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Warten am Flughafen © katyveldhorst @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Plötzlich ist alles anders

Tipps für die Migration nach Deutschland

Deutschland hat sich zu einem der weltweit beliebtesten Einwanderungsländer avanciert. Für viele Menschen ist die Einwanderung nach Deutschland aber ein Buch mit sieben Siegeln. Ein Überblick über das Wichtigste zum Thema.

Samstag, 02.01.2021, 0:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 04.01.2021, 15:27 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Deutschland gilt zwar nicht als das führende Einwanderungsland, denn das ist in absoluten Zahlen noch immer die USA. Deutschland hat allerdings aufgeholt, denn gerade seit Beginn der 2000er ist ein stetiger Migrationsanstieg zu verzeichnen. Die bisher meisten Einwanderer gab es 2015, als vor allem politisch Verfolgte in Deutschland Asyl suchten. Doch auch die Anzahl der Einwanderer, die als Fachkräfte nach Deutschland kommen, steigt stetig.

Zuwanderungsgesetz regelt die Optionen für die Einwanderung

2005 trat das Zuwanderungsgesetz in Kraft. Es macht deutlich leichter, in Deutschland zu leben und arbeiten. Der Arbeitskräftemangel ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt unverkennbar, vor allem in Branchen wie der Pflege oder dem Handwerk. Diesbezüglich schafft das Zuwanderungsgesetz klare Regeln für Migranten aus Drittländern und EU-Bürgern.

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Zuwanderung für EU-Bürger: diese Bestimmungen gelten

Wer beispielsweise aus Griechenland einreist, gilt als EU-Bürger und benötigt weder Arbeitserlaubnis noch Visum oder Aufenthaltstitel. Für Flüchtlinge, die aus Griechenland einreisen, gilt dies aber nicht. Nur EU-Bürger haben die Möglichkeit, bis zu drei Monate gemeinsam mit Familien in Deutschland zu bleiben.

Möchten EU-Bürger in Deutschland arbeiten und haben innerhalb dieser drei Monate noch keine Einstellung gefunden, gibt es eine Ausnahme: Sie dürfen insgesamt sechs Wochen in Deutschland verweilen.

Das brauchen EU-Bürger für die Arbeitssuche in Deutschland

Um sich in Deutschland auf eine Position zu bewerben, brauchen EU-Bürger neben dem Anschreiben auch ihre Qualifikationsnachweise. Häufig sind diese in der eigenen Landessprache verfasst, sodass eine Übersetzung notwendig wird. Qualifizierte Übersetzer sorgen dafür, dass die Arbeit- und Ausbildungsnachweise rechtskonform transkribiert werden.

Anerkennung der Abschlüsse funktioniert häufig automatisch

Viele Berufsabschlüsse und Qualifikationen werden in Deutschland bereits ohne weitere Prüfungsverfahren anerkannt. Bestimmte Berufsfelder, beispielsweise Krankenpfleger, Architekten oder Hebammen, sind davon ausgeschlossen, denn für sie gilt die automatische Anerkennung. Qualifikationen, wie sie beispielsweise in Manager-Positionen benötigt werden, unterliegen häufig der individuellen Prüfung der Berufsabschlüsse.

Wartezeit überbrücken: während der Jobsuche Anspruch auf Sozialleistungen

Die Überprüfung der Qualifikation kann häufig etwas länger dauern. Um die Zeit zu überbrücken, haben EU-Bürger nur bedingt Anspruch auf Sozialleistungen. Allerdings ist es möglich, Überbrückungsleistungen für maximal einen Monat zu erhalten, wenn die Ausreise ansteht. Wer dies umgehen möchte, sollte sich innerhalb der sechs Monate konsequent um die Arbeitssuche bemühen. Optimal ist es, sich eine To-do-Liste zu erstellen und bereits mögliche Arbeitgeber im Vorfeld zu recherchieren.

Hilfestellung bietet auch das Auswärtige Amt, denn hier gibt es wichtige Informationen zum Arbeiten und Leben in Deutschland und zu möglichen Rechtsansprüchen für Leistungen und Zuschüsse. Der Austausch mit anderen Migranten kann ebenso sinnvoll sein. Ideal dafür sind Begegnungszentren, wie beispielsweise in Würzburg.

