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Handy (Symbolfoto) © Alexas_Fotos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Spielerschutz per Gesetz

Glücksspiel in Europa – aktuelle Situation und Herausforderungen

Das „harmlose“ Zocken zwischendurch am Smartphone kann mangels Limits und Regulierungen für Spieler oft zu einer Falle werden – betroffen sind oft Migranten. Viele EU-Länder steuern langsam dagegen.

Dienstag, 10.03.2020, 0:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.04.2020, 10:06 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Blackjack, Poker und Roulette – Vertreter des großen Spiels, das aus keiner größeren Spielbank wegzudenken ist. Wer sich nicht in Schale schmeißen will, spielt heute einfach online. Dank Live-Tischen sogar mit realem Dealer. Das Problem: Online Casinos sind nach geltendem Recht in Deutschland eigentlich verboten. Und nicht nur hier. Noch haben viele europäische Staaten ein Glücksspielrecht, das vor dem Internet entstand. Zum Nachteil vieler Spieler, die sich beim „harmlosen“ Zocken übernommen haben und vielleicht sogar süchtig geworden sind – statistisch gesehen überdurchschnittlich oft Menschen mit Migrationshintergrund.

Glücklicherweise hat in den Parlamenten zuletzt ein Umdenken stattgefunden – hin zur Regulierung, Spielerschutz aber auch zur Legalisierung. Selbst die Schweiz – bekannt für eine eher konservative, auf dem Territorialprinzip beruhende Einstellung – geht ein Stück auf Online Casinos zu. Welche besonderen Hürden haben die Gesetzgeber ab dieser Stelle zu meistern? Und ist – gerade für Deutschland – damit zu rechnen, dass die Hängepartie endlich ein Ende findet?

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Regulierung: Zwischen Liberalisierung und Verbot

Unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Glücksspiel haben in der Vergangenheit zu verschiedenen Ansätzen in der Regulierung geführt. Ein krasses Negativbeispiel ist aktuell (noch) Deutschland. Hier ist es innerhalb einer Dekade nicht gelungen, eine mit dem Unionsrecht konforme Lösung auf die Beine zu stellen. Aber auch andere EU-Staaten haben sich in der Vergangenheit schwer mit dem Thema Glücksspielrecht getan.

Ein Beispiel sind die Niederlande. Nachdem das Parlament 2019 für eine Liberalisierung plädiert hat, wird das entsprechende Gesetz erst 2021 an den Start gehen. Entsprechende Infos ließ der Chef der Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit in einer Rede blicken. Damit würde die Neuregelung später als angedacht an den Start gehen. Ein besonders schwerwiegender Aspekt der Liberalisierung sind:

  1. Jugendschutz
  2. Werbung für Glücksspiel

Die geplanten Regelungen zielen darauf ab, den Spielerschutz auf hohem Niveau durchzusetzen. Wie sieht die Gesetzgebung in anderen europäischen Staaten aus?

  • Malta: Der Inselstaat Malta hat – neben den britischen Kanalinseln – als eines der ersten EU-Mitglieder eine liberale Haltung zum Remote Glücksspiel eingenommen. Basierend auf dem Lotteries and Other Games Act 2001 entstand die Malta Gaming Authority, welche die Prüfung und Kontrolle im Lizenzierungsverfahren ausübt. Geprüft werden verschiedene Aspekte, wie die Umsetzung des Spielerschutzes und das Teilnahmeverbot für Minderjährige. Allgemein gelten die Regelungen als relativ liberal. Der frühe erste Schritt, die Rahmenbedingungen der Gesetze und niedrige Steuersätze haben Malta zu einem wichtigen Standort für Online Casinos werden lassen.
  • Schweiz: In der Schweiz galten lange sehr restriktive Rahmenbedingungen für Glücksspiel. 2017 hat das Parlament mit dem Bundesgesetz über Geldspiele eine Novellierung auf den Weg gebracht, die inländischen Casinos die Lizenzierung eines Onlineangebots erlaubt. Ausländische Lizenzen erkennt das Gesetz nicht an. Das Problem besteht allerdings darin, dass das Internet an der Schweizer Grenze nicht einfach Halt macht.

Deutschland scheint von der bisherigen Hängepartie genug zu haben – und will sich eine neue, liberale Gesetzgebung verpassen. Zumindest haben sich die Bundesländer laut Medienberichten auf entsprechende Rahmenbedingungen verständigt. Mit dem neuen Glücksspielrecht können Online Casino legal auftreten. Allerdings soll es erhebliche Hürden hinsichtlich des Spielerschutzes geben – mit einem monatlichen Einzahlungslimit und einer Sperrdatei bei einer zentralen Stelle.

