der Migrationsprozess starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und kann in unterschiedliche Phasen unterteilt werden. Die Gestaltung einer neuen Lebenswelt wird von vielen Faktoren belastet, was die Integration deutlich erschweren kann.

Die Vorbereitung

Die Migration beginnt mit der Vorbereitung. Mindestens ein Familienmitglied beschäftigt sich intensiv mit einer Auswanderung oder einer Flucht. Bereits in dieser Phase gibt es Höhen und Tiefen, neben euphorischer Aufbruchsstimmung, gibt es auch Phasen der Angst und Furcht. Die Neugierde überspielt oftmals die negativen Gefühle, weshalb man sich auf das neue Land freut. Vor allem jungen Menschen wird viel darüber erzählt, damit diese die psychische Belastung aushalten können.

Der Migrationsakt

Der Migrationsakt ist ein Prozess, welcher sehr schmerzhaft ist. Jede Familie führt diesen jedoch individuell aus. Manche wollen für immer fortgehen, andere möchten irgendwann noch mal wiederkommen. Hier beginnen bereits viele psychische Probleme und Erkrankungen, da die gewohnte Umgebung verlassen wird und erlernte Werte sowie Normen zurückgelassen werden. Aber auch von Freunden und Bekannten muss man sich trennen, vor allem in der Übergangszeit bis zur Ankunft im neuen Land, sind junge Menschen besonders verletzlich.

Die Überkompensierung

Neu angekommen im Zielland, ist die Belastung am größten. Unstimmigkeiten zwischen Vorstellung und Realität treten auf, werden verdrängt und man versucht sich umzustrukturieren. Stress wird überspielt, damit man sich an die neue Kultur und die neue Welt anpassen kann. Bei Kindern und Jugendlichen verschwimmen die Grenze zwischen Wunsch und Wirklichkeit, es entstehen psychosoziale Irritationen, da es keine ausgeprägte Angepasstheit gibt.

Das Risiko

Wer geflohen ist, hat oft eine gefährliche Reise hinter sich. Damit die Geflüchteten außergewöhnliche und lebensgefährliche Stresssituationen aushalten können, nehmen sie nicht selten Beruhigungsmittel zu sich. Erfahrungsberichten von Geflüchteten zufolge werden diese auch oft von Schleppern verteilt, damit die Menschen ruhig bleiben. Das führt Experten zufolge zu einer überdurchschnittlichen Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln wie CBD und teilweise sogar zu harten Drogen bei Geflüchteten, weil ihr Stress oft nicht vorübergehender Natur ist. Menschen, die es zum Zielland schaffen, sind oft und für längere Zeiten außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt.

Die Dekompensation

In der Dekompensationsphase sind junge Menschen durch Konflikte und Probleme belastet, da eine neue Wirklichkeit gestaltet werden muss. Zudem muss die Anpassungsfähigkeit an die veränderte Umwelt aufrechterhalten werden. Es gibt eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen und neuen Werten. Kinder und Jugendliche müssen sich dann anpassen, ohne komplett die eigene Identität abzulegen, vor allem Angst vor Ausgrenzung und das Gefühl der Andersartigkeit sind für viele Betroffene große Probleme.

Der Anpassungsprozess

Kinder nehmen im Gegensatz zu den Eltern neuen Werte schneller auf und haben schneller Kontakte zur Außenwelt im neuen Land. Daraus können Konflikte innerhalb der Familie entstehen, da die Jüngeren alte Werte und Sitten anzweifeln, die Älteren hingegen sich daran festhalten und sie weiter aufrechterhalten.

Fazit

Insbesondere junge Migranten erleben viele Dinge, die zu einer psychischen Erkrankung führen können. Veränderungen, neue Muster, Anpassung, der Integrationsprozess sind komplex und funktioniert nicht immer reibungslos. Experten raten immer wieder dazu, die psychische Gesundheit dieser Menschen im Blick zu haben und ihnen spezielle Hilfe anzubieten. Diese Appelle verhallen viel zu oft Ergebnislos.

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