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Medikamente (Symbolfoto) © stevepb @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Einfache Sprache

Die neue Medizinprodukte-Verordnung der Europäischen Union

Wer einen Beipackzettel liest, stößt schnell an seine Grenzen - unverständliche Sprache, zu kleine Schrift. Vor allem für neu eingewanderte Menschen wird das zu einem Hindernis. Ab Mai soll sich das ändern. Die EU hat einfache Sprache vorgeschrieben.

Freitag, 28.02.2020, 0:01 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 29.02.2020, 23:55 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Immer wieder werden auf Ebene der Europäischen Union Standards beschlossen, die das tägliche Leben der Menschen vereinfachen sollen. In der Regel geht es darum, dass nationale Standards auf europäischer Ebene vereinheitlicht werden. Für Unternehmen hat das den Vorteil, dass sie sich nicht in jedem Land um die Besonderheiten des Mitgliedsstaates kümmern müssen, wenn sie dort ein Produkt vertreiben wollen. Die Verbraucher profitieren ebenfalls von der Vereinheitlichung. Meist werden relativ hohe Anforderungen an den Verbraucherschutz gestellt. Außerdem können sie sich darauf verlassen, dass die ihnen bekannten Standards auch dann gelten, wenn sie sich in einem anderen Mitgliedsstaat aufhalten.

Im Rahmen der EU-Verordnung 2017/745 hat man sich beispielsweise einem Problem über Medizinprodukte angenommen, das in der Vergangenheit häufig aufgetreten ist. Die mit Medizinprodukten mitgelieferten Anleitungen und Hinweise sind oft unverständlich formuliert. Denn für die Hersteller ist es eine große Herausforderung, den Platz optimal zu nutzen. Besonders schwierig wurde es, wenn diese Texte im Rahmen einer Internationalisierung auch noch übersetzt wurden. In der Folge waren die Anweisungen für Verbraucher teils nicht hinlänglich verständlich und es gab das Risiko, dass diese nicht oder falsch verstanden werden. Besonders oft haben neu eingewanderte Menschen Schwierigkeiten, da oft Sprachdefizite hinzukommen. Da wird auch die wichtige Beratung in der Apotheke oft nicht oder nur unzureichend durchgeführt. Die neue Verordnung soll hier Abhilfe schaffen.

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Die Umsetzung der neuen Verordnung

Die Verordnung 2017/745 der Europäischen Union sorgt für viele Neuheiten, die in Zukunft für Medizinprodukte gelten. Da es sich teilweise um sehr gravierende Änderungen handelt, gab es eine mehrjährige Übergangsfrist. Diese neigt sich allerdings dem Ende und ist am 26. Mai 2020 vorüber. Dann sind die Hersteller von Medizinprodukten gezwungen, alle Hinweise in verständlicher und leichter Sprache zu formulieren. Dies müssen sie dann für die Landessprache von jedem Land machen, in dem das entsprechende Produkt vertrieben wird. Das ist eine enorm große Herausforderung, denn bei der Gestaltung von Verpackungen und Beipackzetteln kommt es auf viele verschiedene Faktoren an.

Natürlich geht es bei der Gestaltung von Verpackungen auch darum, dass der vorhandene Platz optimal genutzt wird. Sichtachsen und Eye-Tracking spielen beim Produktmarketing eine entscheidende Rolle. Und genau hier entstehen bei der Übersetzung medizinischer Texte Schwierigkeiten: Sollten die Produktdesigner beispielsweise aus Deutschland kommen und Deutsch als Muttersprache haben, wird das Design auf die deutsche Sprache zugeschnitten. Nachdem die Texte dann zu einem Übersetzer gegeben wurden, und auf Englisch, Japanisch oder Französisch übersetzt wurden, weicht die Länge vom Original ab. Auch erfahrenen Übersetzern sind hierbei die Hände gebunden, denn ihre Aufgabe ist es vor allen Dingen, Information und Attitüde des Ausgangstextes sachgemäß zu übersetzen.

Für die Unternehmen ist es deshalb zu einer echten Aufgabe geworden, die neue Verordnung zu Medizinprodukten umzusetzen. Vermutlich werden die Prozesse zur Gestaltung von Verpackungen in Zukunft noch umfangreicher werden, als sie es sowieso schon sind. Allerdings handelt es sich dabei nicht um unnötige Bürokratie. Die Verbraucher profitieren unmittelbar davon. Fraglich bleibt, wie sich die Verordnung auf die Preise von Medizinprodukten auswirkt. Vermutlich werden die zusätzlichen Kosten nicht unmittelbar auf die Preise aufgeschlagen werden. Mittelfristig könnte es aber durchaus dazu kommen, dass die betroffenen Produkte ein wenig teurer werden. (dd)

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