Motivationsschreiben

Geheimnisse erfolgreicher Bewerbung

Andere Länder, andere Sitten. In Deutschland haben Motivationsschreiben ihre eigenen Regeln, es ist aber kein Hexenwerk. Zudem gibt es kostenlose Muster und zahlreiche Möglichkeiten, sich Tipps und externe Hilfe zu holen. Ein Überblick.

Das Motivationsschreiben ist inzwischen ein fester Bestandteil jeder guten und vollständigen Bewerbungsmappe. Die Erfahrung zeigt, dass dieses Dokument den entscheidenden Unterschied bei der Auswahl von Kandidaten sein kann – ob im Job oder an der Universität.

Deshalb hat das Motivationsschreiben auch einen anderen Namen – dritte Seite der Bewerbung. Der Grund liegt in der Reihenfolge, in der die Dokumente in die Mappe gelegt werden. Die ersten zwei Seiten der Bewerbungsmappe sind das Anschreiben und der Lebenslauf. Das Deckblatt wird nicht gezählt.

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Der Lebenslauf zeigt nur die wichtigsten Meilensteine der Biografie und die wichtigsten Qualifikationen des Bewerbers, charakterisiert ihn jedoch nicht als Person. Daher ist ein Motivationsbrief eine weitere Möglichkeit, Interesse zu wecken.

Das Motivationsschreiben gewinnt besonders an Bedeutung, je „schwacher“ der Lebenslauf ist oder der Bewerber keine besonderen Qualifikationen vorweisen kann. Es kann dann helfen, trotzdem das Interesse des Lesers zu wecken und auf sich aufmerksam zu machen.

Struktur eines Motivationsschreibens

Auf den ersten Blick scheint es, als gebe es im Motivationsbrief keine bestimmte Struktur, weil er ein Fließtext ist. Dennoch gibt es ein paar Regeln, an die man sich halten sollte. Denn das Motivationsschreiben hat ein ganz bestimmtes Ziel: den Empfänger davon zu überzeugen, dass der Verfasser der ideale Kandidat ist. Deshalb sollte man sich in möglichst gutes Licht stellen und über die bisherigen Erfahrungen, die Motivation und über die Stärken erzählen. Doch Vorsicht: Wenn man übertreibt, könnte das auch narzisstisch wirken und genau das Gegenteil von dem bewirken, was das Schreiben eigentlich soll. Insofern gehört in das Motivationsschreiben auch Ehrlichkeit rein.

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, kann man sich beim Verfassen des Motivationsschreibens an den folgenden Fragen orientieren und so eine gewisse Struktur in den Brief reinbringen:

Wenn man auf diese Fragen gute und überzeugende Antworten gefunden und sie im Schreiben formuliert hat, hat man bereits einen wichtigen Schritt getan. Selbst bei einer vermeintlich ungünstigen Ausgangssituation kann man sich Hoffnungen auf ein Vorstellungsgespräch machen. Wichtig ist, dass das Motivationsschreiben nicht einfach nur eine Kopie des tabellarischen Lebenslaufs in Fließtext ist. Das kann sogar kontraproduktiv wirken, weil niemand Zeit zu viel hat und einen Text ohne Mehrwert liest. Sinn des Schreibens soll es vielmehr sein, sich von der Masse abzuheben und sicherzustellen, dass das Schreiben positiv in Erinnerung bleibt.

Besonderheiten des Motivationsschreibens für Job

In den allermeisten Fällen verfasst man ein Motivationsschreiben, wenn man sich für einen Arbeitsplatz bewirbt. Den künftigen Arbeitgeber interessiert es in erster Linie, ob der Bewerber über die erforderlichen Qualifikationen, Fachkenntnisse mitbringt und auch über Eigenschaften wie Belastbarkeit oder Flexibilität verfügt. Darüber hinaus interessiert den Arbeitgeber auch, warum sich der Bewerber für sein Unternehmen entschieden hat, ob es besondere Gründe gibt, die ihm gegenüber seinen Mitbewerbern eventuell einen Vorteil verschaffen könnte.

Das können beispielsweise berufliche wie ehrenamtliche Projekte sein, die der Bewerber eventuell bereits erfolgreich geführt hat. Vielleicht hat er aber auch nur daran mitgewirkt und konnte so erste Erfahrungen sammeln. Doch auch hier könnte angebracht sein, sich in Zurückhaltung zu üben. Nicht jedes Projekt ist eventuell für die angestrebte Stelle von Bedeutung. Und man sollte sich hüten, den Leser des Briefs auf die Probe zu stellen – Stichwort: Langeweile. Der Brief sollte eine Länge von einer DIN-A4-Seite möglichst nicht überschreiten – Zeit ist knapp, insbesondere in Personalbüros. Deshalb ist es empfehlenswert, ein oder zwei besonders exemplarische Beispiele auszüführen, diese dann gegebenenfalls etwas ausführlicher als zehn Beispiele, auf die man dann nur noch mit jeweils einem Satz eingehen kann. Weniger kann auch hier oft mehr sein. Bei guter Formulierung kann ein knapper Text sogar neugierig auf mehr machen und man wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil der Arbeitgeber mehr erfahren will.

