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Universität © ninastoessinger auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Digitalisierung

Online Studium während der Corona-Pandemie

Welche Auswirkungen hat die Covid-19-Pandemie auf das Studium an deutschen Universitäten - viele Hochschulen investieren in die digitale Infrastruktur, Dozenten vermitteln den Lernstoff digital. Es gibt Vor- und Nachteile, insbesondere für internationale Studierende.

Montag, 15.02.2021, 0:36 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 16.02.2021, 17:41 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Während die Akzeptanz von E-Learning-Tools vor dem Ausbruch von Covid-19 zurückging, ist jetzt davon auszugehen, dass die Nachfrage nach digitalen Angeboten doch eher zunehmen wird. Einer Untersuchung über die Auswirkungen von Covid-19 auf Forschung und Lehre in weltweit 111 Ländern zufolge, gaben in Europa 85 Prozent der Universitäten an, dass Fernunterricht die herkömmlichen Studienprogramme ersetzen würde, weitere 12 Prozent bereiteten Lösungen vor.

Diesen Trend beobachten Experten auch bei sonstigen Software-Lösungen wie Preply, mit der Nutzer Deutsch als Fremdsprache lernen können. Was früher mangels vorhandener Erfahrung eher zurückhaltend getestet wurde, wird während der Pandemie mangels Alternativen Angeboten mehr oder weniger zwangsläufig genutzt.

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Mit der Corona-Pandemie ist das Online-Lernen und -Lehren im Mainstream der Hochschulbildung angekommen. Mit Beginn der Corona-Krise wurde der Präsensunterricht quasi über Nacht und nahezu unvorbereitet in die digitale Welt gezwungen. Es gab weder Managementstrategien noch entsprechende Lehrerausbildung, keine Debatten über technologisches Design, keine Argumente über die Vor- und Nachteile – es wurde aus der Not heraus einfach gemacht.

Lernmanagement als Umgebung

Innerhalb kürzester Zeit wurden enorme Anstrengungen unternommen, um Studierenden überhaupt ein Semester zu ermöglichen. Es wurde in die technische Infrastruktur investiert. Dozenten steckten viel Energie in die Einrichtung von Online-Modulen, die Aufzeichnung interaktiver Videos, die Entwicklung von Lernmaterialien und -tests, die Erstellung von Lernpfaden, die Moderation von Foren und die Durchführung von Beratungsstunden per Videokonferenz.

Plötzlich wurden Learning-Management-Systeme nicht nur Orte für Lesungen und Präsentationen, sondern auch Lehr- und Lernumgebungen. Es wurden aber auch klassische 90-minütige Vorlesung mit 70 Folien ein zu eins per Video in die Studenten-Zimmer übertragen.

Wie sieht die Zukunft aus?

So oder so: Die aktuelle Situation hat einen großen Ruck in Richtung digitale Lehre ausgelöst. Gleichzeitig hat sie in vielen Fakultäten auch zu einer steilen Lernkurve geführt im Umgang mit digitalen Ressourcen und Möglichkeiten. Inzwischen werden Kenntnisse in Medientechnologie erworben, Lehrer nutzen vermehrt sogar Dienstleistungen von Bildungsberatern und Lehrdesignern. Sogar Prüfungen und Tests werden immer häufiger mithilfe von Computern durchgeführt (E-Assessment).

Was nach der Pandemie davon bleibt, ist völlig unklar. Es ist wahrscheinlich, dass viele Lehrer so schnell wie möglich zu ihrem normalen Unterricht zurückkehren werden. Es wird aber auch viele Lehrer geben, die die von ihnen erstellten Materialien und Ressourcen weiterhin nutzen und weiterentwickeln werden, um ihren Unterricht flexibler und interaktiver zu gestalten.

Nutznießer dieser Situation werden sicher internationale Studierende sein. Sie werden auch über größere Entfernungen hinweg ein Studium an einer ausländischen Hochschule absolvieren können, ohne ständig vor Ort zu sein. Diesem Vorteil steht natürlich auch ein großer Nachteil gegenüber: Die räumliche Isolation verhindert Kontakte zu Mitstudierenden. So wird nicht nur der Spracherwerb erschwert, sondern auch der interkulturelle Austausch kommt nahezu zum Erliegen.

Auswirkungen der Digitalisierung

Unabhängig von der räumlichen Trennung stellt sich auch die Frage, wie die Studierenden mit der plötzlichen Digitalisierung umgehen und wie sie mit den digitalen Zustellungsarten erreicht werden können. Auf welche digitalen Geräte, Medien und Tools haben sie überhaupt Zugriff? Wie werden diese während des Studiums zum Lernen verwendet und wie beurteilen die Studierenden den Nutzen?

Bereits seit 2017 haben Experten zahlreiche Universitäten bei der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien für das Lehren und Lernen beraten. Ein Bericht fasst die Strategiekonsultationen wie folgt zusammen: „Deutsche Universitäten nutzen die Digitalisierung vor allem zur Modernisierung ihrer Lehrmethoden und Lehrpläne. Traditionelle Paradigmen der Lehre, Prüfung und Zertifizierung werden selten infrage gestellt. Dies bedeutet, dass wesentliche Innovationen an allen deutschen Universitäten zu beobachten sind.“

Im „Index der Bereitschaft zum digitalen lebenslangen Lernen“ des Zentrums für Studien zur europäischen Politik (CEPS) belegt Deutschland im europäischen Vergleich jedoch den letzten Platz. Deutschland wurde insbesondere wegen geringer Investitionen in die digitale Infrastruktur kritisiert. Deutschen wurde eine gegenüber digitalen Technologien eher skeptische Einstellung attestiert. Bleibt zu hoffen, dass die Pandemie dann doch noch etwas Gutes bringt und zu einem Sinneswandel führt. (dd)

Panorama
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