Unterschrift, Vertrag, Signatur, Abmachung, Vereinbarung, Stift
Unterschrift (Symbolfoto) © andibreit @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Das sind die Gründe

Aufhebungsvertrag vom Rechtsanwalt prüfen lassen

Coronabedingt legen viele Chefs ihren Arbeitnehmern Aufhebungsverträge zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor. Gerade Arbeitnehmer mit mangelnden Sprachkenntnissen sind gut beraten, nicht voreilig zu unterschreiben.

Montag, 25.01.2021, 0:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 26.01.2021, 10:26 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Es kann Situationen geben, in denen es für den Arbeitgeber Sinn ergibt, seinem Mitarbeiter einen Aufhebungsvertrag anzubieten. Darin wird die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geregelt. Und weil dies mit vielen Rechten und Pflichten verbunden ist, die Bedeutung haben, ist es ratsam, sich genau zu überlegen und zu wissen, was man unterschreibt. Dies gilt insbesondere für Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind oder sich mit den hiesigen Rechten von Arbeitnehmern nicht ausreichend auskennen. Insofern ist Achtsamkeit gefragt. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie legen viele Arbeitnehmer ihren Beschäftigten solche Verträge vor.

Arbeitnehmer sollten Ruhe bewahren

Zweifellos befinden sich Arbeitnehmer in einer Drucksituation, wenn sie einen Aufhebungsvertrag vorgelegt bekommen. Der Arbeitgeber signalisiert damit, dass das Arbeitsverhältnis beendet werden soll. Unterschwellig wird auch mitgeteilt, dass die Zeit des Arbeitnehmers im Betrieb bald ablaufen wird.

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Trotz dieser Stresssituation sollten Arbeitnehmer ruhig bleiben und den Aufhebungsvertrag vom Rechtsanwalt prüfen lassen, bevor sie ihn unterzeichnen. Das gilt auch dann, wenn der Aufhebungsvertrag eine Abfindung beinhaltet. Trotz der zunächst vorhandenen Verlockung, eine hohe Summe auf einmal zu bekommen, sollten sie dem widerstehen. Denn es gibt verschiedene Berechnungsformeln, die abhängig vom Alter der betroffenen Person zu unterschiedlichen Beträgen führen können. Auch hier kann ein Rechtsanwalt auf die entscheidenden Vor- und Nachteile hinweisen und eventuell eine bessere Abfindung für den Arbeitnehmer herausholen.

Aufhebungsvertrag vom Rechtsanwalt prüfen lassen

Das ist aber noch nicht alles, worauf Arbeitnehmer bei einem Aufhebungsvertrag achten sollten. Dieser Vertrag bedarf der Papierform. Es ist demnach nicht ausreichend, wenn ein Aufhebungsvertrag elektronisch übermittelt wurde, zum Beispiel per E-Mail. Ebenso sorgen mündliche Verabredungen nicht dafür, dass ein Aufhebungsvertrag nichtig wird. Betroffene Arbeitnehmer sollten auf diese Punkte achten und sie ebenfalls mit einem Rechtsanwalt besprechen.

Wichtig ist auch, dass ein Aufhebungsvertrag ein Beendigungsdatum festlegt. Wird es nicht angegeben, endet der Arbeitsvertrag eventuell sofort. Eine Situation, die Arbeitnehmer in der Regel vermeiden möchten. Schließlich gibt es in den seltensten Fällen die Möglichkeit, direkt in einen neuen Betrieb zu wechseln. Man möchte gegebenenfalls Zeit gewinnen, um sich nach einem neuen Job umzusehen und zu bewerben. Eine schnelle Beendigung kann also auch negative finanzielle Folgen in Form von Verdienstausfall nach sich ziehen.

Die Vorteile für den Arbeitnehmer

Im Grunde gibt es nur einen nennenswerten Vorteil für den Arbeitnehmer, wenn er einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet: hohe Flexibilität bezüglich des Beendigungsdatums, weil man die gesetzlichen Kündigungsfristen nicht einhalten muss. Das ist von Vorteil, wenn der Arbeitnehmer bereits eine neue Anstellung gefunden hat und zeitnah seine neue Stelle antreten möchte. In der Regel hat ein Aufhebungsvertrag aber mehr Nach- als Vorteile für einen Arbeitnehmer – außer er ist vom Arbeitnehmer selbst ausdrücklich erwünscht oder wenn er sogar auf seine Bitte hin unterzeichnet wird.

Ein weiterer großer Nachteil für den Arbeitnehmer ist, dass er im Falle der Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages eine Sperre von drei Monaten bekommen kann, in der er kein Arbeitslosengeld erhält. Auch die plötzliche Freistellung kann zu negativen psychologischen oder sozialen Folgen führen, insbesondere dann, wenn eine Person mehrere Jahre in einem Betrieb beschäftigt war und dort viele Freunde gefunden hat.

Zusammenfassung

Die Verlockung einer hohen Abfindungssumme kann zunächst einmal lukrativ wirken, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen. Zudem kann in einem Aufhebungsvertrag der Beendigungszeitpunkt des Arbeitsvertrags quasi frei von gesetzlichen Fristen festgelegt werden. Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Nachteile, die für den Arbeitnehmer sehr belastend sein können – sowohl finanziell als auch psychologisch. Es ist daher immer von Vorteil einen Aufhebungsvertrag vom Rechtsanwalt prüfen zu lassen. Ein Rechtsanwalt kann für eine Verbesserung des Aufhebungsvertrages sorgen und eine objektive Einschätzung der Situation geben. Zudem verschafft die Beratung auch noch einmal die Möglichkeit, sich über die Folgen seiner Unterschrift klarzuwerden. (dd)

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