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Handy © Sascha Kohlmann @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Asylunterkunft

Spielen gegen die Langeweile

Asylverfahren in Deutschland dauern lange. Während des Wartens dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten. Das stellt sie vor große Herausforderungen. Der Zeitvertreib ist oft eine große Herausforderung.

Montag, 20.01.2020, 2:29 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 20.01.2020, 23:01 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Vor einem Jahr ist Karim (Name geändert) aus Kasachstan gekommen. Sein Weg führte über Russland, Ukraine und Polen nach Deutschland. „Ich wollte einfach nur noch weg, egal wie weit und wohin“, erklärt Karim heute. Seine Fluchtgründe, eine Mischung aus Armut und Perspektivlosigkeit. Er habe einfach keine Zukunftschancen gesehen, sagt der 27-Jährige. Er geriet zwischen die Fronten sich bekämpfender Milizen-Gruppen. „Ich sah keinen Ausweg mehr, entweder ich hätte für eine Seite kämpfen oder fliehen müssen“, sagt Karim.

Seine Hoffnung, in Deutschland ein besseres Leben zu finden, lösten sich binnen weniger Monate in Luft auf. Nach seinem Antrag auf Asyl wurde er bei Sachsen-Anhalt in einer Unterkunft für Geflüchtete untergebracht. Er schloss Freundschaften mit anderen Geflüchteten, die schon viel länger in Deutschland sind. Geflüchtete müssen teilweise viele Monate warten, ehe ihr Verfahren abgeschlossen ist. Eine lange Zeit, zu lange für junge Männer, die voller Tatendrang und Hoffnung sich auf die Suche nach einem besseren Leben gemacht haben.

Kämpfen vor Gericht

Bei einigen in der Unterkunft ist das Verfahren bereits abgeschlossen. Sie haben einen negativen Bescheid erhalten und kämpfen jetzt vor Gericht um einen Asylstatus. Die Chancen stehen zwar nicht schlecht, doch auch das Gerichtsverfahren kann mehrere Monate dauern.

„Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Zeit totzuschlagen“, erklärt Karim. Tatsächlich ist der Alltag der meisten jungen Männer in Aufnahmeeinrichtungen geprägt von Langeweile und Frust. Die meisten sind auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. Ideal wäre ein Arbeitsplatz, berichten die meisten in der Unterkunft. So lange das Asylverfahren läuft dürfen sie aber nicht arbeiten. Sie bekommen keine Arbeitserlaubnis.

Froh um jeden Lacher

„Deshalb spielen wir. Wir spielen Karten oder irgendwelche Spiele am Handy“, berichtet Karim. Sein Zimmerfreund zeigt auf sein Handybildschirm. Darauf ist in großen Lettern „Online Casino Deutschland“ zu lesen. Ab und zu treffen sich die Karim und seine Freunde am virtuellen Spieltisch – obwohl sie im selben Raum sitzen. „Der Spaß ist dann groß“, erklären sie und ergänzen: „Wir passen aber auch aufeinander auf, dass wir uns nicht verzocken“. In der gemeinsamen Runde spielen dann oft um irgendwelche Wetten. Der Verlierer muss dann dämliche Handlungen vornehmen. Das trägt oft zur allgemeinen Belustigung bei. „Wir sind froh um jeden Lacher. Es gibt sonst nicht viel zu lachen für die meisten hier“, sagt Karim.

Die meisten jungen Erwachsenen in der Unterkunft haben auf der Flucht oder in der Heimat Schlimmes erlebt und müssen die traumatischen Erlebnisse verarbeiten. Professionelle Hilfe gibt es keine. Deshalb erzählen sie ihre Geschichten untereinander und spenden sich gegenseitig Trost. Es kommt aber auch oft zu Streit unter den Bewohnern in der Unterkunft. „Viele hier sind einfach gereizt vom Warten, von der Angst, abgeschoben zu werden“, weiß Karim zu berichten. Viele machen sich auch einfach nur Sorgen um ihre Familien, die sie in der Heimat zurücklassen mussten. „Es ist nicht einfach“, sagt Karim mit nachdenklicher Stimme und leerem Blick. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis er Gewissheit über sein Verfahrensausgang hat. (dd)

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