Geld, Armut, Euro, Geldscheine, Reichtum

Wirtschaft

Das kann sich Deutschland aus dem Ausland abgucken

Deutschland ist Exportweltmeister und doch gibt es viel, was man sich aus dem Ausland abgucken kann – seien es Erfahrungen oder das Know-how.

Donnerstag, 07.05.2020, 0:01 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 08.05.2020, 17:06 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Viel zu oft wird auch weiterhin unterschätzt, in welch vielerlei Hinsicht die Bundesrepublik durch Migration stärker wird. Auch im Jahr 2020 gilt: Deutschland kann von ausländischen Arbeitskräften viel lernen und die Wirtschaft hierzulande stark von einer weiteren Öffnung für den internationalen Arbeitsmarkt profitieren. Dabei geht es nicht nur darum, mehr Menschen in Brot und Arbeit zu bringen. Denn Migranten bringen selbstverständlich auch Erfahrungen aus ihren eigenen Ländern mit. Und die sind wirtschaftlich gesehen in vielerlei Hinsicht stark. In welchen Bereichen Deutschlands Wirtschaft durch Migration lernen kann und wieso die Bundesrepublik auch weiterhin auf die kulturellen Bereicherungen anderer Länder angewiesen ist.

Tourismus: Nur 14 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Ausland

Der Tourismus wird auch in Deutschland immer wichtiger, doch nach wie vor kann die Bundesrepublik dank anderer Länder und Menschen stärker werden, wenn es darum geht, ein gastfreundliches Gesicht für Besucher aus dem Ausland zu zeigen. Brasilien beispielsweise verfügt über eine florierende Tourismus-Branche: Im Jahr 2018 hieß das südamerikanische Land 6,589 Millionen ausländische Gäste willkommen, bereits im Jahr 2015 lag der Umsatz mit internationalem Tourismus in Brasilien bei 5,8 Milliarden Dollar – bei stark steigender Tendenz. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Länder wie Spanien, die nicht nur einen Großteil ihres Bruttoinlandsproduktes mit Tourismus erwirtschaften, sondern auch über eine hoch-professionalisierte Tourismus-Branche verfügen.

___STEADY_PAYWALL___

Die Zahlen zum Tourismus in Deutschland hören sich zunächst beeindruckend an: Im Jahr 2015 erzielte die Branche in Deutschland einen Gesamtumsatz von stolzen 290 Milliarden Euro. Allerdings: Lediglich 14 Prozent dieses Umsatzes wurden von Besuchern aus dem Ausland beigetragen. In Deutschland machen also vor allem die Deutschen Urlaub. Für ein Land im Herzen Europas sind das keine besonders guten Aussichten. Hier wäre es ein Plus für die deutsche Wirtschaft, wenn verstärkt Arbeitskräfte aus Ländern wie Brasilien in ausführenden Positionen arbeiten würden: Diese sind womöglich besser qualifiziert als deutsche Arbeitnehmer, um die Tourismus-Branche in der Bundesrepublik zu entwickeln. Ein wirtschaftlicher und kultureller Gewinn durch Migration.

Regulierung: Weniger Bürokratie wagen

Auch wenn es ums Thema Regulierung geht, kann Deutschland einiges aus dem Ausland lernen. Was Deutschland in der Regel eher restriktiv handhabt, geht im Ausland oft unbürokratischer, was allerdings mit Vor- und Nachteilen verbunden ist. Ein Beispiel: Malta ist bekannt für seine florierende Glücksspielszene. Das Land hat als eines der ersten verstanden, daraus wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Die Malta Gaming Authority ist für die Regulierung des Marktes verantwortlich und vergibt verschiedene Arten von Lizenzen. Klasse 1 ist für gewöhnliche Online Glücksspiele wie Casino-Spiele oder Bingo, Klasse 2 umfasst auch Wetten. Klasse 4 wiederum ist für die Betreiber von iGaming Portalen gedacht. Die Folge: Obwohl es auch weitere europäische Lizenzen für die Betreiber gibt, werden hierzulande Spielbetriebe wie das Online Casino Wildz, oft von Malta aus reguliert. In Deutschland wird die Vergabe von Glücksspiellizenzen neu reguliert. Zum einen ist man bemüht, die Regularien nicht zu streng zu gestalten, um illegalen Angeboten das Wasser abzugraben, auf der anderen Seite ist eine strikte Regulierung erforderlich im Hinblick auf den Spielerschutz – Stichwort: Spielsucht. Ob der Spagat gelingt, wird sich zeigen. In jedem Fall macht es Sinn, Erfahrungen aus dem Ausland mit verschiedenen Modellen mit einfließen zu lassen.

