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Handy © Sascha Kohlmann @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Zermürbendes Warten

„Ich wollte in Deutschland studieren“

Das lange Warten in der Flüchtlingsunterkunft und die Angst vor der Abschiebung haben sichtbare Spuren bei Ahmad hinterlassen. Er ist träge, allein und oft nur noch virtuell unterwegs. Sein bester Freund: sein Handy.

Montag, 08.03.2021, 0:17 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 10.03.2021, 17:21 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Ahmad ist frustriert. Er ist vor knapp drei Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. Seine Familie hat er zurückgelassen. Das Geld für die Überfahrt auf einem Schlepperboot hat seine Familie mit Mühe und Not zusammengekratzt. Es hat nur für eine Person gereicht. Die Hoffnung war, dass Ahmad vorausgeht und die Familie nachholt. Soweit die Pläne. Doch es kam anders.

Heute sitzt Ahmad in seinem Zimmer in einer Sammelunterkunft und zieht auf seinem Handy an virtuellen Spielautomaten. Die vier Wände teilt er sich mit Yousif, der ebenfalls aus dem Irak geflohen ist. Er kam vor gut einem Jahr nach Deutschland. „Das Leben hier halte ich nicht mehr lange aus“, sagt Ahmad und holt aus. Man merkt ihm an, dass er Redebedarf hat.

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„Ich wollte in Deutschland studieren, ein schönes Leben haben. Meine Familie zu mir holen. Das alles hat aber nicht geklappt“, erzählt er mit gesenktem Kopf. Statt dem erhofften Studium musste er erst einmal lange darauf warten, dass sein Asylantrag beschieden wird. Den Sprachkurs, den er begonnen hatte, hat er abgebrochen als er einen negativen Bescheid erhalten hat. „Das hat mir die gesamte Konzentration genommen. Ich konnte nicht mehr schlafen, nicht mehr denken. Ich hatte so viel Verantwortung meiner Familie gegenüber, ich konnte doch nicht einfach so wieder zurück.“

Flucht ins Netz

Erst ein Gerichtsverfahren sicherte ihm seinen Verbleib in Deutschland – allerdings nur mit sogenanntem subsidiärem Schutzstatus. Asylbewerber mit diesem Schutzstatus dürfen ihre Familien nicht nachholen. Die Bundesregierung setzte das zunächst vorübergehend aus, jetzt ist die Rede davon, dass der Nachzug unbefristet wegfallen soll. Seit dem ersten negativen Bescheid ist Ahmad am Ende mit den Nerven. „Ich habe über viele Monate keinen Schlaf mehr gehabt. Ich habe in ständiger Angst gelebt, jeden Moment abgeschoben zu werden.“ Wie solche nächtlichen Abschiebemaßnahmen aussehen, hat Ahmad bereits mehrmals erlebt. „Ich dachte immer nur, ich bin der Nächste.“

In solchen Momenten bin ich geflüchtet. Ich habe im Internet gespielt. Anfangs waren es harmlose Spiele, später spielte ich immer häufiger in online Casinos – zunächst nur zum Spaß, später mit echtem Geld. „Das hat mich noch weiter heruntergezogen. Irgendwann war ich – glaube ich – süchtig. Ich war nur noch getrieben davon, meine nicht erfüllten Träume über das schnelle Geld im Casino zu verwirklichen“, erklärt Ahmad.

Einmal gewinnen

Als er seine Sucht erkannte, war es aber schon zu spät. Er verspielte schon nach wenigen Tagen sein ganzes Geld, verschuldete sich bei seinen Freunden in der Sammelunterkunft und isolierte sich zunehmend. „Einmal habe ich sogar gewonnen, auf die Auszahlung des Geldes warte ich heute noch“, sagt er mit enttäuschter Stimme. Es gibt viele unseriöse Anbieter da draußen. Inzwischen sei er aber erfahrener. „Ich habe mir informiert über seriöse Casino-Betreiber und kann Betrüger-Seiten inzwischen gut erkennen“, ist Ahmad sich sicher.

Am liebsten spiele er Poker, selten Roulette, ab und zu mal Slot. Neue Freunde habe er am Pokertisch auch schon gefunden. Mit einem habe er sich sogar mal getroffen. Osman heiße er, sei vor zwei Jahren aus Syrien geflohen und wohne nicht weit. Auch er sei mit ähnlichen Zielen nach Deutschland gekommen, habe das lange Warten auf den Asylbescheid mit Spielen überbrücken wollen. (dd)

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