Medikamente, Medizin, Tabletten, Gesundheit, Krankheit
Medikamente (Symbolfoto) © stevepb @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona

Ruhe im Wartezimmer dank Telemedizin

Die Corona-Pandemie verändert das Leben, gesellschaftliche Regeln, menschliches Verhalten – vom Händeschütteln bis hin zum Arztbesuch. Eine führende Rolle spielt die zunehmend die Telemedizin.

Montag, 25.05.2020, 23:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 26.05.2020, 11:57 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Corona-Krise ist nicht nur eine Zeit der Schwierigkeiten für die Gesellschaft und Wirtschaft. Die Zeit der Corona-Krise ist vor allem auch eine Zeit der Veränderung, in der altbewährte Prozesse zugunsten neuer innovativer, und vor allem hygienischer, Prozesse abgelöst werden und die Gesellschaft als Ganzes zum Umdenken gezwungen ist. Das klassische Händeschütteln bei Begrüßungen beispielsweise galt bislang als unverzichtbar – im Kontext von Muslimen wurde in der Verweigerung sogar der Untergang des Abendlandes ausgemacht. Jetzt ist die Verweigerung des Handschlags ein Zeichen von verantwortungsbewusstem Handeln.

Anzeige

Auch das Home-Office ist eines der Schlagwörter, welches einem im Kontext der Corona-Pandemie sofort in den Kopf kommt, um die Wirtschaftskraft bestimmter Unternehmen am Leben zu erhalten. Und während viele Firmen und auch die Bundesregierung an dieser Stelle langsam zu realisieren scheinen, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung doch noch nicht so weit sind, wie sie es selbst behaupten und das Internet immer noch „Neuland“ zu sein scheint, gibt es auch andere Bereiche der technologischen Nutzung, welche sich mittlerweile positiv hervortun, wie beispielsweise die Telemedizin.

___STEADY_PAYWALL___

Lange kritisch beäugt

Anbieter mit Namen wie DoktorABC und dergleichen buhlen derzeit verstärkt um die Gunst der Patienten. Gerade in Zeiten des „sozialen Distanzierens“ erscheint das Angebot lukrativ. Die Telemedizin stellt einen Sammelbegriff für die unterschiedlichsten ärztlichen Versorgungskonzepte dar, welche mithilfe des Internets und digitaler Endgeräte über räumliche Entfernungen oder einem zeitlichen Versatz hinweg erbracht werden können. Das bedeutet, dass man den ärztlichen Rat ganz einfach per Smartphone, Tablet oder PC jederzeit und von überall aus einholen kann.

Während dies in der Vergangenheit aufgrund der Ermangelung der hierfür notwendigen Technologien einerseits nicht möglich war, wurde es andererseits in den letzten Jahren immer noch kritisch und misstrauisch beäugt. Wenn die Zahl der Menschen, die sich im öffentlichen Raum bewegen, durch die Corona-Krise bedingt jedoch drastisch sinkt und jeder Einzelne sich die einfachsten Gänge zweimal überlegt, erhält die Möglichkeit der Ferndiagnose jedoch neue Attraktivität.

Gesundheit on demand

Deshalb probieren immer mehr Menschen in Deutschland den virtuellen Gang zum Online-Doktor aus, um sich der eigenen Gesundheit zuliebe einem deutlich geringerem Ansteckungsrisiko auszusetzen. Denn auch Zeiten des Wartens im Wartezimmer sind durch die Telemedizin ein Ding der Vergangenheit. Vorbei ist das Husten im Wartezimmer, welches von vielen bereits vor Zeiten des Corona-Virus als äußerst unangenehm empfunden wurde.

Durch die Möglichkeit, individuelle Termine bereits im Voraus zu vereinbaren bzw. sich ohne große Umstände in Gesundheitsfragen an eine künstliche Intelligenz, welche einem als persönlicher Assistent zur Seite gestellt wird, zu wenden, gibt es mittlerweile selbst die Gesundheit on demand, wie es scheint.

Und auch Online-Apotheken sehen sich aus den gleichen Gründen einem regelrechten Ansturm ausgesetzt, da sie immer offen haben und die für die eigene Gesundheit notwendigen Medikamente unkompliziert und schnell vor die eigene Haustür liefern können.

Ruhe im Wartezimmer

„Heutzutage nutzen wir das Internet zum Streamen von Musik & Filmen, um mit unseren Liebsten in Kontakt zu bleiben und um uns fit und sportlich zu halten. Warum sollten wir das Internet in diesem Zusammenhang nicht auch dazu nutzen, kompetente Ferndiagnosen von Online-Doktoren zu bekommen und unsere Medikamente direkt nach Hause liefern zu lassen“, erklärt Jamal Hamidu.

Für den gebürtigen Jamaikaner ist das Angebot auch deshalb verlockend, weil er bereits zweimal negative Erfahrungen im Wartezimmer gemacht hat. „Einmal hat sich ein Mann demonstrativ weggesetzt als ich mich neben ihn gesetzt habe, ein andermal wurde ich von einer Oma angepöbelt aufgrund meiner Hautfarbe. Im Internet habe ich Ruhe“, erklärt der 41-Jährige. Allerdings mahnt er auch zu Vorsicht: Einen echten Arztbesuch werde die Telemedizin in vielen Fällen nicht ersetzen können. Für die eine oder andere Kleinigkeit sei das Angebot aber durchaus praktisch. Auch deshalb erwartet er in diesem Bereich schnelle Fortschritte. (dd)

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)