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Handy (Symbolfoto) © congerdesign @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Mehr Schutz vor Sucht?

Internet Glücksspiel – wie ist das in Deutschland geregelt?

Das Internet ist verlockend, vor allem wenn Langeweile herrscht. Das schnelle Zocken zwischendurch ist oft nur harmlos. Doch es gibt auch tückische Fallen, die schnell zur Sucht werden können. Eine Gesetzesänderung verspricht mehr Spielerschutz.

Dienstag, 03.03.2020, 0:55 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.04.2020, 10:05 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Wer an verbotenem Glücksspiel teilnimmt, macht sich in Deutschland nach dem Strafgesetzbuch strafbar. Das ist vielen Spielern überhaupt nicht bewusst. Das mag auch daran liegen, dass bisher Bemühungen um eine Bestrafung von Spielern meist ins Leere gelaufen sind aufgrund unklarer Rahmenbedingungen. Innerhalb von 10 Jahren ist es nicht gelungen, einheitliche Regelungen auf den Weg zu bringen.

Aber: Anscheinend bricht demnächst eine neue Zeitrechnung an. Halten sich die Bundesländer an ihren Plan, könnte 2021 die Liberalisierung des Glücksspielmarktes auf den Weg kommen. Damit einher geht die Legalisierung von Online Casinos. Die Messlatte (so viel ist schon klar) für deren Betreiber beim Spielerschutz dürfte allerdings sehr hoch hängen.

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Wie ist die aktuelle Lage?

In Deutschland ist die Regulierung von Glücksspielangeboten Ländersache. Dies betrifft nicht nur Online Casinos. Auch:

  1. Spielautomaten
  2. Spielbanken
  3. Sportwetten

fallen in diese Rubrik. Im Zuge einer flächendeckend einheitlichen Gesetzgebung haben sich die einzelnen Bundesländer zusammengetan und den Glücksspielstaatsvertrag entwickelt. Dieser trat 2008 in Kraft. Aber: Das Regelwerk trat Ende 2011 wieder außer Kraft.

Seitdem ist es den Ländern nicht gelungen, sich auf eine Linie zu einigen, die mit Unionsrecht konform ist. Der erste Glücksspieländerungsstaatsvertrag wurde von Schleswig-Holstein nicht unterzeichnet. Im nördlichsten Bundesland galt in der Folge ein abweichendes Glücksspielrecht – es konnten sogar Lizenzen vergeben werden. Im Glücksspieländerungsstaatsvertrag war eigentlich die Vergabe von Lizenzen für Sportwettenanbieter vorgesehen. Allerdings ist bis heute keine Erlaubnis erteilt.

Deutsches Recht vs. EU-Recht – der ewige Zwist

Am Veto Schleswig-Holsteins scheiterte am Ende auch die Ratifizierung des zweiten Glücksspieländerungsstaatsvertrags. Ursprünglich war dessen Inkrafttreten für den Januar 2018 geplant. Damit ist Online Glücksspiel de facto in Deutschland verboten. Aber: Sportwettenanbieter und die Betreiber von Online Casinos aus dem EU-Ausland machen trotzdem Werbung und bieten ihre Leistungen an. Diese „Grauzone“ entsteht durch mit dem nationalen Recht konkurrierenden Unionsrecht.

Auf der einen Seite verbietet die Dienstleistungsfreiheit, dass Deutschland Anbieter aus:

  • Malta oder
  • Gibraltar

einfach aussperrt. Andererseits hat der EuGH (Europäische Gerichtshof) in einem spektakulären Urteil entschieden, dass ohne ein funktionierendes System zur Lizenzvergabe Anbieter nicht einfach sanktioniert werden können. Damit sind Verbote – wie in Deutschland – zum zahnlosen Papiertiger geworden.

Was könnte sich 2021 ändern?

Aktuell wird seitens der Bundesländer an einem neuen Anlauf für die Regulierung des Glücksspielmarktes gearbeitet. Und es hat den Anschein, als würde es dieses Mal mit der Regulierung sogar klappen. Der neue Staatsvertrag schließt eine Lizenzvergabe an Online Casinos, die:

  • Blackjack
  • Poker
  • Roulette oder
  • Baccarat

anbieten nicht mehr kategorisch aus. Vielmehr soll – so zumindest der Plan – eine Liberalisierung stattfinden. Sofern die Länder an ihrer Idee festhalten, könnte es 2021 dazu kommen, dass Online Glücksspiel in Deutschland legal möglich ist.

