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Symbolfoto © Ian Sane @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Glücksspiel

Migranten überproportional oft süchtig

Studien zufolge sind Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer Lebensumstände anfänglicher für Spielsucht. Sind sie einmal betroffen, fällt der Ausstieg schwer.

Mittwoch, 10.03.2021, 0:38 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 12.03.2021, 10:24 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Kleiner Gewinn oder hoher Verlust, für einen Spielsüchtigen gibt es immer einen Grund, nicht aufzuhören. Was sind schon 2 Euro, wenn beim nächsten Einsatz 200 oder 2.000 Euro gewonnen werden können? Doch die Sehnsucht nach dem großen Gewinn ist nicht der einzige Grund, warum Spielsucht in Deutschland speziell für Migranten zu einem anwachsenden Problem geworden ist.

Dass Migranten in Deutschland stärker als andere Mitbürger dem Risiko ausgesetzt sind, spielsüchtig zu werden, belegen offizielle Zahlen. Etwa 40 bis 55 % der Spielsüchtigen haben hierzulande einen Migrationshintergrund. Wie bei jeder Statistik zum Thema Sucht ist allerdings davon auszugehen, dass eine hohe Dunkelziffer existiert.

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Speziell Männer mit arabischen oder türkischen Wurzeln sind Erhebungen zufolge überdurchschnittlich betroffen. Fragt man nach den Gründen, erkennt man, die Geschichten ähneln sich: von innerer Leere und äußerer Einsamkeit ist die Rede. Von dem Wunsch, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Von der wohltuenden Freundlichkeit, mit der man als regelmäßiger Spielergast begrüßt und bedient wird in der Spielerrunde. Und von der Möglichkeit, die eigenen Probleme durch einen wiederholbaren Adrenalinstoß zu vergessen.

Spiel und Spaß?

Für Migranten ergibt sich ein hohes Einstiegsrisiko in die Glücksspielsucht, wenn sie zum Spielen einen Ort aufsuchen, an dem sie mit Menschen, die ihre Erfahrungen, ihre Sprache und Lebenseinstellungen teilen, zusammenkommen. Online Casinos wie zum Beispiel die Webseite onlinecasinos24.net verlocken mit Spielgeld und Einstiegsboni. Man trifft sich, man plaudert und spielt.

Anfangs sind es nur ein paar Münzen oder virtuelles Spielgeld, die eingesetzt werden. Ein kurzer Adrenalinkick, dann entscheidet sich, warum es weitergeht. Weil man gewonnen hat und hofft, dem Glück noch mal ein Schnippchen zu schlagen. Weil man kurz davor ist, zu gewinnen. Oder weil man verloren hat und sich den Verlustbetrag zurückerobern möchte. Eine Ausrede findet sich immer.

Gründe für Spielsucht

Zu den tatsächlichen Gründen und Motiven, die das Risiko erhöhen, glückspielsüchtig zu werden, gehören laut Experten

  • das Verlangen nach Abwechslung und Spannung;
  • das Gefühl, willkommen zu sein, jedenfalls so lange, wie das Portemonnaie noch halbwegs gefüllt ist.
  • der Wunsch, Probleme zu verdrängen;
  • gesellschaftliche Isolation und die Sehnsucht, Teil einer Gemeinschaft zu sein;
  • erhöhte Risikofreudigkeit;

So „tough“ sich einige auch geben mögen, speziell für muslimische Migranten stellt die Spielsucht einen Verstoß gegen religiöse Regeln dar, denn das Spiel gegen Geld ist im Islam verboten. Umso schwerer fällt es gläubigen Muslimen daher, sich ihrer Familie zu offenbaren und/oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch selbst wenn sie dies wollten, es fehlt an spezifischen Hilfsangeboten. Theoretisch sind Selbsthilfegruppen und therapeutische Angebote zwar allen zugänglich, praktisch stellen sie aber schon eine Hürde dar, sie ausfindig zu machen und anzunehmen, wenn die Sprachkenntnisse nicht ausreichen oder wenn die eigene Familie Spielsucht als ein Verbrechen betrachtet.

Informationsmaterial in vielen Sprachen

Doch zeigen sich immerhin erste Ansätze, Beratungsangebote an dieser besonderen „Bedarfsgemeinschaft“ auszurichten. So gibt es in Großstädten wie Hamburg und Berlin bereits Suchtberater, die aufgrund ihres eigenen Migrationshintergrundes Spielsüchtige ohne deutschen Pass gezielter ansprechen können. Die bayerische Landesstelle für Glücksspielsucht hat ihr Informations- und Beratungsportal immerhin in acht Sprachen übersetzen lassen, darunter Türkisch und Arabisch. Deutsch- und Türkischsprachige können hier zudem an einem Onlineprogramm teilnehmen, das ihnen helfen soll, einen Weg aus der Spielsucht zu finden.

Allerdings – gerade im Internet droht eine neue Gefahr für Spielsüchtige, die nicht zu unterschätzen ist. Denn die Zahl der Anbieter boomt. Der Verdrängungswettbewerb führt dazu, dass sich die Anbieter mit Willkommensgeschenken und Bonuszahlungen für Neukunden überschlagen. Hinzu kommt, dass der Kunde sich zwar registrieren muss, letztlich aber völlig anonym auftreten und per Mausklick bezahlen kann – was die Hemmschwelle erheblich senkt. Gerade für Spielsüchtige nimmt die Verführung also zu – und das 24 Stunden am Tag. (dd)

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