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Geschäftsmann (Symbolfoto) © SNCR_GROUP @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Ursachen

Gründungen durch Migranten nehmen seit 2015 stark zu

Studien zeigen, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Vergleich zu Deutschen ohne Migrationshintergrund deutlich gründungsfreudiger sind. Die Gründe sind vielfältig.

Mittwoch, 11.11.2020, 0:56 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.11.2020, 12:02 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Seit 2013 ist ein klarer Trend erkennbar, der ab 2015 deutlich an Fahrt aufgenommen hat: Immer mehr Migranten gründen eigene Unternehmen. Das hat verschiedene Gründe, die von schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt bis hin zu Sprachbarrieren reichen. Aufgrund der Digitalisierung ist das Gründen so leicht wie nie zuvor. Dennoch liegt die Zahl der Notgründer unter den Migranten mit 38 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Mittlerweile sind Innovationen und der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands zu einem guten Teil mit der Migration verwoben.

Gründungen sind bei Migranten beliebt

Unter Migranten ist die Neigung, ein Unternehmen zu gründen und selbstständig tätig zu werden, besonders stark ausgeprägt. Migranten machen in Deutschland etwa 18 Prozent der Bevölkerung aus, wobei 21 Prozent aller Gründungen auf ihr Konto gehen. Diese Entwicklung zeigt sich bereits seit 2013 und hat seit der Flüchtlingsmigration von 2015 deutlich an Fahrt gewonnen. Mittlerweile geben 38 Prozent der Migranten an, dass sie eine Selbstständigkeit einer abhängigen Beschäftigung vorziehen würden. Demgegenüber geben 29 Prozent an, dass ihnen eine abhängige Beschäftigung lieber wäre.

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Zudem muss zwischen fremdsprachigen Migranten und solchen, die zu Hause Deutsch sprechen, unterschieden werden. Hier zeigt sich, dass die Neigung zur Selbstständigkeit bei den fremdsprachigen Migranten noch stärker ausgeprägt ist (36 Prozent) als bei anderen Migranten (32 Prozent). Sie gründen vor allem Dienstleistungsunternehmen (42 Prozent) und sind speziell in der Gastronomie tätig. Etwa 30 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich wegen ihrer fachlichen Qualitäten Sorgen machen und befürchten, dass sich ihre Geschäftsidee nicht als tragfähig erweisen könnte.

Das sind die Gründe für die verstärkte Selbstständigkeit bei Migranten

Die Gründe, aus denen der Hang zur Selbstständigkeit bei Migranten stärker ausgeprägt ist, sind vielfältig. Bei einigen hat das kulturelle Gründe. In den jeweiligen Heimatländern herrscht häufig eine ganz andere Gründermentalität vor. Die Befragten sind es somit von Kindheit an gewohnt, dass ein eigenes Unternehmen eine sinnvolle und lukrative Form der Beschäftigung ist. Des Weiteren haben es Migranten aufgrund von Sprachdefiziten häufig schwerer, am deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Im Rahmen einer Gründung sind Sprachkompetenzen nur bedingt relevant oder das Unternehmen wird komplett auf Englisch aufgezogen.

Hinzu kommt, dass viele Betroffene schlechtere Arbeitsmarktchancen als Einheimische haben. Sie leiden beispielsweise darunter, dass ihre im Heimatland erworbenen Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt werden. Sie können ihrem eigentlichen Beruf hierzulande also kaum nachgehen. Ganze 46 Prozent der Migranten zwischen 18-64 Jahren sind von diesem Problem betroffen. Über eine Selbstständigkeit lässt sich diese Schwierigkeit teilweise umgehen.