Sprache lernen als Schlüssel zum Erfolg für den Neustart

Es gibt in Deutschland unzählige Informationen, die den Migranten den Start ins neue Leben erleichtern können. Angefangen von der Kontoeröffnung bis zum Mobilfunkvertrag, der Wohnungssuche oder die Einkäufe – mithilfe von Infobroschüren, freiwilligen Helfern und Berufsberatung kann die berufliche Neuorientierung in Deutschland mit etwas Eigeninitiative gelingen.

Die Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil, denn sie vereinfacht so manchen Bewerbungsprozess. Zwar nimmt Englisch in zahlreichen großen Unternehmen eine immer wichtigere Rolle ein, trotzdem erfolgt der Austausch mit Kollegen oder anderen sozialen Kontakten meist primär in Deutsch.

Damit der Einstieg in das Berufsleben gelingt und der Bewerbungsprozess erleichtert wird, empfiehlt sich der Besuch einer Sprachschule. Auch als Anfänger lassen sich mit Ehrgeiz und Kontinuität stetige Erfolge beim Erlernen der deutschen Sprache erzielen. Zusätzlich gibt es wertvolle Tipps für den Umgang mit sozialen Kontakten.

Die deutsche Kultur ist für viele Migranten etwas anderes, vor allem beim Umgang miteinander oder bei der Anrede. In vielen Kulturkreisen findet die Begrüßung beispielsweise nicht mit dem Handschlag statt. In Deutschland gehört das Handgeben allerdings auch geschäftlich zum guten Ton. Wer diese interkulturellen Unterschiede kennt und weiß, wie er möglichen Fettnäpfchen bei sozialen Kontakten und der Kommunikation aus dem Weg geht, hat einen deutlich besseren Start in der Bundesrepublik.

Tipp: Vokabeln lernen mit Klebezetteln

Wer die Vokabeln des Alltags lernen möchte, kann dafür einen bewährten Trick nutzen. Einfach zu Hause Klebezettel mit der Bezeichnung der Gegenstände in deutscher Sprache anbringen und auf diese Weise täglich mit den neuen Begrifflichkeiten konfrontiert werden. Der Lerneffekt ist deutlich spürbar und führt dazu, dass die deutsche Sprache vielleicht gar nicht mehr so schwierig wie gedacht ist. Wer Probleme mit der Aussprache hat, notiert zusätzlich die Lautschrift auf dem Klebezettel.

Rasch in Deutschland Fuß fassen: Diese Tipps helfen dabei

Deutschland bietet viel Lebensqualität und hat unzählige offene Stellen. Der medizinische oder handwerkliche Sektor sucht händeringend nach Fachkräften und ist über jede Unterstützung durch Migranten dankbar.

Wer keine Zeit vergeuden, sondern nach seiner Einreise Deutschland möglichst schnell beruflich Fuß fassen möchte, dem können ein paar Tipps weiterhelfen.

1. Sämtliche Unterlagen/Zeugnisse bereits zur Hand haben

Für die Bewerbung benötigen die Migranten neben dem klassischen Anschreiben meist auch einen Lebenslauf, den Nachweis der Ausbildung/des Studiums, Beurteilungen oder andere Qualifikationsnachweise. Wer clever vorgeht, hat diese Unterlagen alle in einem Ordner zur Hand. Da mittlerweile viele Bewerbungsverfahren online stattfinden, empfiehlt es sich auch, die Bewerbungsunterlagen digital auf dem PC oder USB-Stick zu haben.

2. Für mehr Effektivität die Online-Stellensuche nutzen

Die Onlinesuche nach interessanten Stellen ist deutlich einfacher als das tägliche Wälzen von Tageszeitungen. Nicht nur die Suchmöglichkeiten, sondern auch die Anzahl der Stellenangebote ist online um ein Vielfaches höher, sodass die Erfolgswahrscheinlichkeit größer ist. Wer möchte, kann auch direkt Computer der Arbeitsagentur vor Ort nutzen, um sich in der Datenbank der offenen Stellen umzusehen.

3. Soziale Kontakte mit Deutschen suchen, um Sprechen miteinander zu üben

Damit die Integration deutlich leichter fällt, empfiehlt sich der regelmäßige Kontakt mit Deutschen. Der Austausch mit Landsleuten vermittelt Heimatgefühl und macht es einfacher, sich fernab des eigenen Landes wohlzufühlen. Um die Sprache zu üben und die interkulturellen Verhaltensweisen zu festigen, empfiehlt sich der Austausch mit Deutschen. Im Park, bei gemeinsamen sportlichen Aktivitäten in Vereinen oder im Kollegenkreis sind lockere Kommunikationen problemlos möglich. (dd)

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