Von Vorteil kann es zudem sein, wenn man den richtigen Adressaten des Motivationsschreibens recherchiert hat und ihn im Brief gleich mit seinem Namen anspricht. Das zeigt, dass man es ernst meint und entsprechende Recherchen betrieben hat. Am Ende des Briefs bedankt man sich in der Regel für die Aufmerksamkeit und formuliert die Hoffnung auf eine positive Antwort oder Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Allerdings sollte die Formulierung nicht bettelnd wirken, sondern durchaus Selbstvertrauen vermitteln.

Wo findet und wie benutzt man kostenlose Motivationsbeispiele?

Trotz allen Tipps fällt es vielen oft schwer, ein Motivationsschreiben komplett neu aufzusetzen. Deshalb empfiehlt es sich, im Internet nach Musterbeispielen zu suchen und sich vorab ein paar davon durchzulesen, damit man einen ungefähren Eindruck davon bekommt, was man aufs Papier bringen soll. Es kann sehr hilfreich sein, die Sprache und die Formulierungen eines solchen Schreibens zu kennen. Außerdem kann man beim Lesen anderer Beispiele die eigenen Gedanken sortieren und das Schreiben bereits gedanklich strukturieren.

Wer in einem der Suchmaschinen die Wörter „Motivationsschreiben“ und „Muster“ eingibt, findet bereits zahlreiche gute Muster. Auch viele Webseiten mit guten Tipps gibt es im Netz. Manche dieser Anbieter bieten Musterschreiben und Tipps kostenlos an, andere wiederum verlangen für den Download entsprechender Beispiele und Tipps die Zahlung eines Geldbetrages. Kostenpflichtige Angebote sind in der Regel umfangreicher, bieten sowohl positive als auch negative Beispiele, damit man eventuell Fehler im eigenen Schreiben korrigieren bzw. von Beginn an vermeiden kann.

Nicht empfehlenswert ist es, Musterschreiben komplett oder in großen Teilen einfach zu übernehmen. So läuft der Bewerber Gefahr, dass das Copy-and-paste erkannt wird, weil Personen in Personalbüros tagtäglich sich mit solchen Schreiben befassen und sehr schnell merken, wenn Sie auf Formulierungen stoßen, die bekannt sind. Außerdem beraubt man sich selbst der Chance, mit einem guten Brief positiv hervorzustechen.

Motivationsschreiben von Profi

Eine letzte Möglichkeit, sich zu helfen ist es, sich externe professionelle Hilfe zu holen. Wer keine oder nur wenig Übung hat, wird eventuell Schwierigkeiten damit haben trotz Mustervorlagen und guten Tipps, ein gutes Motivationsschreiben aufzusetzen. In diesen Fällen kann ein sogenannter Ghostwriter hilfreich sein. Es gibt professionelle Agenturen, die sogar die gesamte Bewerbungsmappe sichten, korrigieren oder komplett aufsetzen. Oft reicht es bereits, ein Bestellformular auf der Webseite der Schreibagentur [3] ausfüllen. Nachdem die Anfrage bearbeitet wurde, erhält man ein unverbindliches Angebot. Und weil die Kooperation mit einem Ghostwriter eine gewisse Diskretion erfordert, kann der Auftraggeber – soweit möglich – selbst anonym bleiben.

Die Kehrseite der Medaille ist in diesen Fällen natürlich, dass man nicht nur aufgrund der Bewerbungsmappe eingestellt wird, sondern die Leistung, die man in der Bewerbungsmappe vorgibt, auch im Job abliefern muss. Sonst kann es passieren, dass man nicht über die Probezeit kommt. Wenn man sich beispielsweise für einen Arbeitsplatz bewirbt, bei der man selbst Texte schreiben muss und das Motivationsschreiben in fehlerfreiem Deutsch geschrieben ist, wird es im Job nicht lange dauern, bis der Arbeitgeber feststellt, dass man sich offenbar externe Hilfe geholt hat, wenn man nicht in der Lage ist, fehlerfreie Texte zu schreiben. Darüber sollte man sich bewusst sein. Im Prinzip ist es aber nicht unüblich, dass man externe Hilfe holt bei der Erstellung einer Bewerbungsmappe – inklusive professionelle Dienstleister. Denn selbst wenn man selbst eine Sprache in Wort und Schrift beherrscht, ist es nicht garantiert, dass man dann auch automatisch in der Lage ist, eine gute Bewerbungsmappe zusammenzustellen. (dd)