Die Digitalisierung fördert den Trend hin zu Gründungen

Die Digitalisierung verändert unsere Art zu arbeiten und zu wirtschaften. Das zeigt sich bei Beschäftigten, die beispielsweise verstärkt im Homeoffice tätig werden. Aber auch bei Selbstständigen ist die Digitalisierung hilfreich. So ist es über einen eigenen Onlineshop möglich, bundesweit aktiv zu sein oder sogar Kunden aus der ganzen Welt zu bedienen. Gründer sind nicht mehr auf ein Ladengeschäft an einem bestimmten Ort beschränkt, sondern können von Anfang an groß denken. Hinzu kommt, dass digitale Technologien das Marketing und die Kundenansprache vereinfacht haben. Allerdings müssen zeitaufwendige Aufgaben wie die Suchmaschinenoptimierung erledigt werden, die früher keine Rolle spielten.

Gerade junge Migranten nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung, um sich selbstständig zu machen und ihre Geschäftsidee umzusetzen. Beispielsweise kooperieren viele mit einer Amazon SEO Agentur, die sich speziell auf Händler bei Amazon fokussiert. Mittels einer solchen Agentur ist es Gründern möglich, ihr Online-Business aktiv voranzubringen und sowohl bei Amazon als auch bei den Suchmaschinen sichtbar zu sein. Hierdurch gewinnen sie zahlreiche neue Kunden und können ihren Betrieb kontinuierlich ausbauen. Vielen Migranten ist es so gelungen, solide Firmen zu gründen und langfristig solide Umsätze zu generieren.

Der Anteil der Notgründer ist bei Migranten vergleichsweise hoch

Es muss zwischen Migranten unterschieden werden, die aus Überzeugung gründen, und solchen, denen keine Alternative bleibt. Wer am Arbeitsmarkt keine Chance hat und keinen Job findet, der zum Leben reicht, muss alternative Einnahmequellen erschließen. Gerade fremdsprachige Migranten gründen nicht immer aus Überzeugung und aus einem Glauben an ihre Geschäftsidee heraus. Vielmehr haben sie aufgrund von sprachlichen Hürden und fehlenden Abschlüssen einfach keine Chance am deutschen Arbeitsmarkt.

Mittlerweile liegt der Anteil der sogenannten Notgründer unter den Migranten bei 38 Prozent. Das ist deutlich höher als bei den Einheimischen, bei denen dieser Wert bei 31 Prozent liegt. Dennoch ist zu verzeichnen, dass der Anteil an Chancengründern, die von ihrer Idee überzeugt sind und diese umsetzen wollen, mit 47 Prozent deutlich höher liegt. Es ist also längst nicht so, dass die Selbstständigkeit für Migranten nur eine Notlösung ist. Viele wollen Innovationen umsetzen und einen Beitrag dazu leisten, dass ihr Geschäftsbereich vorankommt und zukunftssicher ist.

Moderne, selbstständige Unternehmen in Deutschland profitieren von der Migration

Deutschland steht in Europa unter anderem deshalb so gut da, weil die Wirtschaft läuft. Die bestehenden Betriebe ruhen sich nicht auf dem Erreichten aus, sondern wollen langfristig zukunftssicher und wettbewerbsfähig sein. Das zeigt sich unter anderem daran, dass nahezu alle Betriebe hierzulande aktuell eine digitale Transformation durchlaufen. Hinzu kommt, dass junge Unternehmen und Start-ups dafür sorgen, dass die deutsche Wirtschaft auf der Höhe der Zeit bleibt. Deutschland muss sich zukunftsträchtigen Möglichkeiten und Technologien stellen, um von anderen Ländern nicht abgehängt zu werden.

Menschen mit Migrationshintergrund machen mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung aus und leisten einen wichtigen Beitrag zur Prosperität Deutschlands. Sie bringen frischen Wind in die deutsche Wirtschaft und bereichern diese durch ihren Ideenreichtum und ihre Kreativität. Viele Betriebe haben neue Produkte und Dienstleistungen im Sortiment und entwickeln bekannte Artikel aktiv weiter. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Migration eine wichtige Komponente in der deutschen Wirtschaft ist. Insbesondere die von Migranten ins Leben gerufenen Betriebe haben Deutschland vorangebracht und die Digitalisierung hierzulande salonfähig gemacht. (dd)

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