Start-up Szene: Deutsche sind gründungsfaul

Ein Sektor, in dem Deutschland ebenfalls dem Ausland hinterherhinkt, ist die Start-up-Szene. Die Deutschen sind vergleichsweise gründungsscheu, das weiß man schon seit längerem. Umso wichtiger sind Impulse aus dem Ausland, damit in Deutschland auch in Zukunft eine hohe Zahl an innovativen Start-ups gegründet wird. Studien zeigen: Migranten haben im Durchschnitt mehr Mut zur Selbstständigkeit! Laut einer Studie des KfW waren in Deutschland zwischen 2005 und 2016 rund 4,1 Millionen Menschen zu einem Zeitpunkt als Selbstständige tätig. Und ein Fünftel dieser Selbstständigen, das entspricht insgesamt 800.000 Menschen, hat einen Migrationshintergrund. Tendenz steigend: Allein im Jahr 2016 wagten 139.000 Migranten den Sprung in die Selbstständigkeit.

Insbesondere Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund haben die Kultur der Bundesrepublik bereits stark bereichert, da die Türkei zu den ersten Ländern zählte, aus denen das ehemalige Westdeutschland verstärkt Migration zuließ. Wer heute zum Beispiel einen Mokka trinkt, weiß vermutlich gar nicht, dass es sich dabei um ein traditionelles türkisches Heißgetränk handelt. Und diese Bereicherungen sind für die Wirtschaft extrem wichtig. Denn die Gründerquote in Deutschland sinkt immer weiter, von 2,92 Prozent im Jahr 2001 auf aktuell nur noch 1,06 Prozent im Jahr 2018. Nur noch einer von hundert Menschen in Deutschland ist aktuell also selbstständig. Deutschland droht hier, hinter andere Länder zurückzufallen. Wo also besser nach innovativen Impulsen suchen, als bei den zugewanderten Mitbürgern?

Fachkräftemangel: Bis 2030 drei Millionen freie Stellen

Es ist inzwischen eine oft wiederholte Weisheit, doch der Fachkräftemangel hält Deutschland weiter im Griff. Bis zum Jahr 2030 könnten insgesamt drei Millionen Fachkräfte fehlen, wie Studien inzwischen bestätigen. Für das Jahr 2040 erwarten Forscher sogar einen Mangel von 3,3 Millionen Arbeitenden. Grund dafür ist unter anderem der demografische Wandel, welcher für die Gesellschaft langanhaltende Folgen haben dürfte, wenn Deutschland sich in Zukunft nicht weiterhin um Zuzüge bemüht. Größte Baustelle hierbei wird die Digitalisierung sein, die in beinahe allen Bereichen der Wirtschaft immer wichtiger wird. Insbesondere im Bereich IT hat Deutschland einen großen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Doch auch anderen Branchen geht es ähnlich.

Es gibt also noch weitere als die oben gelisteten Gründe, die für Migration sprechen. Wichtig ist dabei aber, dass beim Zuzug neuer Mitbürger nicht lediglich nach dem Ausbildungslevel entschieden wird. Wirtschaftliche Interessen sollten hinter kultureller Offenheit stehen. Denn Tatsache ist: Menschen stellen immer eine Bereicherung für ein Land dar, egal aus welchem Kulturkreis sie kommen und wie gut sie ausgebildet sind. Die oben genannten Beispiele zeigen jedoch: Wenn Deutschland sich in Zukunft offener für Migration zeigt, profitiert das Land dadurch gleich in mehrfacher Hinsicht. Und von einem moderneren Deutschland profitieren ohnehin alle Einwohner.

Fazit

Auch im Jahr 2020 und darüber hinaus kann Deutschland einiges von anderen Ländern und Kulturen lernen. Das gilt sowohl beim Mut für die Selbstständigkeit und dem Start-up Gedanken, wie auch für den Tourismus und das Thema Bürokratie. Es lohnt sich für die Bundesrepublik also, nicht verschlossen zu sein, sondern stattdessen bessere Angewohnheiten und Systeme aus anderen Ländern zu übernehmen. Perfekt geeignet, um dabei zu helfen, sind Deutsche mit Migrationshintergrund und Migranten, welche die Einheimischen von ihrem Wissen profitieren lassen können. (dd)

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)