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Die Welt rückt zusammen

Rückzug in die digitale Welt fördert interkulturelle Kommunikation

Corona birgt viele Risiken und stellt die Menschheit vor große Herausforderungen. Die Pandemie birgt aber auch Chancen - vor allem im Bereich der interkulturelle Kommunikation.

Freitag, 12.02.2021, 0:17 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.02.2021, 13:23 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Die Welt ist in den vergangenen Monaten kleiner geworden. Menschen haben sich in die heimischen vier Wände zurückgezogen, wenn auch nicht freiwillig und vielerorts unter lautem oder leisem Protest. Seit das soziale Leben im Außen beinahe zum Erliegen gekommen ist, sind mehr und mehr Lebensbereiche in die digitale Welt umgezogen. Dort darf das soziale Miteinander weitergehen, wenn auch mit dem Verlust körperlicher Nähe verbunden.

Doch während die Welt vor der Haustür in sich zusammenzuschrumpfen scheint, kann an anderer Stelle ein faszinierendes Phänomen beobachtet werden: Durch die Verlagerung des sozialen Lebens in die digitale Welt schwinden Grenzen, Entfernungen und Barrieren. Zwischen Ländern und Kulturen, Fremden und Freunden, Jungen und Alten. Das digitale Leben funktioniert global und schafft Verbindungen über alle Entfernungen und Grenzen hinweg. So kann der Verlust des sozialen Geschehens vor der Tür die interkulturelle Kommunikation voranbringen und ein Miteinander aus den häuslichen Rückzugsorten heraus fördern. Doch es gibt auch Herausforderungen und handfeste Probleme.

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Digitales Lernen nutzt internationale Materialangebote

In den Schulen wird der Wandel zu einem digitalen Alltag besonders deutlich. Statt des klassischen Präsenzunterrichtes bleiben die Klassenzimmer geschlossen und Schüler aller Altersklassen müssen sich den Lehrplan zu Hause aneignen. In Kooperation zwischen Lehrern und Eltern soll die Lücke geschlossen werden, die der fehlende Präsenzunterricht hinterlässt.

Der Distanzunterricht funktioniert nicht ohne digitale Hilfsmittel. Eine Internetverbindung, E-Mail, ein Computer oder Tablet, all das müssen Familien nun bereithalten, um gut für den Unterricht gerüstet zu sein. Und nicht zuletzt setzt der Distanzunterricht auf eine gewisse Medienkompetenz aufseiten der Schüler, aber auch aufseiten der Lehrer und Eltern, die die Wissensvermittlung begleiten müssen.

Das Distanzlernen wird kontrovers diskutiert. Zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen, die die Schüler im heimischen Umfeld antreffen. Das gilt sowohl im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten als auch auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch die Eltern. Und betrifft auch die eigenen kognitiven Grundvoraussetzungen.

Doch der digitale Unterricht bietet auch neue Chancen. So schauen Lehrer bei der Zusammenstellung des digitalen Angebotes zunehmend über den Tellerrand des eigenen Lehrplanes hinaus. Bei ihren Recherchen lernen sie neue Unterrichtsmaterialien und didaktische Herangehensweisen kennen, die enorm bereichern können. Lehrvideos aus der ganzen Welt erweitern den Horizont und können neben sprachlichen Kompetenzen auch ein interkulturelles Verständnis vermitteln. Das eröffnet neue Wege und weckt Interesse.

Viele Unterrichtsthemen sind ohnehin von globaler Relevanz. Dazu zählen Bereiche wie Naturwissenschaft, Klima- und Artenschutz, Evolution, Medizin, Musik, Religion und Glauben, Sozialwissenschaften und Politik. Hier bietet das digitale Distanzlernen die große Chance, Grenzen zu überschreiten und den Schülern Zugang zu einer ganzen Welt voller Wissen zu vermitteln, die weit über das hinausgeht, was das regionale Curriculum vorgibt. So könnte aus einer Ausnahmesituation ein völlig neuer Lernansatz entstehen, der von einem interkulturellen Bildungsanspruch geprägt ist.

Internationale Communitys und Spielangebote

Für die Spielebranche wirkt sich die aktuelle Situation wie ein Booster aus. Wenn das Freizeitangebot außerhalb der eigenen vier Wände ausfällt, wird das Drinnen umso wichtiger. Digitale Spieleanbieter erleben einen starken Zuwachs an Interessenten und sowohl bei Hardware als auch bei Software rund um das Thema Computerspiel schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe.

Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, haben die Spieleentwickler ihr Repertoire erweitert. Neue Spiele und Spielvarianten kommen ebenso auf den Markt wie überarbeitete Spielversionen: zum Beispiel mit einer neuen Tonspur, um den Zugang zu internationalen Spieleklassikern auch unabhängig von einer Sprachbarriere zugänglich zu machen. Auch die Bezahlmethoden innerhalb der Spiele werden an eine globalere Nutzung angepasst. So stocken zum Beispiel Wettanbieter mit PayPal ihre Zahlungsmodalitäten auf, um eine schnelle Zahlungsabwicklung zu ermöglichen.

Auch zur interkulturellen Kommunikation leisten digitale Spiele einen wertvollen Beitrag. Durch die Interaktion mit internationalen Communitys wird nicht nur das Spielerlebnis interessanter und kommunikativer, das gemeinsame Interesse kann auch Brücken schlagen. Durch das Knüpfen von Kontakten in die ganze Welt wird ein neues Gemeinschaftsgefühl erschaffen. Wer aktuell den eigenen vier Wänden entfliehen möchte, tut dies digital und kann auf diese Weise viel weiterreisen, als in einem normalen Alltag. So ist es nicht nur möglich, besser mit den Beschränkungen umzugehen, sondern auch auf ganz spielerische Weise seinen Horizont zu erweitern.

Unterhaltungsmedien stellen weltweit größere Vielfalt zur Verfügung

Moderne Unterhaltungsmedien sind schon lange ein zentraler Bestandteil des Alltags. Jetzt sind sie allerdings zu einem ganz zentralen Faktor geworden. Der Konsum ist in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Unterhaltungsmedien als Fenster zur Außenwelt werden so stark genutzt wie nie zuvor.

Positive Nebeneffekt dieser Entwicklung sind nicht nur die steigenden Umsatzzahlen der wichtigen Akteure in der Medienbranche, sondern auch die wachsende Vielfalt, über die sich das Publikum aktuell freuen kann. Viele Fernseh- und Rundfunksender haben ihr Repertoire erweitert und ihre Mediatheken ausgebaut. Sie stellen inzwischen ein umfangreiches und diverses Unterhaltungsprogramm zur Verfügung, das dabei helfen soll, den Alltag zu gestalten und Geist und Seele wachzuhalten.

Die digitalen Unterhaltungsprogramme, die uns aktuell angeboten werden, erfreuen als bunte Mischung aus verschiedenen Genres, Präsentationsformen und Kulturen. Wer neuen Input sucht, findet derzeit einen reich gedeckten Tisch an Spezialitäten für jeden Geschmack, jeden Rezeptionstyp und jeden geistigen Horizont. Wer schon länger einmal vorhatte, in Sachen Kultur und Unterhaltung ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen, kann sich jetzt an einem umfangreichen und vielfältigen Kulturprogramm bedienen. Das dient der persönlichen Entwicklung thematisch, sprachlich und kulturell auch auf lange Sicht.

Mehr Zeit für Sprachkurse, Weiterbildungen und Co.

Interkulturelle Kommunikation scheitert nicht selten an sprachlichen Barrieren. Deshalb sind Sprachkurse ein wichtiger Bestandteil von Integrationsbemühungen. Auch Angebote wie Sprachkurse, Aus- und Weiterbildung und Integrationsprogramme haben sich zunehmend in die virtuelle Welt verlagert, die den Zugang zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wieder freigibt.

Ein großes Plus, das sich aktuell auf vielen Bildungsservern bemerkbar macht: Viele Menschen tendieren dazu, freigewordene Zeitkontingente, die nicht mehr mit externen Freizeitmöglichkeiten gefüllt werden können, in digitale Kurse zu investieren. Ausgangsbeschränkungen öffnen den Weg für lang gehegte Projekte oder spontane Vorhaben. So verzeichnen beispielsweise Sprachlern-Apps einen enormen Zuwachs an neuen Nutzern. In Deutschland meldeten sich deutlich mehr Nutzer an wie in einem vergleichbaren Zeitraum im vorangegangenen Jahr. In den von Corona stark betroffenen Ländern Spanien und Italien sind die Zahlen neuer Nutzer sogar noch höher.

Die Tatsache, dass Menschen in den Zeiten der Ausgangsbeschränkungen ihre Zeit sinnvoll nutzen möchten, birgt Chancen, die auch im Hinblick auf die interkulturelle Kommunikation von langfristigem Nutzen sein könnten. Wenn 2020 und 2021 als eine Zeit des Umdenkens genutzt werden, lassen sich neue Brücken schlagen, die auch einen unerwünschten Ausnahmezustand überdauern können. (dd)

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