Mobile Gambling: Unterwegs Spielen beliebter

In der bisherigen Debatte ging es immer um klassisches Online Casino. Seit Smartphones auf dem Markt sind, ist ein Bereich allerdings sehr stark gewachsen – das Mobile Casino. Einfach zum Handy greifen und unterwegs ein paar Runden zocken hat zuletzt sehr stark an Beliebtheit gewonnen. Statistiken zufolge macht die mobile Nutzung des Internets inzwischen mehr als 50 Prozent des versurften Datenvolumens aus.

Für die Online Casinos haben sich in den letzten Jahren zwei Ansätze etabliert – einmal die native App zum Herunterladen. Viele Anbieter setzen inzwischen aber auf Instant Play, realisiert über eine responsive Website. Der Grund: Für die App-Stores der beiden Betriebssysteme Android und iOS gelten sehr strenge Regelungen in Bezug auf Online Glücksspiel. Im Play Store sind daher keine Casino Apps mit klassischen Echtgeldspielen zu finden. Trotzdem sind Apps oft komfortabler und werden trotzdem angeboten, wie hier die App-Liste zeigt.

Live Casino: Ein Trend der letzten Jahre

Ein sehr wichtiger aktueller Trend im Online Casino ist das Live Play. Hier werden die Spiele mit echten Dealern und Croupiers realisiert. Technisch aufwendig umgesetzt, sind solche Angebote mit dem Netzausbau möglich geworden. Die Veranstaltung solcher Live Casinos übernehmen die Onlinespielbanken selten selbst. Spezialisierte Technik-Dienstleister stellen das Equipment und die Studios.

Über den Stream wird in Echtzeit ein Overlay eingefügt, welches Anpassungen im Design – etwa hinsichtlich der Casinobrand – ermöglicht. Live Play kann sowohl am Desktop als auch über das Smartphone gespielt werden. So verlockend die neuen Angebote auch sein mögen, umso vorsichtiger sollte man vorgehen.

Was ist bei der Casino-Wahl wichtig?

In der Auswahl eines Internetcasinos sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Die Lizenz ist ein wesentlicher Punkt, da sie Hinweise zur Kontrolle über das Casino und den Standards zulässt. Speziell Unionsrecht unterliegende Anbieter erfüllen hohe Anforderungen. Darüber hinaus zählen:

    • Spielangebot
    • Transparenz
  • Kundendienst
  • Zahlungsrichtlinien

Bonusaktionen sind an dieser Stelle bewusst ausgeklammert. Heute sind Bonusgeld und Freispiele in vielen Casinos Standard. Worin sich die Anbieter unterscheiden, ist der Umfang der Pakete und das Regelwerk. An den Bonusbedingungen ist sehr schnell zu erkennen, welchen Stellenwert Kundenzufriedenheit hat.

Speziell die Umsatzanforderung ist in einigen Fällen so angelegt, dass Spieler mit durchschnittlicher Spielhäufigkeit an dieser Hürde scheitern werden. Ein Fakt, der gerade Beginnern nicht bewusst ist. In der Folge steigt das Frustlevel sehr schnell an. Aus diesem Grund gilt: Boni nur dann nutzen, wenn die Bedingungen wirklich zum eigenen Spielstil passen!

Fazit: In Europas Glücksspiel-Szene kommt Bewegung

Das Online Glücksspiel in Europa und in Deutschland boomt. Bisher nicht Schritt gehalten hat allerdings die Gesetzgebung. In vielen europäischen Ländern gelten immer noch veraltete Glücksspielgesetze. Aber: An diesem Zustand scheint sich langsam etwas zu ändern. Die Niederlande geben sich ein liberales Glücksspielrecht. Und auch Deutschland scheint inzwischen ein Einsehen zu haben. Bisher war Rechtssicherheit durch Differenzen zwischen nationalem und Unionsrecht ein Fremdwort. Ab 2021 könnte aber auch die Bundesrepublik Online Casino legalisieren. Für die Branche würde dann eine neue Zeitrechnung anbrechen. Ob es letztlich auch dazu kommt, hängt davon ab, ob sich alle Beteiligten auch in letzter Konsequenz auf gemeinsame Regeln einigen können. (dd)

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