Aber: Bis dahin liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor den Bundesländern wie Berlin und Hessen. Zentrales Thema wird im Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag der Spielerschutz sein. Hier wollen die Länder den Anbietern strenge Rahmenbedingungen vorgeben. Dazu gehören:

  • Glücksspiel unter 18 ist verboten
  • Einzahlungslimit von 1.000 Euro
  • Sperrdatei für Spieler.

Das Limit gilt für monatliche Einzahlungen und soll verhindern, dass sich Spieler im Casino übernehmen. Untersuchungen zeigen, dass vor allem Migranten hohes Suchtpotenzial aufweisen, weil sie – statistisch gesehen – viele suchtbedingende Merkmale aufweisen. Ein wichtiges Kriterium vor diesem Hintergrund könnte die zentrale Sperrdatei sein. Hier sollen nicht nur Casinofans erfasst werden, welche durch die Anbieter bei Auffälligkeiten gesperrt werden. Auch, wenn ein Spieler sich selbst für die Sperre entscheidet, werden Daten an die Datei übertragen. Der Grund: Mit dem zentralen Register soll es unmöglich werden, sich in einem anderen Online Casino anzumelden und weiterzuspielen.

Eine sehr interessante Frage wird sich auch darum drehen, wie in Zukunft Boni und andere Benefits in den Online Casinos aussehen. Kritiker sehen hierin einen zusätzlichen Anreiz zum Spielen – und den damit verbundenen Suchtrisiken.

Welche Faktoren sind heute bei einem Online-Casino wichtig?

Bis es soweit ist und die Länder den Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag „in Stein“ gemeißelt haben, bleibt alles beim Alten. Wer Casinospiele ausprobieren will, hat bei vielen Anbietern die Möglichkeit zum Testen über den Demomodus. Auf der anderen Seite sind Echtgeldgewinne natürlich nur drin, wenn sich bei Online Casinos registriert wird. Welcher Anbieter hierfür in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

1. Bonuspakete: Auch auf die Bedingungen achten

Willkommensboni sind inzwischen sehr weit verbreitet. Aus Sicht eines Casinofans reicht es heute nicht mehr, sich nur auf diesen Aspekt zu verlassen. Welche Aktionen für Bestandskunden gelten ist genauso wichtig wie der Blick Richtung Bonusbedingungen. Gerade beim Rollover und der Wagering Contribution gibt es häufig Überraschungen im „Kleingedruckten“. Auf Casino24 lassen sich die Boni und deren Bedingungen genauer unter die Lupe nehmen.

2. Spielangebot: Passt das Spielangebot zu meinen Wünschen?

Als einer der wichtigen Aspekte muss der Blick aufs Spieleportfolio gehen. Slots, Tischspiele und Live Casino sind Standard-Spielbereiche. Wichtig ist, sich die Software Provider genau anzuschauen. Hier gibt es inzwischen sehr große Unterschiede im Umfang der einzelnen Online Casinos.

3. Kassenbereich: Sind meine Lieblings-Zahlungsanbieter dabei?

Kreditkarte und E-Wallets sind inzwischen Standard-Zahlungsmittel in Online Casinos. Kryptowährungen oder Mobile Payment Lösungen haben es noch nicht zum flächendeckenden Einsatz geschafft. Ein wesentlicher Aspekt sind die Zahlungsrichtlinien. Hier geht es unter anderem um die Frage nach Gebühren und in welcher Höhe pro Monat Guthaben ausgezahlt werden können.

4. Kundendienst: Reagiert der Kundenservice schnell und zuverlässig?

Ohne Support kommt kein Online Casino aus. Allerdings zeigen Praxiserfahrungen, dass bei Kompetenz und den Echtzeit-Kontaktkanälen die Unterschiede erheblich sind. Außerdem hat der FAQ-Bereich mitunter den Charakter eines „Feigenblatts“. Bevor sich Spieler also für ein Online-Casino entscheiden, sollten die möglichen Kontaktwege und auch die weiteren Serviceleistungen genauer unter die Lupe genommen werden.

Fazit: Deutschland steht vor einer Trendwende

Online Casinos sind in Deutschland eigentlich verboten, gespielt wird trotzdem. Vielleicht ist es ab 2021 möglich, legal Blackjack und Roulette zu spielen. Seitens der Bundesländer wird zumindest an einer Legalisierung des Online Glücksspiels gefeilt. Die Liberalisierung wird allerdings mit strengen Rahmenbedingungen einhergehen – wie Einzahlungslimits. Für Spieler und Betreiber wäre das Ganze aber so oder so ein Fortschritt, um endlich aus der aktuellen Grauzone heraustreten zu können. (dd)

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